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4. Juni 2020
Kultur

Radiokunst online

Die Mindmap ist der digitale Katalog zum Ausstellungsprojekt und macht die Vielfalt der Radiokunst für Interessierte zugänglich. Foto: Radiophonic Spaces/ Professur Experimentelles Radio

Radiophonic Spaces:
Die audiovisuelle Plattform „Mindmap zur Radiokunst“ ist ab sofort online

Eine Webplattform präsentiert ab sofort unter www.radiophonic.space die Ergebnisse des künstlerischen Forschungsprojekts „Radiophonic Spaces“.
Das geht aus einer Pressemitteilung der Bauhaus-Universität Weimar hervor.

Als digitaler Katalog des gleichnamigen Ausstellungsprojekts macht die »Mindmap zur Radiokunst« 100 Jahre radiokünstlerischen Schaffens einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

 

„Radiophonic Spaces“ als Wanderausstellung in Basel, Berlin und Weimar

Das mehrteilige, interdisziplinäre Ausstellungsprojekt zur Geschichte der Radiokunst „Radiophonic Spaces“ war von Prof. Nathalie Singer, Experimentelles Radio, Bauhaus-Universität Weimar, initiiert worden und ist aus dem interdisziplinären Forschungsprojekt „Radiophonic Cultures – Environments and Archives in Hybrid Media Systems“ hervorgegangen.

Das für drei Orte konzipierte, immersive und individuell erlebbare Ausstellungskonzept lud die Besucherinnen und Besucher auf einen akustischen Parcours durch die Radiokunst der letzten 100 Jahre ein.

 

Im Sommer 2019 öffnete Radiophonic Spaces in der Universitätsbibliothek der Bauhaus-Universität Weimar. Foto: Candy Welz

 

200 Radiostücke über Kopfhörer und Smartphones

Ausgestattet mit Kopfhörern und speziell programmierten Smartphones konnten die Gäste über 200 Radiostücke erkunden.

Ganz individuell verweilten sie bei einzelnen Radiostücken, wechselten zwischen aktuellen und historischen Perspektiven und konnten so die thematisch kuratierten Werke für sich entdecken.

Gezeigt wurde die Ausstellung zwischen 2018 und 2019 an insgesamt drei Orten: als »akustischer Parcours durch die Radiokunst« in Basel (Museum Tinguely), als »begehbares Radioarchiv und Bühne des Hör-Wissens« in Berlin (Haus der Kulturen der Welt) und vom 26. Juli bis zum 18. September 2019 an der Bauhaus-Universität Weimar (Universitätsbibliothek).
Begleitet wurden die drei Ausstellungen durch ein jeweils ortsspezifisches mehrtägiges Rahmenprogramm.

 

Besondere Karte zur Orientierung in besonderer Radiolandschaft

Forschungsstationen direkt in den Ausstellungen ermöglichten den Besuchenden, ihren Weg durch diese Radiolandschaft audiovisuell nachzuvollziehen.

Die auf einem Bildschirm einzusehende Mindmap verdeutlichte, wie die einzelnen Stücke miteinander in Verbindung standen und vermittelte Hintergrundwissen zu den Werken.

„Mindmap zur Radiokunst“: digitales Nachschlagewerk und Katalog der Ausstellung

Diese Mindmap als Grundlage nehmend, werden die Ergebnisse des Forschungs- und Ausstellungsprojektes nun in Form einer onlinebasierten, audiovisuellen Plattform als „Mindmap zur Radiokunst“ veröffentlicht, die zugleich als Katalog zur Ausstellung fungiert.

Die onlinebasierte Mindmap funktioniert wie eine Art Nachschlagewerk, also ein Wikipedia der Radiokunst, das als work in progress ausgebaut werden kann.

 

Historische Radiokunst ist in der Regel nur sehr schwer zugänglich

Damit wird ein wesentliches Ziel von „Radiophonic Spaces“ weiterverfolgt: die Archive zu öffnen und das Radio als Kunstgattung und das damit verbundene Kulturerbe zurück ins kollektive Gedächtnis und in die Öffentlichkeit zu bringen.

Trotz steigender Angebote an Podcast- und Audioportalen ist das Kulturerbe von 100 Jahren Radiokunst für den Großteil der Bevölkerung meist nur sehr schwer zugänglich und unbekannt.

Urheberrechtliche oder finanzielle Gründe verhindern, dass viele Radiokunstproduktionen in Audiotheken hochgeladen werden.

Wissen droht in Vergessenheit zu geraten

Der überwiegende Teil der Hörspiel- und Klangkunstproduktionen ist in den Rundfunkanstalten archiviert und wird nur selten ausgestrahlt, sodass die Gefahr besteht, dass das Wissen um diese traditionsreiche Kunstform und ihre Überlieferung weltweit immer mehr in Vergessenheit gerät.

Zudem möchte das Projekt der akustischen Kunst mehr Gewicht verleihen und das Hören in den Mittelpunkt der sonst visuell dominierten Kunstwelt stellen.

