13. Juli 2022
Kultur

„Sehnsuchtsziel Italien“ startet am Sonntag auf Burg Posterstein

So stellte sich der Blick auf den Petersdom in Rom für Ernst Welker dar. Foto: Museum Burg Posterstein

Ausstellungseröffnung mit Live-Ausgabe des beliebten Postersteiner Podcasts „LeseZEIT auf Burg Posterstein“

Die Ausstellung „Sehnsuchtsziel Italien: Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland“ stellt den Maler Ernst Welker vor.
Sie eröffnet am 17 Juli, 15 Uhr, mit einer Live-Ausgabe des beliebten Postersteiner Podcasts „LeseZEIT auf Burg Posterstein“.
Kuratorin Franziska Huberty liest dabei kurzweilige Passagen aus den Reiseerinnerungen von Zeitgenossen Ernst Welkers vor.
Musikalisch begleitet wird sie vom Musiker Matthias von Hintzenstern.
Die Ausstellung ist bis 13. November zu sehen.
Das Buch zur Ausstellung erscheint am 18. September.

Der umtriebige Maler porträtierte auch schon mal Salongäste als Fabelwesen

Die Ausstellung stellt den Maler Ernst Welker (1784–1857) vor, der als Zeichenlehrer auch im Löbichauer Schloss der Herzogin von Kurland weilte.
Dort porträtierte er die Salongäste als Fabelwesen und malte Szenen aus dem Löbichauer Salonleben.

Welkers Reisen führten ihn durch Deutschland, Österreich und Italien.
Seine Aquarelle und Zeichnungen lassen die Kulturgeschichte dieser Zeit aufleben.

Sehnsuchtsziel Italien:
Der Maler Ernst Welker auf Reisen und tragische Ereignisse

Johann Heinrich Ernst Welker stammte aus Gotha.
Erste Kenntnisse im Zeichnen erlangte er in Weimar, danach folgte ein Kunststudium an der Wiener Akademie der Bildenden Künste.
Als Lützower Jäger wurde er Augenzeuge des Todes des berühmten Freiheitskämpfers Theodor Körner, dem Patensohn der Herzogin von Kurland.
Später zeichnete er dessen Grab.

Das Leben als Zeichenlehrer

1816 verpflichtete die älteste Tochter der Herzogin von Kurland, Wilhelmine von Sagan, Ernst Welker als Erzieher und Zeichenlehrer für ihre Pflegetöchter.
In dieser Funktion weilte er in den Jahren 1819, 1820 und 1821 in deren Schlössern in Sagan und Ratibořice.
1819 und 1820 reiste er auch mit nach Löbichau, wo er die anwesenden Gäste als Fabelwesen zeichnen durfte.
Ein Großteil dieser Zeichnungen ist in der Ausstellung zu sehen.
Darüber hinaus zeigt das Museum erstmals ein Konvolut weiterer Zeichnungen aus dem Salonleben aus der Sammlung der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena.

Reisen eines Spezialisten für Landschaftsmalerei und Architektur

Ernst Welker war spezialisiert auf Aquarellzeichnungen von Landschaften und Architektur in der Gegend von Wien, Salzburg, der Steiermark, Kärnten, der Schweiz und Italien.
Bereits 1818 unternahm Ernst Welker zusammen mit den Malern Johann Christoph Erhard, Johann Adam Klein und den Brüdern Friedrich Philipp Reinhold und Heinrich Reinhold aus Gera Reisen nach Salzburg und Berchtesgaden.
Davon zeugen zahlreiche Grafiken und Zeichnungen.

Die bewegte Zeit in Italien

Von 1821 an weilte Welker mehrere Jahre in Italien.
Man kann davon ausgehen, dass er sich im Kreis der deutsch-römischen Künstlerkolonie bewegte und versuchte, mit Landschafts- und Architekturdarstellungen ein Publikum zu finden.
In Rom schloss er viele Bekanntschaften und fand Inspiration.
Er unterhielt Kontakte zu Künstlern wie Berthel Thorvaldsen, Louise Seidler, Johann Christian Reinhart, Josef Anton Koch, Julius Schnorr von Carolsfeld.
Außerdem traf er seine Malerkollegen Erhard, Klein und Reinhold wieder.
Im November 1822 reiste der Maler im Gefolge der Herzogin Wilhelmine von Sagan nach Neapel.

