Erlebnis Industriekultur – Innovatives Thüringen seit 1800 - meinanzeiger.de
6. Februar 2018
Pößneck

Erlebnis Industriekultur – Innovatives Thüringen seit 1800

Leitausstellung 2018 in Pößneck

In Kooperation mit dem Freistaat Thüringen lädt die Stadt Pößneck vom 6. Juni bis zum 9. September 2018 zu der Leitausstellung „Erlebnis Industriekultur – Innovatives Thüringen seit 1800“ ein.

Die Ausstellung in der Pößnecker Shedhalle schlägt einen Bogen über 200 Jahre Industriegeschichte in Thüringen und macht das Thema für ein größeres Publikum zugänglich. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Zeit zwischen 1800 und den 1920er Jahren, sie richtet ihren Blick aber auch auf die Gegenwart und die Zukunft des Industriestandortes Thüringen. Mit der Leitausstellung wird Pößneck 2018 erneut zum Gastgeber einer landesweit bedeutsamen Kulturveranstaltung, die zahlreiche Besucher in die Stadt lockt. Bislang gibt es noch keinen Ort, der die bedeutende Industriegeschichte Thüringens umfassend aufbereitet und würdigt. Erstmals bereitet die Leitausstellung eine große Zahl von Objekten, Dokumenten und Informationen zu diesem Thema auf und führt sie als Erlebnisausstellung für die Öffentlichkeit zusammen.

In einem Pressegespräch Anfang Februar im Pößnecker Rathaus stellten Jörg Nitschke, Konzernpressesprecher von ZEISS, und Dirk Heinrich, stellvertretender Vorsitzender der Kreissparkasse Saale-Orla, ihr Engagement für die Ausstellung „Erlebnis Industriekultur“ vor. Ursula Heinemann, Referatsleiterin in der Thüringer Staatskanzlei, und Michael Modde, Bürgermeister der Stadt Pößneck, führten in die Hintergründe des Thüringer Themenjahrs „Industrialisierung und soziale Bewegungen“ und dessen Leitausstellung in Pößneck ein. Dr. Jürgen Zörcher, verantwortlich für das Marketing der Ausstellung, erläuterte deren wirtschaftliche Verhältnisse und informierte über den Projektstand.

Drei Monate lang vereint „Erlebnis Industriekultur“ rund 500 Exponate aus dem ganzen Land in der denkmalgeschützten Shedhalle. Museen, Archive, wissenschaftliche, private und unternehmenseigene Sammlungen aus dem ganzen Freistaat steuern wertvolle Stücke bei, von der historischen Versicherungsurkunde bis zur Feldbahn. Wer sich ein übersichtliches Bild von der Thüringer Industriegeschichte machen möchte, findet hier eine bisher einmalige Zusammenstellung. Sie umfasst nicht nur Werkzeuge und Maschinen, sondern geht auch auf die Produktionsbedingungen, die landschaftlichen Besonderheiten sowie die Menschen und ihren Alltag ein. Sechs Themeninseln veranschaulichen den Wandel von Arbeits-, Lebens- und Umwelt und zeigen die verschiedenen Bereiche der Industrialisierung: Bodenschätze und Werkstoffe, Industriezentren in Thüringen, Aushalten und Haushalten, Verkehrswelt und Kommunikationsnetze, Finanzen und Reklame, Innovationen und Motoren der Industrie. Verbunden sind die Themeninseln durch den siebten Themenbereich „Energie“, den Antrieb und Fortschrittsfaktor der Industrialisierung schlechthin. Unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ zeigen ausgewählte Highlights heutiger Spitzentechnologie aus Thüringen, wie sich der Industrialisierungsprozess bis in unsere Zeit fortschreibt. Der Clou dabei: Alle Hightech-Erzeugnisse stammen von Thüringer Unternehmen, die bereits im 19. Jahrhundert Spitzenleistungen erbrachten.

