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21. Januar 2021
Ratgeber

0800.0080080 – wir sind für Euch da!

Mit diesem Plakat soll auf das Kinder- und Jugendsorgentelefon Thüringen aufmerksam gemacht werden. Die zentrale Botschaft: Auch wenn Dich keiner hört - wir hören Dir zu! Foto: Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V.

Die Experten am Kinder- und Jugendsorgentelefon Thüringen helfen

„Wir haben bemerkt, dass die Zahlen während des ersten Lockdowns und vor allem unmittelbar danach um ein Dreifaches anstiegen.
Mit Beginn der Ferien flachte das aber wieder ab.
Und zur Zeit bewegen sich die Zahlen auf Durchschnittsniveau“, sagen Petra Notroff, vom Kinder- und Jugendschutzdienst „Tabu“ und langjährige Beraterin am Kinder- und Jugendsorgentelefon am Standort Bad Salzungen, und Heiko Höttermann, der Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V.
Durchschnittsniveau – das bedeutet zirka 100 Anrufe im Monat.

Große Bandbreite an Problemen

„Bei den Gesprächen geht in der Regel um altersspezifische Fragen und Probleme wie Stress mit Freunden, innerfamiliäre Probleme, Partnerschaftsprobleme, ungewollte Schwangerschaft, Probleme mit dem eigenen Körper, Probleme mit psychisch- oder abhängigkeitskranken Eltern oder Mobbing beziehungsweise Cybermobbing“, erklärt Heiko Höttermann.

„Und jetzt kommen noch all die Themen rund um das Corona-Virus hinzu.
Es geht um Ansteckungswege, Angst um erkrankte, nahestehende Personen und natürlich die Dinge, die die Kinder und Jugendlichen ganz besonders beschäftigen:
Homeschooling, Leistungsstress, Versagensangst aber auch Einsamkeit und Langeweile.“

Kinder sind derzeit sehr verunsichert

„Die Welt der Kinder und Jugendlichen ist aus dem Gleichgewicht geraten“, beschreibt Petra Notroff die Situation der Kinder und Jugendlichen, wie sie sie aus zahlreichen Gesprächen kennt.
„Feste Strukturen, die immer Sicherheit vermittelt haben, sind plötzlich weggebrochen oder haben sich aufgelöst.
Resilienz-Personen, also außenstehende Personen, die ihnen eine positive und doch realistische Grundhaltung vermitteln, die man gerade bei Krisen benötigt, können sie nicht mehr oder nur schwer kontaktieren.
Die Kinder sind dadurch auf das Höchste verunsichert.“

 

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinder- und Jugendsorgentelefons Thüringen sind unter der 0800 / 0 08 00 80 erreichbar. Foto: guvo59 / www.pixabay.com

 

Zuhören, beraten, helfen

Und wie können die Mitarbeiter des Kinder- und Jugendsorgentelefons dann konkret helfen?
„Zuhören – das ist das Wichtigste“, sagen Petra Notroff und Heiko Höttermann spontan.
„Wir können in Ruhe mit den Anruferinnen und Anrufern sprechen, uns Zeit nehmen.
Außerdem machen unsere Kollegen und wir auf Projekte aufmerksam, die noch zugänglich sind, zum Beispiel die 19 Kinder- und Jugendschutzdienste als Beratungsstellen für von Gewalt betroffene junge Menschen, geben Internetadressen weiter und suchen gemeinsam nach machbaren Lösungen.
Wir betreiben Ressourcenarbeit – und wenn das nötig ist, erarbeiten wir auch einen Notfallplan.“

Es rufen mehr Mädchen an

Die Gesprächspartner von Petra Notroff und Heiko Höttermann sind zwischen 9 und 17 Jahren alt, wobei die Gruppe der 12- bis 15-Jährigen am stärksten vertreten ist.
Es rufen eindeutig mehr Mädchen als Jungen an.
Die beiden Experten sprechen von einem Verhältnis von 3 zu 1, wobei es keinerlei regionale Unterschiede gibt.

Ab und zu wählen auch Erwachsene die Thüringer Kinder- und Jugend-Sorgentelefon-Nummer.
„Natürlich werden auch diese von uns beraten.“

 

Speziell geschulte Mitarbeiter

Alle Mitarbeiter am Sorgentelefon sind speziell geschult. Sie haben eine 100-stündige Zusatzqualifikation absolviert – „mit Zertifikat“.
Jugendliche, die am Telefon arbeiten, mussten zuvor eine 70-stündige Weiterbildung durchlaufen.
Sie dürfen aber nur mit einem Hintergrunddienst am Telefon arbeiten.

Auch wenn es den Kindern und Jugendlichen gerade in Zeiten des Lockdowns zunehmend schwerer fällt, zu telefonieren und es leichter zu sein scheint, sich anonym im Netz zu melden – eine E-Mail-Adresse gibt es beim Thüringer Kinder- und Jugendsorgentelefon bisher nicht.

„Das würde auch unserem Ansatz der Niederschwelligkeit entgegenstehen“, ist Heiko Höttermann überzeugt. „Wenn jemand beim Sorgentelefon anruft, möchten er oder sie sofort eine Antwort – und nicht erst irgendwann.“

 

Schulen offen halten

Zum Abschluss nach ihren Wünschen für die Zukunft geftagt, bezieht Heiko Höttermann, der Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V., ganz klar Stellung:
„Mit Öffnung der Schulen im Mai 2020 stiegen die Fallzahlen bei den Kinder- und Jugendschutzdiensten und dem Kinder- und Jugendsorgentelefon stark an.
Daher fordern wir:
So lange wie möglich Schulen, Kitas etc. geöffnet lassen!
Bezugspersonen wie Lehrer*innen, Erzieher*innen, Schulsozialarbeiter*innen können dann betroffenen Kindern und Jugendlichen besser helfen und die Netzwerke im Kinderschutz aktiver nutzen.“

Nur keine Angst – ruft an!

Und wenn sie Kindern und Jugendlichen – oder auch deren Eltern, Verwandten und Bekannten – etwas sagen könnten, was wäre das?

„Habt keine Angst vor dem Telefon“, sagt Petra Notroff mit Nachdruck.
„Ruft immer an, wenn der Schuh drückt.
Auch wenn es vermeintlich kleine Probleme sind.
Wenn euch keiner zuhört – wir sind für euch da!“

Daniel Dreckmann

 

Das Wichtigste auf einen Blick

Das Kinder- und Jugendsorgentelefon ist kostenfrei in Thüringen erreichbar unter der Telefonnummer: 0800 / 0 08 00 80.
Alle Adressen der Kinder- und Jugendschutzdienste in Thüringen findet man unter:
www.jugendschutz-thueringen.de

 

Mit diesem Plakat soll auf das Kinder- und Jugendsorgentelefon Thüringen aufmerksam gemacht werden. Die zentrale Botschaft: Auch wenn Dich keiner hört – wir hören Dir zu! Foto: Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V.

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