Bäumchen für den Biber – NABU pflanzt Weiden für den Biber - meinanzeiger.de
3. Mai 2020
Natur

Bäumchen für den Biber – NABU pflanzt Weiden für den Biber

Irrglauben verhindert die friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Tier

Biber beim Fressen

Biber beim Fressen / Foto: Roy Buri

Steigende Population in Thüringen

Ungewöhnlich, aber wahr. Der Naturschutzbund Thüringen, NABU, pflanzt Weiden am Ufer der Orla – für den Biber. Denn seit einigen Jahren fühlt dieser sich zunehmend auch in Thüringen wieder heimisch. Eingewandert ist er vermutlich aus dem Norden Bayerns über die Saale und deren Nebenflüsse. Die größte Anzahl von Bibern findet man in Südthüringen. Nun wurde er vor kurzem auch an der Weißen Elster bei Wünschendorf im Landkreis Greiz gesichtet. Der Bibermanager Marcus Orlamünder vom NABU Thüringen schätzt die derzeitige Population auf 400 Tiere. „Das ist ein gutes Zeichen, denn die vermehrte Ansiedelung der Biber spiegelt auch den Grad der Naturbelassenheit unserer Gewässer wieder“, sagt Orlamünder.

Marcus Orlamünder (NABU Thüringen) beim Setzen von Weiden
Marcus Orlamünder vom Nabu Thüringen setzt Weidenbäume als Bibernahrung / Foto: Carolin Förtschner

Irrglauben schadet den Tieren

Aber nicht allen ist der Biber willkommen. Bauern, Gärtnern und Förstern ist er ein Gräuel. Den einen frisst er den Mais von den Feldern, den anderen den Kohl aus dem Garten und den Förstern fällt er wertvolle Bäume vor der Nase weg. Dass viele dieser Geschichten auf Irrglauben beruhen, dagegen „kämpft“ Thüringens oberster Bibermanager Marcus Orlamünder. „Wenn wir die Lebensweise des Bibers richtig verstehen, dann ist eine friedlicher Ausgleich zwischen den Interessen des Menschen und den Lebensbedürfnissen des Bibers möglich.“

Intensive Landwirtschaft ist das eigentliche Problem

Biber leben monogam mit meistens zwei Geschwistergenerationen zusammen. Dafür benötigen sie ein Revier, das zwischen und einem und sechs Kilometern lang sein kann. Ins Landesinnere reicht es nur gerade mal 20 Meter. Im Uferbereich gräbt er seine Burg. Der Eingang liegt unterhalb der Wasseroberfläche, als Schutz vor Feinden. Die bevorzugte Nahrung des Bibers besteht aus krautigen Pflanzen, wie Giersch, Schilf, Gräsern oder Brennnessel. Weichgehölze sind seine Winternahrung. „Es ist ein Gerücht, dass Biber das ganze Jahr über Bäume benagen und fällen“, erklärt Orlamünder. Die Größe des Reviers hängt von der Nahrungsverfügbarkeit ab. Je magerer das Land, desto größer das Revier. Ist kein Platz mehr im Revier, dann vermehren sich die Biber auch nicht. Sie werden krank und bekommen Infektionen. Biber halten keinen Winterschlaf. Sie zehren vom angefressenen Winterspeck und den Weichholzvorräten. „Reicht ein wundervolles Maisfeld bis nah ans Flussufer, oder liegt ein Kohlbeet im Einzugsbereich einer Biberbehausung, dann ist es kein Wunder, dass Familie Biber sich bedient. Aber dagegen stellt der NABU wirksame Mittel zur Verfügung. „Es gibt niedrige Elektrozäune, die den Biber abhalten. Noch besser wäre es, den Uferbereich nicht zu bewirtschaften. Die intensive Landwirtschaft in Ufernähe ist das eigentliche Problem“.

Biber am Ufer
Biber / Foto: Siegfried Klaus

Biberdämme als Hochwasserschutz

Wenn in flachen Gewässern der Eingang der Burg nicht unter Wasser steht, dann, und nur dann, staut der Biber mit einem Damm den Fluss. Die Dämme seien schuld am Hochwasser, so die Bibergegner. „Im Gegenteil!“, hält der Biberexperte dagegen. „Biber mildern das Hochwasser nach langen Regengüssen. Die Biberdämme bremsen die Wassermassen, weil das Wasser hier schon an vielen Stellen über die Ufer tritt. Es verteilt sich über größere Flächen und versickert schneller. Dadurch kommt im Hauptfluss weniger Wasser an und die Hochwassergefahr sinkt. Zudem siedeln sich in den Tümpeln auch andere Tierarten, wie Amphibien, an, die zum Beispiel Störche nach sich ziehen. Gegen das Fällen der Bäume hat Marcus Orlamünder auch gleich zwei einfache Lösungen parat. Wertvolle Bäume werden mit einer Drahtmatte geschützt, oder im Nagebereich mit einer Quarzsandpaste bestrichen. „Um die Biber aber gar nicht auf die Idee zu bringen, an Bäumen zu nagen, pflanzt der NABU im Uferbereich Weiden“, erklärt Orlamünder, „dann hat der Biber genügend Nahrung für den Winter, wenn es keine frischen Pflanzen gibt. Er wird niemals alles abfressen, sodass er seine eigene Nahrungsgrundlage für das nächste Jahr zerstört. Im Gegensatz zum Menschen, kann er sich im Winter keine Tomaten und Gurken aus Israel einfliegen lassen.“

 

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