Die Ausstellung will „Erlebnis Industriekultur“ deutlich machen, dass Thüringen einen eigenen Weg der Industrialisierung beschritten hat. Für ihn spielten auch andere Kräfte als die klassischen Motoren der Industriellen Revolution, wie die rohstoffintensive Kohle- und Eisenindustrie, eine bedeutende Rolle. In Thüringen, das als eine der ersten deutschen Regionen die Industrialisierung durchlief, entwickelte sich von Beginn an eine besonders differenzierte Klein- und Kleinstindustrie. Die politische und landschaftliche Zersplitterung Thüringens erschwerte die Entwicklung von großen Industriezentren und führte stattdessen zu einer großen Produktvielfalt. Besonders kleine, leicht zu transportierende Produkte, die unter hohem Arbeitseinsatz herzustellen waren, kennzeichneten die Thüringer Wirtschaft. Bekannt sind zum Beispiel die Thermometer- oder Spielzeugherstellung. Dabei zeichneten sich die Thüringer Produkte durch eine hohe Material- und Produktqualität aus und waren schon früh weit über die Landesgrenzen hinaus begehrt. Die Ausstellung „Erlebnis Industriekultur“ erzählt von diesen regionalen Besonderheiten, die Thüringen in dem weltweiten Prozess der Industrialisierung kennzeichnen. Die Schauobjekte verweisen auf ein industriegeschichtliches Programm, das von Beginn an weit über die „typischen“ Produktionszweige der Industrialisierung Textil, Eisen, Stahl und Maschinenbau hinaus geht.

Erst seit rund einem Jahr ist klar, dass die Leitausstellung „Erlebnis Industriekultur – Innovatives Thüringen seit 1800“ in Pößneck stattfindet. Deshalb blieben nach der Vergabe nur ungewöhnlich knappe eineinhalb Jahre für die Realisierung des Projektes. Kleines Team, kurze Wege, Konzentration auf das Wesentliche und schnelle Entscheidungen lautet das Pößnecker Erfolgsrezept. So hält man Kosten und Reibungsverluste gering.
Der Pößnecker Stadthaushalt rechnet derzeit mit einem haushaltswirksamen Gesamtbudget von etwa 850.000 Euro. Das ist für eine Ausstellung mit landesweiter Bedeutung ein moderater Betrag.

Rund 670.000 Euro entfallen auf die „eigentliche“ Ausstellung von der wissenschaftlichen Recherche über das Zusammentragen der Schauobjekte, den Ausstellungsbau und den Ausstellungsbetrieb bis hin zum Marketing.
Weitere 180.000 Euro sind für die Kulturvermittlung im weitesten Sinne vorgesehen. Darin sind die Museumspädagogik, die geplante digitale Ausstellung, der Katalog und das umfangreiche Begleitprogramm einschließlich des vorgesehenen Steampunk-Events und des Lost Places-Fotografiewettbewerbes enthalten.

Finanziert wird das Projekt durch Finanzleistungen von Sponsoren in gesichertem Umfang von derzeit rund 50.000 Euro. Zusätzlich erbringen die Förderer Sachleistungen in knapp der gleichen Höhe. Hauptsponsoren sind ZEISS und die Kreissparkasse Saale-Orla.

Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern setzt das Projektteam derzeit vorsichtig mit rund 100.000 Euro an. Man ist aber guter Hoffnung, dass daraus auch ein größerer Betrag werden kann, wenn die Ausstellung auf das erwartete Publikumsinteresse trifft.

Die darüber hinaus erforderlichen Mittel stellt die Öffentliche Hand bereit.

Industriegeschichte Thüringens von Carl Zeiss geprägt

ZEISS ist einer der Hauptsponsoren der Leitausstellung „Erlebnis Industriekultur – Innovatives Thüringen seit 1800“, die 2018 in Pößneck zu sehen sein wird. Die Ausstellung gibt einen Überblick über 200 Jahre Industriegeschichte in Thüringen, an der auch das Unternehmen ZEISS einen maßgeblichen Anteil hat.

