3. Januar 2020
Leute

Josef Ullrich fertigt Postkarten und macht Dreck-Ecken öffentlich

Auf Spurensuche

Josef Ullrich aus Bad Langensalza fertigt seit zehn Jahren ­gefragte Postkarten und dokumentiert dabei auch Müllsünden.

Josef Ullrich liebt es, sich in seiner Heimatstadt Bad Langensalza und rings­herum auf Spurensuche zu begeben und das, was er entdeckt, im Bild ­festzuhalten. „Ich habe immer schon viel fotografiert“, erinnert er sich an seine jahrelange Tätigkeit als freier Mitarbeiter bei der Tageszeitung. Zwei Ausstellungen wurden außerdem mit seinen Bildern bestückt.

Heute ist der Rentner nach wie vor viel unterwegs. Immer dabei – seine Kamera. Die ist inzwischen kleiner und handlicher geworden und bringt ihn durch Zufall auf eine Idee: Bei einem seiner Spaziergänge verstellt sich daran ­nämlich ein Rädchen. Dadurch werden mehrere Bilder kurz hintereinander aufgenommen und übereinander gelegt. So entsteht ein ungewohntes, künstlerisch anmutendes Foto. Sie gefallen Josef Ullrich derart gut, dass er nun immer so fotografiert und daraus Postkarten fertig.

Seit nun zehn Jahren ­investiert er unzählige Stunden in sein Hobby, lässt daraus in jeweils zehn ­Arbeitsschritten Postkarten werden. Sie ­haben immer nur ein Bild zur ­Ansicht, liebevoll von ihm als Fotografen in Szene gesetzt. „Das kommt sehr gut an, obwohl ja heutzutage Postkarten gar nicht mehr in sind“, freut sich Ullrich darüber, dass er längst nicht mehr nur in Bad Langensalza, sondern für etliche Orte im Unstrut-­Hainich-Kreis ganze Postkartenserien gefertigt hat. Von Aschara, Bad Tennstädt und Craula bis hin nach Merxleben, Kirchheilingen oder Weberstedt – er war dafür in 36 Orten.

Etwas stört den schönen Blick

Doch bei der Suche nach neuen Motiven kommt ihm immer wieder auch Unschönes vors Auge: in der Natur entsorgter Müll. „Ich bin wütend, wenn ich so etwas sehe“, macht sich der Naturfreund Luft. Deshalb zückt er jetzt auch hier die Kamera und stellt die Bilder ­unter dem Stichwort ­„Kritisch“ auf seine ­Internetseite. „Ich ­möchte diese Sünden ­anderen bewusst machen, gerade in Zeiten, wo unsere Erde sowieso zugemüllt wird“, sagt er. Es sei nicht sein Ansinnen, jemanden anzuzeigen.

Seitdem Josef Ullrich die Bilder veröffentlicht, verschwinden etwa sechs von zehn illegalen Müllablagerungen schnell wieder. „Wer ­immer das gemacht hat – ­vielen Dank!“, ist er froh, dass seine Bilder etwas bewirken. Auch Bad Langensalzas Bürger­meister ­Matthias Reinz hat ihm Unterstützung ­zugesichert. Er möchte ­Ullrichs Müll-­Dokumentationen schnell haben und sich ­darum ­kümmern. „Eine sehr gute Sache“, findet der Hobby-­Fotograf, der selbst Müll auf seinem Fahrrad mitnimmt und entsorgt. Am liebsten aber wäre es ihm, wenn es den Abfall dort gar nicht gäbe.

Mehr von Josef Ullrichs Postkarten und die Bilder vom Müll: www.ullrichfobika.de.

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