Von der Burgenfahrt zum Finale der Deutschland-Tour - meinanzeiger.de
21. August 2019
Kultur

Von der Burgenfahrt zum Finale der Deutschland-Tour

Olympiasieger, Radfamilien und Hobbyrennfahrer sehen in der Burgenfahrt ihre Tour de Chance

Die Burgen winken schon. Am 24. August rufen die Drei Gleichen zum 46. Mal zur Lotto Thüringen Burgenfahrt. Ein Netz von hunderten Kilometern vorwiegend schlaglochfreier Straßen und gepflegter Radwege führt die Radfahrer an jenem Sonnabendmorgen zielsicher ins idyllische Freudenthal bei Wandersleben.

Prominente Sportler
zwischen Freude und Ernst


„Ich freu mich immer wieder drauf“, sagt Stammgast Uwe Ampler, „wie früher auf ein großes Rennen“. Von denen hat der Leipziger an die 300 bestritten – die Tour de France- und Friedensfahrtetappen, die der zweimalige Weltmeister und Olympiasieger in seiner großartigen Karriere bestritt, nicht mitgerechnet.

„Neppe“, wie ihn die Freunde aus großen Tagen tauften, fährt am Morgen des 24. August mit Eisschnellauf-Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thom und all den Radlern aus Thüringen, die sich nahe dem Erfurter Dom treffen und sich ab 9.30 Uhr zum kilometerlangen chromblitzenden „Tausendfüßler“ formieren, der sich durch die grünen Auen in Richtung Burgen winden wird.

Von hier aus tritt mit Matthias Pfaff ein weiterer Stammgast in die Pedalen, der seine Tour de Chance diesmal „als fröhliche Einstimmung auf ein ernstes Rennen“ ansieht. Der 42 jährige Bundeswehrhauptmann aus Großrettbach will am 1. September das abschließende Jedermannrennen der Deutschland-Tour bestreiten, das über 113 Kilometer von Erfurt über den Rennsteig zurück auf die ega der Blumenstadt führt. „Die Fahrt ins Freudenthal genieße ich wie immer wie ein Bad in der Menge“, lächelt der Hobbyrennfahrer, der mit dem einstigen Friedensfahrer Wolfram Kühn regelmäßige Trainingstouren unternimmt, „und ich freue mich dort auch über meine Goldmedaille. Aber beim Rennen über den Rennsteig gibt’s weder Luft noch Lust zum Plaudern, und ich wäre schon froh einen Platz im Vorderfeld zu belegen“.

Auf dem Weg zu den Drei Gleichen hingegen ist reiner Spaß am Radfahren angesagt. Von 15 Thüringer Startorten führen die Sternfahrtrouten nach Wandersleben. Auf den Hauptstraßen sorgt die Thüringer Polizei für Geleitschutz. „Pannenengel“ der Thüringer Fahrradfachhändler und von Volvo-Popp-Fahrzeugbau fahren von den Hauptstartorten aus hinter den Feldern und helfen bei Defekten.

Defekte sind indessen das geringste Wagnis, auf das sich die Burgenfahrer einlassen. Das sportliche Wagnis für die Hobby- und Freizeitradler, und das sind nun mal die meisten, besteht in den Distanzen. Von Erfurt aus sind es zum Beispiel lockere 22 Kilometer bis ins Freudenthal, die sich mit dem Heimweg ja noch verdoppeln. Für trainierte Sportler und Fitnessfans ist das kein Problem.

Aber auch
ein kleines Familienabenteuer


Für Familien, die sich „mit Kind und Kegel“ in den Sattel schwingen, wie die Reicherts aus Gotha ist es schon eine reizvolle Herausforderung. „Zum Glück ist die Burgenfahrt kein Rennen“, lacht Vater Sebastian, der sich ganz nebenbei auch darüber freut, dass er für Tochter Stefanie (14) und Sohnemann Christian kein Startgeld mehr zahlen muss. „Aber für uns Freizeitradler ist das schon ein kleines Abenteuer, wenn man mit so vielen Radfahrern auf einer Strecke strampelt und einer auf den anderen aufpassen muss. Wenn man sich dann im Freudenthal Goldmedaille abholen kann, fühlt man sich wie ein Sieger.“

Die Burgenfahrt kennt viele Sieger. Wer mitmacht und ankommt, gewinnt schon Gold. Wer mit seiner Startkarte das Ziel an den Drei Gleichen erreicht, und das haben die Reicherts vor, kann zusätzlich Pokale und Sachpreise bei den Jedermann-Wettbewerben im AOK-Burgensprint, beim Burgenbiker-Biathlon, beim Köstritzer Radler-Event „Originellstes Fahrrad“ und beim Startkarten-Gewinnspiel gewinnen. Und vielleicht sogar einen 250-Euro-Reisescheck der Thüringer Allgemeine mit nach Hause nehmen. Den erhält nämlich der oder die 200 000. Burgenfahrer(in), der oder die unter allen Besitzern einer Startkarte auf der Festbühne im Freudenthal ermittelt wird.

Wer wagt, gewinnt. Das gilt für alle, die sich am 24. August aufs Rad schwingen. Einzige Voraussetzungen für das sportliche Wagnis: Ein verkehrssicheres Fahrrad und eine blaue nummerierte Startkarte, die es zum Preis von 8,- Euro im Vorverkauf, bei Fahrradhändlern der Hauptstartorte, bei der Tourist-Information am Erfurter Bahnhof, bei Karstadt Sports in Erfurt und auch am 24. August noch an den Startplätzen der Hauptstartorte gibt.

Helmut Wengel

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