7. Mai 2021
Thüringer Vogtland

„Sozialer Rettungsring“ im Saale-Orla-Kreis

Der Allgemeine Soziale Dienst des Landratsamtes unterstützt Familien

Im vergangenen Jahr sind 225 Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung beim Jugendamt des Saale-Orla-Kreises eingegangen. Dabei waren 276 Kinder betroffen. (Symbolbild: Pixabay)

Schleiz. Ein „sozialer Rettungsring“, nach dem Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern greifen – gerade in der Corona-Pandemie: Genau den bietet das Jugendamt des Saale-Orla-Kreises. Dort gibt es den Allgemeinen Sozialen Dienst (kurz: ASD). „Der ASD ist in Familien immer dann zur Stelle, wenn es kriselt – auch in der Corona-Krise. Und natürlich auch danach“, erklärt Ines Krasser, Leiterin des Fachdienstes Jugend und Familie/Jugendamt des Saale-Orla-Kreis.

Von Schulproblemen über Konflikte in der Familie bis zur Sucht – vieles könne Kindern und Jugendlichen das Leben schwer machen oder sie sogar aus der Bahn werfen. „Die Corona-Pandemie hat in vielen Familien diese Probleme noch verschärft: Nicht raus können – kein Kindergarten, keine Schule, keine Unternehmungen mit Freunden, kein Sport im Verein, keine Freizeitmöglichkeiten. Gerade dann, wenn sich das Leben in einer kleinen Wohnung abspielt, liegen die Nerven schon mal schnell blank. Eltern hätten zudem häufig Probleme, den Alltag in den Griff zu bekommen: von regelmäßigen Mahlzeiten bis zum Umgang mit Konflikten. Genau dann sei das Jugendamt gefragt: Der Allgemeine Soziale Dienst helfe dabei, den Alltag zu organisieren. „Praktische Unterstützung zu geben, das ist unser Job. Das Spektrum an Hilfe, das der Allgemeine Soziale Dienst dabei anbietet, ist breit: von der Erziehungsberatung über die ambulante Unterstützung in der Familie bis zum Vermitteln einer Pflegefamilie“, so Ines Krasser. „Es ist ein sozialer Rettungsring, den wir den Familien anbieten“, erklärt die Fachdienstleiterin.

Eltern oder Kinder wendeten sich oft selbst an das Jugendamt. „Aber auch Menschen aus dem Umfeld meldeten sich, wenn sie sich Sorgen um ein Kind machen. Vor der Corona-Pandemie kamen Hinweise oft aus Kitas und Schulen. Jetzt sind es häufiger auch Nachbarn, die bemerken, wenn Hilfe vom Jugendamt gebraucht wird. Wenn das Wohl von Kindern gefährdet ist, dann ist das ein absolut ernstes Thema. Es ist wichtig, hier die Augen im Alltag offenzuhalten und mit den Ohren im eigenen Umfeld auf Empfang zu bleiben, so der Appell des Jugendamtes.

Im vergangenen Jahr sind 225 Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung beim Jugendamt des Saale-Orla-Kreises eingegangen. Dabei waren 276 Kinder betroffen.

In 37 Prozent der Fälle waren die Kinder dabei zwischen sech und 14 Jahre alt, in 24 Prozent der Fälle zwischen drei und sechs Jahren, in knapp ¼ der Fälle (23 Prozent) waren die betroffenen Kinder jünger als drei Jahre.

Bei 13 Prozent der Meldungen handelte es sich um „ernste, oft akute Fälle“, informiert das Jugendamt. Hier sei es beispielsweise um Vernachlässigung oder unzureichende Erziehungskompetenz der Eltern sowie Suchtproblematiken gegangen. Ebenso komme es immer wieder vor, dass das Jugendamt auf psychische Misshandlung von Kindern treffe oder von körperlicher Misshandlung oder sexuellem Missbrauch von Kindern erfährt. In diesen Fällen werden die Kinder teilweise in schützende Obhut genommen, werden teils von anderen Familienmitgliedern wie etwa Großeltern betreut, der Kinderschutzdienst und auch die Polizei werden einbezogen.

„Bei 71 Prozent Prozent der Hinweise, die uns erreicht haben, gab es zwar keine Kindeswohlgefährdung, allerdings war Hilfe und Unterstützung vom Jugendamt dringend notwendig. Anders in den übrigen 16% der Fälle: Das war ‚falscher Alarm‘. Aber der ist den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugendamtes allemal lieber, als wenn einmal zu wenig hingeschaut wird.

Im Fokus stehen beim Jugendamt des Saale-Orla-Kreis immer die Kinder, die Jugendlichen und ebenso die Eltern: „Wenn es darum geht, dass das Wohl der Kinder gefährdet ist, dann ist der Eins-zu-eins-Kontakt mit den Eltern enorm wichtig – egal, ob es einen Lockdown gibt oder nicht“, sagt die Leiterin des Fachdienstes. Das Jugendamt setze nämlich alles daran, den „menschlichen Lockdown“ in Familien zu verhindern.

Oft reiche es für den Schutz der Kinder bereits aus, den Eltern konkrete Hilfen und Unterstützungsangebote anzubieten. „Denn das ist häufig schon der Schlüssel zum Erfolg. Wer die Eltern stärkt, schützt damit oft auch gleich die Kinder: starke Eltern, starke Kinder“, davon ist Ines Krasser überzeugt. Zu diesen konkreten Angeboten gehören ambulante Hilfen zur Erziehung, Beratungsangebote des Jugendamtes sowie die Vermittlung von Erziehungsberatung, Suchtberatung, psychosozialer Beratung oder auch Schuldnerberatung.

Familien, Eltern, Kinder, die Hilfe brauchen, können sich direkt an das Jugendamt wenden – per Telefon (03663 488 958) oder per E-Mail sozialerdiest@lrasok.thueringen.de

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