Fleisch und Wurst wie früher - meinanzeiger.de
4. März 2019
Kultur

Fleisch und Wurst wie früher

Mein museum: Hausschlachtmuseum Bornhagen

In der Küche riecht es nach Schlachtgewürzen.

In der Küche riecht es nach Schlachtgewürzen.

Eine Zeitreise, die nicht nur für ältere Semester spannend ist. Empfohlen von
Martin Röhrig, Geschäftsführer Klausenhof Bornhagen.


Was gibt‘s Musehenswertes?
Wir haben Ausstellungs­stücke aus drei Jahr­hunderten gesammelt, die die ­Hausschlachtung und ­Wurstverarbeitung im ­Eichsfeld widerspiegeln.
Dazu zählen Bolzenschuss­geräte, schwere Wiegemesser, alte Fotos und Mollen – also große trog­ähn­liche Wannen.

Woran führt kein Weg vorbei?
Es ist die Summe der gezeigten Objekte. Die Ausstellung ist wie eine Zeitreise, ­besonders für die mit Bezugs­punkten zur Hausschlachtung. Ältere werden hier häufig in ihre Kindheit ­‚entführt‘, gerade weil bei uns die ­Tradition und das Wissen der Hausschlachtung noch sehr gepflegt werden.

Außer der Reihe:
Gibt es nicht. Es ist eine Dauerausstellung. Aber letztes Jahr haben wir eine ­Portraitsammlung hinzubekommen. Der Fotograf Martin Langer, der aus Süd-Niedersachsen stammt, hat in den 1980er-Jahren eine Hausschlachtung bei seinen ­Großeltern fotografiert. Die Fotos sind nun bei uns zu sehen.

Museum zum Anfassen?
Die Besucher werden an jeder Stelle damit konfrontiert. Die Ausstellungsstücke ­können angefasst und ausprobiert werden. Auch der Duft der Schlachtergewürze liegt in der Luft.

Museums-Rundgang:
Das kommt darauf an, wie bewandert der Besucher mit der Hausschlachtung ist. Wir wollen aber in Zukunft noch die Bebilderung und die Erläuterungen ausbauen. Dafür haben wir auch einen Film, der die Hausschlachtung vor 100 Jahren darstellt. Wer sich auf die Zeitreise begeben will, ist aber eine Stunde beschäftigt. Ein schneller Rundgang kann in 25 Minuten erledigt sein.

Ihr Lieblingsstück?
Ich möchte keines herausgreifen, aber es gibt ein Bild einer Hausschlachtung, aus den 1950er-Jahren, auf dem mein Ur-Großvater zu sehen ist. Ich würde es aber nicht als Lieblingsstück bezeichnen.

Sind auch Kinder hier ­museumsreif?
Am besten schaut man sich die Ausstellung mit einer Führung an. Da wird auch Kindern sachlich vor Augen geführt, woher das Fleisch kommt. Die Wurst auf dem Brot stammt nun mal von einem Tier, das dafür sterben musste. Dieser Vermittlungs­aspekt ist wichtig, ohne dass man ihn skandalisiert oder aufbauscht. Leben und Tod sind selbstverständliche Bestandteile. Ich denke, es tut nicht nur den Kindern gut, sich damit auseinanderzu­setzen.

Museum zum Mitnehmen:
Im Hofladen gibt es Wurst aus eigener Produktion. Wir haben Eichsfelder Wurst, die warm verarbeitet und luftgetrocknet ist. Und die Käufer können sicher sein, dass es sich um ein glückliches Schwein gehandelt hat.

Protokoll: Maximilian Walter

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