Mit Mönch und Nonne auf dem Dach - meinanzeiger.de
27. Mai 2020
Kultur

Mit Mönch und Nonne auf dem Dach

Auf dieser Postkarte der Leuchtenburg erkennt man deutlich das Windrad, mit dem kurzzeitig Wasser aus dem Brunnengefördert wurde. Der heutige Brunnen erhält ein neues Dach - und das war gar nicht so einfach... Foto: Stiftung Leuchtenburg

Der historische Brunnen auf der Leuchtenburg erhält ein neues Dach

Geschichten kann der im Jahr 1552 vom Landesbaumeister Nicol Grohmann und Saalfelder Bergleuten errichtete, 80 Meter tiefe Brunnen auf der Leuchtenburg einige erzählen.

 

Der Zahn der Zeit und harte Winterfröste hinterließen deutliche Spuren

Eine ganz aktuelle kommt nun hinzu:
Seit längerem schon beobachtet Tino Schröter, Technischer Leiter der Leuchtenburg, das 1912 errichtete Kegeldach des Burgbrunnens.
Die alte Mönch-Nonnen-Deckung wurde letztmalig 1993 gedeckt.

Der Zahn der Zeit nagte an den Ziegeln, sie hielt den Winterfrösten nicht stand und waren stark zerplatzt.
Eine Sanierung war unausweichlich und dringend nötig.

 

 

Hier wird schon mächtig gewerkelt. Die neuen, handgefertigten Dachziegel stammen übrigens von einer französischen Firma und sind frostsicher bis -20 Grad. Foto: Stiftung Leuchtenburg

 

 

28.000 Euro Förderung

Das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie unterstützte das Vorhaben und förderte die Neubeschaffung der Mönch-Nonne-Deckung mit insgesamt 28.000 Euro.

Dafür hatte sich insbesondere die Abteilung Denkmalschutz des Landratsamtes des Saale-Holzland Kreises eingesetzt.
Im ganzen Saale-Holzland-Kreis ist diese Deckung einmalig und damit besonders erhaltenswert.

Ziegel kommen von einer französischen Firma

Schwierig gestaltete sich allerdings die Beschaffung der Ziegel, müssen diese doch den besonderen Gegebenheiten auf einer historischen, fast 1.000 Jahre alten Burg, 400 Meter über Null, allen Wettern ausgesetzt, stand halten.

Zunächst schien es tatsächlich problematisch, eine passende Firma für die Herstellung der Ziegel zu finden.
Erst der Kontakt Schröters zur Firma LANTER in Frankreich schien, Erfolg zu versprechen.

Frostsicher bis -20 Grad:
2.400 Ziegel wurden handgefertigt und liegen nun bereit

Die Herausforderung war für die im Mediterranen agierende Firma dennoch, die Mönch-Nonne-Ziegel frostsicher bis -20 Grad zu produzieren.

Ein Erfolg heute:
2.400 Ziegel wurden handgefertigt und können nun verlegt werden. Anfang Juni soll das Brunnendach in altem Glanz strahlen.

 

Mehr über den Leuchtenburger Brunnen:

Mit seinen 80 Metern Tiefe ist er der fünf-tiefste Brunnen in Thüringen.

Zuerst wurde das Wasser klassisch mit Eimern und Seilen befördert. Seit der Zuchthauszeit ab 1724 jedoch, mittels eines Tretrades.
Täglich mussten jeweils zwei Häftlinge in zehn Stunden-Schichten das Wasser nach oben befördern, eine harte körperliche Arbeit.

 

80 Meter geht es hier in die Tiefe. Bei einem Besuch der Leuchtenburg erfährt man mehr über die verschiedenen Fördertechniken, die hier schon angewendet wurden – und kann sogar selbst einmal ausprobieren, wie sehr sich die Menschen in der Vergangenheit für etwas Wasser abgeplagt haben. Foto: Stiftung Leuchtenburg

 

Einige düstere Kapitel

In der Zuchthauszeit gab es verschiedene Selbstmorde einzelner Häftlinge durch den Sturz in den Brunnen.
Ein besonders markanter Fall ist filmisch nachempfunden, im Brunnenhaus zu sehen.

 

Aber auch sehr fortschrittliche, ökologische Fördermethoden

Ab 1887 gab es sogar einmal ganz innovativ ein Windrad auf dem Brunnendach, montiert von einer Dresdner Firma, das fließendes Wasser für das damalige Hotel auf der Leuchtenburg beförderte.

 

Selbst mal in die „Tretmühle“ steigen

Wie aufwändig es ist, Wasser aus den 80 Metern Tiefe zu befördern, können Besucher im detailgetreu nachgebildeten Tretrad nachempfinden.
Dieses ist auch trotz der Sanierungsarbeiten zugänglich.

 

Weitere Tipps und Informationen

Mehr über Hintergründe, Termine und aktuelle Entwicklungen erfahren Sie auch unter:
www.leuchtenburg.de

 

Quelle: Stiftung Leuchtenburg

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