Als der Firmengründer Carl Zeiss 1846 seine Werkstatt zur Herstellung von Mikroskopen eröffnete, war Jena noch eine Universitätsstadt vergleichbar mit anderen in Europa. „Es gab wenig Gewerbe und keine Industrie im heutigen Sinne“, so beschreibt Dr. Wolfgang Wimmer, Leiter des ZEISS Archivs, die damalige Zeit. Der Unternehmer Zeiss war laut Wimmer zwar recht erfolgreich und exportierte seine Mikroskope sogar ins Ausland, aber die Entwicklung stagnierte. Das änderte sich, als er mit Ernst Abbe einen wissenschaftlichen Mitarbeiter gewann, um die Optik der Mikroskope zu verbessern. Dies gelang nach mehreren Versuchen im Jahr 1872 und führte zum Wachstum des Unternehmens. Abbe arbeitete auf der Basis von prinzipiellen wissenschaftlichen Überlegungen. Diese Methode übertrug er auch auf andere Arbeitsgebiete und gab sein Wissen an die neu eingestellten wissenschaftlichen Mitarbeiter weiter. „Fast zeitgleich fand an anderen Orten der Welt in der Chemie- und der Elektroindustrie ein ähnlicher Verwissenschaftlichungsprozess statt. Jena stand damals plötzlich mit an der Spitze der weltweiten industriellen Entwicklung“, so Wimmer, der diesem Thema einen ausführlichen Aufsatz im Ausstellungskatalog gewidmet hat.

Das Unternehmen stellt für die Ausstellung auch zahlreiche Ausstellungsstücke zur Verfügung: Unter anderem erhalten die Besucher einen Einblick in die Historie der Brillenglasfertigung bei ZEISS und erleben unter dem Themenbereich Industrie 4.0 den heutigen Stand der Produktionstechnik, die mit Videos, 3D-Darstellungen und einem Roboter veranschaulicht wird. „Wir unterstützen die Ausstellung sehr gern, da ZEISS den Industrialisierungsprozess in Thüringen von Anfang an geprägt hat. Carl Zeiss legte damals den Grundstein für den heute weltweit tätigen Technologiekonzern. Sein Wirken prägte den Ruf der Stadt Jena als internationales Zentrum für Optik und Photonik  mit global agierenden Firmen sowie renommierten Forschungseinrichtungen bis in die heutige Zeit“, sagte Jörg Nitschke, Leiter der Konzernfunktion Brand and Communications bei ZEISS.

Sparkasse unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung von neuen Ideen

Industriekultur – ist auf den ersten Blick mit einer Sparkasse nicht unbedingt in Verbindung zu bringen. Und doch spielen Industrie, Wirtschaft und Kultur eine zentrale Rolle für die Kreissparkasse Saale-Orla und die Sparkassen-Kulturstiftung HessenThüringen. So sind die Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe nicht nur bedeutende Arbeitgeber in der Region und damit wegweisende Wirtschaftsfaktoren, sondern auch wichtige Förderer von Kunst und Kultur und darüber hinaus für das soziale Leben. Existenz- und Unternehmensgründungen sind Dreh- und Angelpunkt für eine dynamische Entwicklung der Wirtschaft. Die Kreissparkasse Saale-Orla unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung von neuen Ideen und begleitet deren Weiterentwicklung in zukunftsfähige Produkte. So wie Heute, war es auch in der Vergangenheit von unschätzbarem Wert, Förderer zu finden, den Fortschritt zu unterstützen und Visionen umzusetzen.
Umso mehr freut es uns, dass die Ausstellung „Erlebnis Industriekultur – Innovatives Thüringen seit 1800“ an die Stadt Pößneck vergeben wurde. Pößneck steht als Synonym für viele Thüringer Städte und Gemeinden. Denn es ist von größter Wichtigkeit, dass die großartige historische Entwicklung der Industrie, hier seien die Druck,- Porzellan,- Leder,- Textil oder Süßwarenproduktion genannt, nicht in Vergessenheit gerät. So zeigte die Geschichte, dass manche dieser Wirtschaftsstandorte aus den verschiedensten Gründen nicht mehr zeitgemäß waren und ihre Produktionsstätten aufgeben mussten. Andererseits konnten sich auch viele Betriebe etablieren und sozusagen neu erfinden. Es ist eine ganz besondere Ehre für die Stadt Pößneck gemeinsam mit ihren Partnern das Thema Industriekultur aufzuarbeiten und zu würdigen.
Die Kreissparkasse Saale-Orla und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen sind stolz, die Leitausstellung „Erlebnis Industriekultur – Innovatives Thüringen seit 1800“ zu fördern. Wir wünschen der Stadt Pößneck in Kooperation mit dem Freistaat Thüringen viel Erfolg. Dank gilt auch den Projektgestaltern, die auf vielfältige und beeindruckende Weise die Historie der Industrie mit Leben erfüllen werden.

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