 

Besucherinnen an einer Mindmap-Station im Museum Tingely in Basel. Foto: Daniel Spehr

 

Geschichte der Radiokunst erforschen

Die „Mindmap zur Radiokunst“ ermöglicht sowohl ein Erkunden als auch ein Erforschen der Geschichte der Radiokunst:
Skripte, Partituren und akustische Auszüge aus Produktionen finden sich neben den Hörstückausschnitten ebenso wie persönliche Aufzeichnungen und Statements der Beteiligten – auch Rezensionen und Filme dienen als Hintergrundmaterial.

 

Netzwerke nachvollziehen

Dabei visualisiert sie, wie Werke, Autorinnen und Autoren sowie Studios und Archive miteinander vernetzt sind.

Nutzerinnen und Nutzer der Seite können so interessensgeleitet die Inhalte konsumieren, aber auch gezielt inhaltliche und historische Bezüge erforschen.
So kann die Mindmap, die auf Deutsch und Englisch abrufbar ist, für digitale Lehre und Forschung von einem internationalen Publikum genutzt werden.

Hören als Kulturtechnik

Mit über 7.000 Ausstellungsbesucherinnen und -besuchern konnte „Radiophonic Spaces“ ein 100 Jahre altes Kulturerbe nicht nur inhaltlich, sondern auch durch eine technisch innovativ gestaltete mediale Umgebung einem breiten internationalen Publikum zugänglich machen.

Das Experiment, das Hören als Kulturtechnik ins Museum zu bringen, ist mit großem Erfolg gelungen und wurde unter anderem mit dem ersten Preis beim internationalen „Heritage in Motion Award 2019“ in der Kategorie „Games & Interactive experiences“ honoriert.

Die „Mindmap zur Radiokunst“ setzt hier an, zeigt die Vielfalt der Radiokunst auf und wird als Forschungsgegenstand weiterwachsen.

 

Die Verantwortlichen von „Mindmap zur Radiokunst“:

  • Künstlerische Leitung: Prof. Nathalie Singer, Experimentelles Radio, Bauhaus-Universität Weimar
  • Gestaltung und technische Realisierung: MESO Digital Interiors GmbH
  • Konzeption, Entwicklung, Organisation: Astrid Drechsler, Anja Erdmann, Andreas Feddersen, Elena Zieser, Viola Ahrensfeld
  • Kuratorische und wissenschaftliche Mitarbeit: Andrea Cohen, Tatiana Eichenberger, Andreas Feddersen, Dr. Golo Föllmer, Andreas Hagelüken, Patricia Jäggi, Jochen Meißner, Jan Philip Müller, Dr. Wolfram Wessels
  • Weitere Autorinnen und Autoren: Katarina Agathos, Miguel Molina Alarcón, Andreja Andrisević, Prof. Sabine Breitsameter, Prof. Dr. Camilla Bork, Christoph Brünggel, Amy Cimini, Dr. Andrea Cohen, Heather Contant, Astrid Drechsler, Dr. Martin Elste, Tobias Gerber, Frank Kaspar, Tina Klatte, Ingo Kottkamp, Michael Kunkel, Karsten Lichau, Dr. Hanne Loreck, Ania Mauruschat, Johann Mittmann, Katrin Moll, Wolfgang Mörth, Matthias Pasdzierny, Severin Schenkel, Thomas Schopp, Peter Schütz, Julia Tieke, Prof. Dr. Antje Tumat, Marianne Weil, Anne Zeitz u.a.
  • Fördererinnen und Förderer: Gefördert wurde das Projekt durch die Kulturstiftung des Bundes, den Schweizerischer Nationalfonds, die Thüringer Staatskanzlei, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, die Bauhaus-Universität Weimar (u.a. Fonds Bauhaus100), die Film- und Medienstiftung NRW, das Goethe-Institut, das Haus der Kulturen der Welt, das Museum Tinguely, Hanna und Dieter Paulmann, Deutschlandfunk Kultur, den Südwestrundfunk, den Westdeutscher Rundfunk den Österreichischen Rundfunk und diverse weitere Rundfunkanstalten und Radiokünstlerinnen und -künstler.

 

Die Quellen

Präsentiert werden über 200 Arbeiten von diversen Rundfunkanstalten und Archiven u.a. BBC Radio, Bayerischer Rundfunk, documenta 14 Radio/SAVVY Funk Berlin, Hessischer Rundfunk, Radio France Culture, Mitteldeutscher Rundfunk, Nordwestdeutscher Rundfunk, Österreichischer Rundfunk, Radiotelevisione Italia, Radio Bremen, Rundfunk Berlin-Brandenburg, Saarländischer Rundfunk, Schweizer Radio und Fernsehen, Deutsches Rundfunk Archiv, IMEC, INA, Lautarchiv.

 

Weitere Informationen zur Ausstellung

Mindmap zur Radiokunst:
www.radiophonic.space <https://www.radiophonic.space>

 

Mehr zur Wanderausstellung „Radiophonic Spaces“ erfahren Interessierte hier:
https://www.uni-weimar.de/de/kunst-und-gestaltung/professuren/experimentelles-radio/radiophonic-spaces/

 

Quelle: Bauhaus-Universität Weimar

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