3. März 2022
Landkreis Greiz

„Royal Images“ im Greizer Sommerpalais

Kabinettausstellung zeigt nicht nur Porträts britischer Monarchen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts

Franziska Gebser richtet die Siegeldose des Staatsvertrages zwischen dem englischen Königshaus und dem Fürstentum Reuß in einer Ausstellungsvitrine her. (Foto: G. Zeuner)

Im „Kabinett“ des Sommerpalais‘ Greiz präsentiert Volontärin Franziska Gebser ab dem 5. März Ergebnisse ihrer Forschungen. Unter dem Titel „Royal Images“ stellt sie Porträts von König George III. und Queen Charlotte aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert aus.

Bei den porträtierten Monarchen handelt sich um die Eltern von Elizabeth, deren wertvolle Grafiksammlung – darunter auch die gezeigten Blätter – durch Erbgang nach Greiz gelangte. Ein Großteil der ausgestellten Druckgrafiken stammen aus dem sechsten und letzten sogenannten Klebeband, den zwei der Königstöchter angelegt hatten. Die Prinzessinnen hatten in dem 76-seitigen Grafikalbum vor allem Abbildungen ihrer Eltern gesammelt.

Franziska Gebser hat im Rahmen ihrer Projektarbeit die Datenerfassung für die Druckgrafiken wissenschaftlich dokumentiert. Für die kleine, aber feine Kabinettausstellung hat die Volontärin 13 Porträtstiche ausgewählt. Zehn davon sind aus dem Klebeband und drei aus dem weiteren Sammlungsbestand der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz, „um das Spektrum der bildlichen Inszenierungen des englischen Königspaares zu vergrößern“, wie die Volontärin sagt. Hinzu kommen acht kleine Grafiken der königlichen Residenz Kew Palace mit den Kew Gardens, den Königlichen Botanischen Gärten.

Die Exponate hat Franziska Gebser mit unterhaltsamen Texten versehen. Unter den Rubriken „Wussten Sie schon …“ erfährt der Ausstellungsbesucher Informationen aus jener Zeit vor 200 und mehr Jahren, die heute noch wissenswert sind. So beispielsweise, dass der Titel „Prince of Wales“ bereits seit dem 14. Jahrhundert traditionell der Thronfolger-Titel der britischen Monarchen ist oder dass die elegante Paradiesvogelblume Strelitzie nach Königin Charlotte (1744 – 1818) benannt wurde. Die Gemahlin von George III. (1738 – 1820) war eine geborene von Mecklenburg-Strelitz und wurde wegen ihres Interesses für die Botanik auch „Queen of Botany“ genannt. Die Strelitzie ist heute die Stadtblume von Neustrelitz, der Geburtsstadt von Charlotte.

Weitere „Wussten Sie schon …“-Informationen zu den Porträtstichen geben unter anderem unterhaltsam Auskünfte zur Geschichte des Hosenbandordens und über den noch heute gültigen Dresscode am königlichen Hof in England sowie das höfische Leben zwischen Schloss Windsor und Buckingham Palace.

Im Zuge ihrer Forschungen stieß Franziska Gebser auch auf ein ganz besonderes Dokument – einen Staatsvertrag zwischen dem englischen Königshaus und dem Haus Reuß ältere Linie vom 1. August 1815. Die handgeschriebene Originalurkunde im gebundenen rot-samtenen Einband mit Siegeldose und Kordel ist als Leihgabe des Landesarchivs Thüringen – Staatsarchiv Greiz ebenfalls in der Kabinettausstellung zu sehen. Der Inhalt des Vertrags regelt die Unterstützung reußischer Truppen im Kampf gegen Napoleon. Ob es dazu kam, ist eher zweifelhaft, denn der Vertrag wurde zwar im Frühjahr 1815 aufgesetzt, aber erst nach der Schlacht von Waterloo (18. Juni 1815) ratifiziert.

Die Kabinettausstellung „Royal Images – Inszenierungen eines englischen Königspaars“ in der Beletage des Sommerpalais‘ ist bis zum 3. April geöffnet. Zum Besuch kann auch eines der Führungsangebote genutzt werden. Die Termine stehen unter www.sommerpalais-greiz.de

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