5000 km durch Natur pur - meinanzeiger.de
26. Februar 2020
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5000 km durch Natur pur

Danny Radzuweit aus Stadtroda wanderte quer durch die USA von Kanada nach Mexiko

Danny Radzuweit auf seiner Wanderung durch die USA / Foto: Danny Radzuweit

Danny Radzuweit auf seiner Wanderung durch die USA / Foto: Danny Radzuweit

Er ist 29 Jahre alt und ein völlig normaler junger Mann, wie man ihn aus der Nachbarschaft kennt. Freundlich, zuvorkommend, sympathisch. Er erzählt gerne. Und vor allem von seiner Leidenschaft, dem Wandern. Aber seine Wanderungen sind von besonderer Art. Man nennt das Ultraleichtwandern. Das ist Wandern auf Fernwanderwegen mit ultraleichtem Gepäck. Übernachtet wird in der freien Natur. In Europa ist das kaum möglich, denn wildes Campen ist nicht erlaubt. Es gibt zwar auch hier eine Reihe von Fernwanderwegen, der Rennsteig ist beispielsweise einer, aber von Stadt zu Stadt sind es nicht mehr als 25 km. Das ist für Danny nicht reizvoll. Die USA hingegen ist für das Ultraleichtwandern bestens geeignet. Übernachten und „Campfire“ sind überall in der freien Natur möglich. Die Trails sind gut beschildert und die Menschen vor Ort Wanderern gegenüber freundlich und hilfsbereit.

Danny Radzuweit auf dem Continental Divide Trail von Kanada nach Mexiko / Foto: Danny Radzuweit

Von Mexiko nach Kanada und zurück – innerhalb eines Jahres

2018 kam er, nach langer Überlegung, zu dem Entschluss, seinen guten Job als Informatiker im Außendienst aufzugeben. „Das konnte es doch nicht gewesen sein. Sollte ich noch 40 Jahre bis zum Renteneintritt im gleichen Trott weiterarbeiten?“, fragte sich Danny Radzuweit. „Da suchte ich mir eine neue Herausforderung. Eine der anspruchsvollsten war ein sogenannter Thru-Hike. Gemeint ist, einen Fernwanderweg zu gehen, der einen halben Kontinent durchquert. Ich bin Single und konnte einiges sparen. Ich kündigte meinen Job und ein halbes Jahr später war ich unterwegs.“ Zuerst durchquerte er die USA auf dem Pacific Crest Trail, 4279 Km an der Westküste entlang, von der mexikanischen Grenze bis nach Kanada. Einem der drei großen Wege durch die USA. Kaum zwei Monate wieder zurück in Deutschland, nahm er sich gleich den Königsweg vor. Den CDT, den Continental Divide Trail, nun von Kanada nach Mexiko. Dieser 5000 km lange Weg führt, entlang der amerikanischen Wasserscheide, durch die Bundesstaaten, Montana, Idaho, Wyoming, Arizona und New Mexico. Ursprüngliche, einsame Landschaften, die der gewöhnliche Mitteleuropäer nur aus Western kennt.

Der südlichste Punkt auf der Wanderung / Foto: Danny Radzuweit

Ein Rucksack mit 6 kg Inhalt ist die Basis für 5 Monate Wandern

„Manchmal bin ich drei, vier Tage gelaufen und habe keine Menschenseele getroffen,“ berichtet Radzuweit. „Nach vier Wochen hat man sein Leben komplett durchdacht. Die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft. Die Pläne sind geschmiedet. Dann hört das auf und man denkt den halben Tag nur noch daran, was man essen wird, wenn man wieder mal in die Zivilisation kommt. Jede Mahlzeit wird genauestens geplant. So viele Kalorien wie möglich, für so wenig Geld wie möglich. Aufgrund von Reiseberichten, Karten und GPS weiß man, ob es ein Restaurant oder nur eine Tankstelle mit Snacks in den Ortschaften gibt und wie lange man gehen muss, bis man sich wieder in einem Supermarkt mit Proviant eindecken kann. Der Speiseplan mag etwas befremdlich klingen: Zerbröselte Kartoffelchips – kann man mit dem Löffel essen – Thunfisch, Käse, Studentenfutter, Trockennudelgerichte, Riegel aller Art, weil alles nicht viel wiegen und Platz wegnehmen darf. Jeder Zentimeter des Rucksacks ist aufgeteilt und jedes Ausrüstungsteil aufs Gramm abgewogen. Zelt, Schlafsack, Isomatte, Wanderstöcke, Kleidung, Kochgeschirr, Gasbrenner, die notwendigste Elektronik, wie GPS-Empfänger, Handy, und Reserve-Akku. All das wiegt zusammen gerade einmal sechs Kilogramm. Das ist das Gepäck für vier bis fünf Monate Wandern, durchschnittlich 50 km am Tag. Das Pfefferspray zum Vertreiben der Bären bekommt man vor Ort.

Danny inmitten seiner Ausrüstungsgegenstände / Foto: Peter Zielinski

Nachts kommen die Bären und holen sich den Proviant

„Gebraucht habe ich das Pfefferspray noch nicht. Einmal bin ich einem Braunbären begegnet. Wir liefen direkt aufeinander zu. Ich ging dann nach links, er nach rechts und so umkreisten wir uns, immer uns gegenseitig im Visier,“ erzählt Danny Radzuweit. „Bei einem Grizzly wird es schon gefährlicher. Wegrennen oder auf einen Baum klettern hilft nichts. Die Bären sind sehr schlau. Sie haben gelernt, dass die Menschen immer leckeres Essen bei sich haben. Daran sind sie eigentlich interessiert. Schreien und Pfefferspray sind da besser – wenn man Glück hat. Aber nach ein paar Tagen hat man keine Angst mehr. Wenn es passieren soll, dann passiert es eben.“ Im nächsten Frühjahr wird Danny wieder unterwegs sein. Er nimmt sich den Appalachian Trail, den dritten der Triple-Crown-Wege im Osten der USA vor. 3300 km durch 14 Bundesstaaten. Wenn er ihn geschafft hat, ist er einer der wenigen Menschen auf dieser Welt, die alle drei Wege gegangen sind. Über 12500 km zu Fuß durch die USA.

Landschaften wie aus einem Wildwestfilm / Foto: Danny Radzuweit

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