18. August 2020
Mühlhausen

Sehen Weltkarten im Ausland anders aus?

Serie: Nur eine Frage

Sehen Weltkarten im Ausland anders aus? Die Antwort weiß Jacqueline Böttcher Firma „Artalis Kartographie und Design“ in Mühlhausen. Foto: Pixabay

Europa in der Mitte – so kennen wir Weltkarten. Aber liegt Europa in China oder in den USA denn auch in der Mitte? Die Antwort auf diese Frage weiß Jacqueline Böttcher von der Firma „Artalis Kartographie und Design“ in Mühlhausen:

Ja, denn meist wird bei den Weltkarten das ­Anwendungsgebiet in die Mitte der Karte gelegt.

Die Weltkarte, wie wir sie kennen, mit Europa in der Mitte, Asien im Osten und Amerika im Westen hat sich bei uns als Standard etabliert. Das ist darin begründet, dass der Nullmeridian, der durch Greenwich verläuft, in der Mitte der Karte liegt. Der vertikale Schnitt, der die Erdkugel teilt, soll möglichst durch Wassermassen verlaufen und nicht durch Landflächen.
Generell sind zwei Kartenvariationen standardisiert: mit einem Schnitt durch den Atlantik, und mit einem Schnitt durch den Pazifik. Üblicherweise sind die Karten nach Norden ausgerichtet, es gibt allerdings auch eine australische Karte, die nach Süden ausgerichtet ist. So liegt Australien im Zentrum der Karte. Für unser Empfinden steht die Karte aber auf dem Kopf.

Man muss die Kugel aufschneiden.

Da die Erde eine Kugelform hat, muss man diese Kugel anhand von verschiedenen ­Berechnungen auf eine Ebene projizieren. Das heißt vereinfacht gesagt, man muss die Kugel an einer Stelle aufschneiden, aufklappen, ziehen und stauchen. Dabei treten unterschiedlich starke Verzerrungen auf.

Die Flächen oder die Winkel, die dann abgebildet werden, entsprechen nicht der Wirklichkeit. Man bekommt den Eindruck, Grönland ist so groß wie Afrika, das stimmt aber nicht. Afrika ist 14 mal größer als Grönland. Bei Weltkarten, die ja die gesamte ­Kugel veranschaulichen soll, wird meist ein Projektionskompromiss genutzt. So werden weder Flächen noch Winkel allzu stark verzerrt. Eine neue Projektionsmethode kommt aus Japan. Hier wird die Erde in Dreiecke aufgeteilt, so werden die Flächen viel wirklichkeitstreuer abgebildet.

In japanischen Schul­büchern wird diese Karte schon verwendet. Man kann das zu Hause ganz gut mit einer Orange nachstellen. Einfach mal die Orange aufschneiden, schälen und dann versuchen die Schale ganz plan auf den Tisch zu legen.

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