17. Mai 2022
Landkreis Greiz

Vom Galgenberg zum Hainberg

Gästeführung durch eine interessante Greizer Region mit wechselvoller Geschichte

Der Aufstieg hat sich gelohnt: Blick vom Hainberg über die Stadt zum Oberen Schloss. (Foto: Gerd Zeuner)

Zum „Tag des Wanderns 2022“ hat die Tourist-Information Greiz erstmals eine ganz besondere Runde angeboten: Eine Führung zum und durch den Hainberg-Park.

Für Gästeführerin Almut Kaul war dieser Rundgang natürlich ebenfalls eine Premiere, „Ich habe mich für diese Tour extra vorbereitet und einiges Wissenswertes zusammen getragen“, kündigte sie zum Beginn der Führung an. Vom Unteren Schloss ging es zunächst zum Goethepark, dem kleinsten der sechs Greizer Parkanlagen. „Dieser war schon vor über hundert Jahren Zentrum des kulturellen Lebens der Stadt“, so die Gästeführerin. Sie erinnerte an das einstige Tivoli-Theater und die 1851 erbaute „Bürgererholung“, die bis 1942 als Erholungsstätte für Greizer Bürger genutzt wurde und danach unter „mysteriösen Umständen“ abgebrannt war.

Vorbei an dem Lapidarium mit den Skulpturen von Goethe und Schiller sowie dem original erhaltenen Eingangstor zum Goethepark in der Carolinenstraße ging die Führung weiter zur Hainbergbrücke. „Dies ist eine der sieben Brücken, die in Greiz über die Weiße Elster führen“, so Almut Kaul. Früher sei dies im Volksmund die „Lügenbrücke“ gewesen: „Unsere Eltern haben uns damals weisgemacht, dass uns, wenn wir gelogen haben und über die Brücke gehen, Eselsohren wachsen!“ Da niemand in Greiz mit Eselsohren bekannt ist, hat wohl nie ein Kind der Stadt gelogen. Von der Hainbergbrücke wies die Gästeführerin nicht nur auf den schönen Blick zum Oberen Schloss hin, sondern auch auf die im Zuge der Hochwasserschutzmaßnahme jetzt schräg angelegte Uferböschung und die neue Anlegestelle für Kanufahrer unterhalb der Brücke.

Von der Hainbergbrücke ging es über den Papiermühlenweg und die Irchwitzer Straße zunächst zum Wanderwege-Stützpunkt und dem Sitz des Vereins Reußische Fürstenstraße. Das Gebäude in der Irchwitzer Straße 5 wurde einst als Jugendherberge gebaut und später als Turnhalle genutzt. Erste Pläne zur Bebauung des Irchwitzberges habe es nach Recherchen der Gästeführerin bereits 1887 gegeben, die wurde jedoch wegen der problematischen Hanglage zunächst verworfen. Nachdem aber beispielsweise  Probleme der Abwasserentsorgung und der Statik geklärt werden konnten, entstanden um die Jahrhundertwende links und rechts der Irchwitzer Straße eindrucksvolle Gründerzeitvillen, über die und die weitere Bebauung Almut Kaul zahlreiche Informationen vermittelte. Neu für die Teilnehmer des Rundgangs war beispielsweise, dass einst eine Fußgängerbrücke die Irchwitzer Straße überspannte, die die Grundstücke Grimm und Franke auf beiden Seiten der Straße verband. Die Brücke wurde 1938 abgerissen, Fundamentreste seien heute noch zu sehen.

Schließlich ging es hinauf auf den Hainberg. Der hieß früher Galgenberg, da hier einst die öffentlichen Hinrichtungen vollzogen wurden. Dafür stand fast genau am gleichen Standort des heutigen Umsetzers ein Dreifelder-Galgen. Der war auch nach der letzten öffentlichen Hinrichtung hier um 1800 noch lange weithin sichtbar. Sehr zum Leidwesen der Greizer. Deshalb wurden um die Anlage Birken gepflanzt, um die Sicht auf die Galgenanlage von der Stadt aus zu verbergen. Die schnell wachsenden Bäume erfüllten auch bald ihren Zweck, später pflanzten die Greizer auch Buchen, Eichen und Nadelgehölze in die Parkanlage. Im Jahre 1860 stellten die Bürger der Stadt den Antrag an Caroline – die Mutter von Heinrich XXII. führte bis zu dessen 21. Geburtstag in Deutschlands kleinstem Fürstentum damals die vormundschaftliche Regierung –  den Antrag, den Galgenberg in „Hainberg“ umzubenennen. Der Namen wurde wegen des seinerzeit entstandenen Birkenhains gewählt. Dem Antrag wurde stattgegeben. Ab 1870 kümmerte sich ein Verschönerungsverein um die Pflege und Gestaltung des Hainbergs. Dieser Verein zeichnete beispielsweise auch für den Bau der beiden Tore am oberen Parkeingang und rechts neben der Irchwitzer Straße verantwortlich.

Höhepunkt des geführten Rundgangs war natürlich der Hainbergblick, von dem sich eine einzigartige Sicht auf Greiz mit seinen Schlössern bietet. Zum Abschluss der Führung informierte Almut noch am ehemaligen Lehrerseminar über die Geschichte des im Volksmund „Rote Schule“ genannten Hauses, das heute als Volkshochschule genutzt wird.

„Ich habe heute viel Neues und Wissenswertes erfahren“, so Fenna Trompelt. Der Greizerin hat der Rundgang sehr gefallen, an dem leider nur wenige Interessierte teilnahmen. Dennoch werde die Tourist-Information die knapp zweistündige Tour zum und durch den Hainberg bei Gelegenheit erneut anbieten.

Unten in der Bilder-Slideshow einige Impressionen von dem Rundgang. Alle Fotos gibt’s in der Bildergalerie – hier klicken!

Auch interessant