Die letzten Jahre

In seinen späteren Jahren in Wien war Ernst Welker sehr produktiv.
Seine Arbeiten wurden dort regelmäßig bis 1850 ausgestellt, wie man den Jahresausstellungen der Wiener Akademie der Bildenden Künste entnehmen kann.
Er starb 1857 in Wien, wo sich auch seine Grabstätte befindet.

Die umfassende Ausstellung im Museum Burg Posterstein

Die Postersteiner Ausstellung zeigt über 60 Arbeiten Ernst Welkers, dazu einige Werke seiner Malerkollegen, darunter Johann Adam Klein und Johann Christoph Erhard.
Viele davon gehören dem Museum Burg Posterstein oder sind aus der Sammlung Uwe Buchheim als Dauerleihgabe an das Museum gebunden.
Darüber hinaus sind Leihgaben aus dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, dem Lindenau-Museum Altenburg, den Museen der Stadt Nürnberg, der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena sowie privater Leihgeber zu sehen.

Dank an den Sammler Uwe Buchheim

Zu verdanken ist die Kollektion Welker im Museum Burg Posterstein zum Großteil dem Sammler Uwe Buchheim aus dem Altenburger Land.
Er fühlt sich dem Museum Burg Posterstein seit Jahren verbunden und ist Mitglied im Förderverein.
Ihn beeindrucken die Forschungen und Ausstellungen zum Salon der Herzogin von Kurland, durch die er begann, sich mit dem Maler Ernst Welker zu beschäftigen.
Er setzte sich nicht nur dafür ein, dass die Porträtsammlung Salongäste 2014 vom Museum erworben werden konnte, sondern sammelt seither selbst und stellt die erworbenen Werke dem Museum zur Verfügung.

Das Buch zur Ausstellung und europaweite Vernetzung:
Eine erstaunliche Lücke wird gefüllt – und alle können helfen.

Erstaunlicherweise sind bisher keine (dem Museum bekannten) Publikationen erschienen, die das Leben und Schaffen des Malers Ernst Welker in den Mittelpunkt stellen.
Das Buch zur Postersteiner Ausstellung “Sehnsuchtsziel Italien:
Der Maler Ernst Welker auf Reisen und im Salon der Herzogin von Kurland” zeichnet Welkers Leben an Hand der Museumssammlung und -forschung sowie den bisher zugänglichen Quellen nach.
Es erscheint am 18. September 2022 und wird bei einer Buchvorstellung am 18. September, 15 Uhr, vorgestellt.

Aber trotz allem gibt es Forschungslücken zu Ernst Welkers Biografie.
Deshalb ruft das Museum Burg Posterstein im Rahmen der Ausstellung dazu auf, sich über bestehende Forschungsdaten auszutauschen und Forschungslücken zu schließen.

Wikipedia-Eintrag soll überarbeitet werden

Begleitend dazu wird es Artikel und Interviews in der europäischen Online-Bibliothek Europeana geben.
Ein Teil der Postersteiner Sammlung Welker ist bereits in der Europeana und auf Wikimedia Commons zu sehen.
Im Zuge der Ausstellung soll auch der Wikipedia-Eintrag zu Ernst Welker überarbeitet und ergänzt werden.

Mitmach-Aktion: #Künstlerreisen durch Europa

Zur Ausstellung über den Maler Ernst Welker gibt es wieder eine Mitmach-Aktion:
Unter dem Hashtag #Künstlerreisen sind ALLE herzlich eingeladen, in den sozialen Netzwerken Fotos, Bilder, Infos und Blogposts zu Künstlern zu teilen, die wie Ernst Welker malend durch Europa reis(t)en.
Die Beiträge sammelt das Museum Burg Posterstein auf seiner Website salon-europa.eu.

Förderung

Buch und Ausstellung werden unterstützt durch den Freistaat Thüringen, die Bürgerstiftung Altenburger Land, den Landkreises Altenburger Land und den Museumsverein Burg Posterstein.

So stellte sich der Blick auf den Petersdom in Rom für Ernst Welker dar. Foto: Museum Burg Posterstein

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