16. März 2022
Kultur

Wahre Mordfälle – berichtet aus erster Hand

Lina Angrick (rechts), Inhaberin des Cafés Zierde in Gera-Zwötzen, freut sich auf die Neuauflage des Krimi-Frühstücks mit Hans Thiers (Mitte). Die Veranstaltungen mit anschließender Tat- und Fundortortbegehung sind fast ausverkauft. Foto: Fanny Zölsmann

Krimi-Frühstück im Café Zierde in Gera-Zwötzen geht weiter

Vor der Neuauflage des Krimi-Frühstücks – die meisten Veranstaltungen sind bereits ausverkauft – befragten wir den Sachbuchautor Hans Thiers.

 

Sie haben sich zu einer Neuauflage des Krimi-Frühstücks in Gera Zwötzen ­entschieden. Warum?
Die Familie Angrick und ich haben uns auf Grund der großen Nachfrage zum ­Krimi-Frühstück im „Café Zierde“ (Pfarrstraße 27, Gera-Zwötzen) entschieden, dieses Event auch im Jahr 2022 ­weiterzuführen.
Fast alle der bis Juni geplanten Veranstaltungen sind bereits ausverkauft.
Wenn das Interesse weiterhin besteht, werden wir uns über fortführende Veranstaltungen im zweiten Halbjahr abstimmen.

Keine Horrorgeschichten aber die Wahrheit

Was, denken Sie, reizt die Teilnehmer besonders an diesen Veranstaltungen – der Horror der Taten?
Ich glaube nicht, dass es nur der Horror ist.
Da ich an ­diesen Verbrechen unmittelbar bei der Aufklärung und kriminalistischen Unter­suchung beteiligt war, wollen die Teilnehmer Infor­mationen aus erster Hand, und diese Infos kann ich vermitteln.
Wenn man 17 Jahre Mordermittler war, weiß man, worüber man spricht.
Ich muss mir dazu keine ­Kriminalgeschichten ausdenken.
Ich habe diese schrecklichen Verbrechen ­direkt am Fund- und Tatort erlebt.
Die Täterinnen und Täter ­saßen mir direkt gegenüber und so kann ich den Teilnehmern in diesen Veranstaltungen erläutern, wie ein ­Geständnis zustande kommt und welche kriminalpsychologischen Aspekte dabei ­beachtet werden müssen.
Ich erläutere, dass zum Beispiel jede Mordvernehmung auf Tonband auf­gezeichnet wurde und ­warum dies notwendig war.

Stolz auf 98 Prozent Aufklärungsquote

Natürlich mache ich auch keinen Hehl daraus, dass die Kriminalisten, Kriminaltechniker und Fährtenhunde­führer in der DDR sehr gut ausgebildet waren.
Die Aufklärungsquote von 98 Prozent bei Tötungsverbrechen im Bezirk Gera spricht für sich.

Ungebrochenes Interesse

Wie sehen Sie selbst Ihre Rolle als Veranstalter des Krimi-Frühstücks?
Ich sehe mich bei solchen Veranstaltungen als Auf­klärer und Informations­­geber.
Das Interesse ist ja nach wie vor ungebrochen.
Die Krimi-Kultur-Touren (KKT) in Gera, wo ich zusammen mit Gästeführer Ulrich Braumann an Tatorte des Grauens gehe, und die über 400 Veranstaltungen und ­Lesungen zu meinen ­Büchern – gemeinsam mit meinem Verleger Michael Kirchschlager aus Arnstadt – sprechen für sich.
Dazu kommen viele Fernsehbeiträge im MDR Thüringen, MDR, ZDF, ZDF-Info, ARD und RBB.
Weitere sind geplant.

Die Hemmschwellen sind heute stark gesunken

Sie wollen vor allem auf die Tätertypen eingehen?
In der Regel ist es so, dass 80 Prozent aller Tötungsver­brechen in unmittelbarer ­Täter-Opfer-Beziehung passieren.
Mit Gewalt löst man keine Probleme, erst Recht nicht in der Partnerschaft.
Mehr Kopfzerbrechen ­machen den Kriminalisten heute, und natürlich uns auch ­damals, Sexualmorde vor ­allem an Kindern, ­Drogen- und Auftragsmorde. ­
Besorgniserregend ist, dass die Hemmschwellen heute im Gegensatz zu damals stark ­gesunken sind.

Keine Albträume

Wenn man sich so intensiv mit Mord und Ver­brechen beschäftigt, bekommt man dann nicht ­irgendwann Albträume?
Die hatte ich nie.
Psycho­logisch und motivorientiert lag bei mir immer der Schwerpunkt darauf, mit meinen Kollegen schnell den beziehungsweise die­ ­Täter zu ­ermitteln, um ­damit weitere Tötungsverbrechen zu verhindern.

Freude auf individuelle Gespräche

Worin liegt für Sie der Reiz dieser Krimi-Frühstücke?
Ich freue mich auf alle Teilnehmer, die zu meinen Veranstaltungen kommen.
Vor allem die individuellen ­Gespräche sind für mich sehr interessant.
Ich lerne ­dadurch immer gern dazu.

Zusatz-Information

Lediglich für das Krimi-Frühstück am 11. Juni gab es bis vor kurzem noch Rest-Karten im Café Zierde.

 

Daniel Dreckmann
dreckmann@meinanzeiger.de

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