26. Februar 2021
Pößneck

360 Urkunden aus fast 600 Jahren Pößnecker Stadtgeschichte

Einmaliger Urkundenbestand ab sofort online einsehbar

Urkundenbestand in Hochsicherheitsvitrine im Museum642 (Foto: Stadt Pößneck)

Pößneck. 360 Urkunden aus fast 600 Jahren Pößnecker Stadtgeschichte, die älteste aus dem Jahr 1329, sind jetzt digital für alle Interessierten kostenfrei einsehbar. Damit endet ein über sieben Jahre währender Prozess. Zu Beginn, im November des Jahres 2013, sichteten Vertreter*innen der Sicherungsverfilmungsstelle Thüringen des Landesarchivs in Weimar den Urkundenbestand der Stadt Pößneck und befanden, dass diese einzigartige Sammlung von historischen Dokumenten besonderen Schutzes bedarf und speziell gesichert werden sollte. Das Pößnecker Stadtarchiv war damit das erste in Thüringen, dessen Bestände auf Mikrofilm verewigt wurden. Kaum ein anderes Stadtarchiv kann solch eine über die Jahrhunderte vollständige Sammlung historischer Dokumente ihr Eigen nennen. Durch Kriege, Brände oder andere Umstände weisen viele Archivalien erhebliche Lücken auf – nicht so der Pößnecker Urkundenbestand, hier sind zum Beispiel Verleihungsurkunden, Schenkungen, Gerichtsordnungen, Urkunden aus dem Zins- und Erbrecht sowie Urkunden des ehemaligen Kameliterklosters in einer selten vorkommenden Vollständigkeit zu finden.

Lehensbrief von 1673 im Schaukasten im Museum642. (Foto: Stadt Pößneck)

Nach der Verfilmung der Urkunden durch die Sicherungsverfilmungsstelle Thüringen wurde der Film in den Barbarastollen in Oberried bei Freiburg eingelagert, den zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland für Sicherungsfilme von national wertvollem Archivmaterial, der unter UNESCO-Schutz steht. Einen weiteren Sicherungsfilm erwarb anschließend die Stadt Pößneck für das eigene Archiv. Über dessen Einlagerung hinaus wurde beschlossen, nicht nur die Sammlung einzigartiger Urkunden im Museum642 – Pößnecker Stadtgeschichte auszustellen, sondern dieses kulturelle Erbe Pößnecks kostenfrei für jedermann zugänglich und zugunsten der Forschung verfügbar zu machen. In enger Zusammenarbeit mit der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena wurden die Mikrofilmaufnahmen digital aufbereitet und auf dem Portal der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) „dana Thüringen – Digitales Archiv nichtstaatlicher Archive“ online einsehbar gemacht.

Gleiches ist für einen zweiten überregional bedeutenden Dokumentenbestand der Stadt vorgesehen: Das Pößnecker Stadtarchiv hat einen wertvollen Fundus an historischen Stadtrechnungen zu bieten – 513 gebundene Stadtrechnungen von 1399 bis 1919. Im Jahr 2018 stufte die Sicherungsverfilmungsstelle auch diesen Bestand als national wertvolles Kulturgut ein. Nach einem Jahr der Vorbereitungsmaßnahmen durch das Stadtarchiv Pößneck wurden die Bestände ab 2019 der Sicherungsverfilmungsstelle Thüringen übergeben und bis 2020 auf 57 Mikrofilme übertragen. Durch ein aktuelles Landesförderprojekt in Kooperation mit der ThULB Jena sollen auch die Pößnecker Stadtrechnungen digital für Forschungszwecke und Interessierte – und zwar ebenfalls kostenfrei – zur Verfügung gestellt werden.

Während dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, steht der historische Urkundenbestand bereits jetzt digital zur Verfügung – und ist hoffentlich auch bald wieder im Original zu betrachten: in einer Hochsicherheitsvitrine im Museum642 – Pößnecker Stadtgeschichte, sobald dieses wie alle Museen im Lande seine Pforten wieder öffnen darf.

 

Auch interessant