8. Dezember 2022
Ratgeber

20 Minuten zu spät — Warntag-Idee ist gut, aber nicht alle Menschen wurden erreicht

Am heutigen bundesweiten Warntag sollten Möglichkeiten von Warnmitteln für die Bevölkerung getestet werden

Zum bundesweiten Warntag 2022 sollte eine flächenübergreifende Alarmierung der Bevölkerung getestet werden. Zumindest an meinem Aufenthaltsort wäre die Meldung im Ernstfall viel zu spät gekommen. Foto: Andreas Abendroth

Von Andreas Abendroth – Redaktion Sonderthemen bei FUNKE Medien Thüringen

Arnstadt. Die Idee für einen Warntag ist eigentlich gut und es gab ihn schon einmal am 10. September 2020. Mit vielfältigen Möglichkeiten sollte in diesem Jahr getestet werden, die Bevölkerung auf eine Gefahrensituation hinzuweisen. So sollten alle an das Modulare Warnsystem (MoWaS) angeschlossenen Warnmittel, sowie Warnmultiplikatoren ausgelöst werden. Insbesondere auch die Warn-Apps wie NINA, KATWARN und BIWAPP. Erstmals wurde zudem die Warnung per Cell-Broadcast verbreitet. Mit dieser neuen Technologie werden Smartphones mit aktuellen Betriebssystemen direkt ansteuert. So können auch ohne installierte Warnapps Mobiltelefone alarmiert werden. Außerdem sollten vorhandene Sirenen zu einem Probealarm ausgelöst werden.

Doch bereits im Vorfeld stand fest, dass sich viele Kommunen nicht daran beteiligen werden. So gibt es schlechtweg in einigen Orten keine Sirenen mehr oder es gibt Probleme bei der Umrüstung analoger Anlagen auf Digitaltechnik.

Punkt 11 Uhr sollte der Probealarm starten. Doch auf meinem Smartphon tat sich nichts. Auch bei den gut ein Dutzend, zumeist älteren Passanten, welche am Arnstädter Bustreff auf den öffentlichen Nahverkehr warteten – nichts. Auch keine Sirenenalarmierung in der Stadt, nur der alltägliche Alltagslärm war zu hören.

Bundesweiter Warntag 2022: Der Probealarm startete um 11 Uhr (laut Katwarn 10:59 Uhr). Viel zu spät, erst 18 Minuten später – 11.18 Uhr – informierte die Warn-App über das Handy. Foto: Andreas Abendroth

Achtzehn Minuten später — Punkt 11.18 Uhr — wurde mein Handy doch noch zu Leben erweckt. Das Mobiltelefon gab Warntöne von sich, auf dem Display erschien: KATWARN – jetzt: KATWARN-Meldung: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Nationale Warnzentrale 1 Bonn meldet: Bundesweiter Warntag 2022 – Probewarnung – Deutschland vom 08.12.2022 10:59.“

Warnmeldung kam knapp 20 Minuten später an

10.59 Uhr ausgelöst – 11.18 Uhr eingegangen. Gut zwanzig Minuten später! Wäre es tatsächlich ein Ernstfall gewesen, hätten ich, wie viele andere Bürger auch, nichts mitbekommen oder erst viel zu spät eine Warnung erhalten.

Auch 2020 kam die Meldung der Warn-Apps Nina und Katwarn erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an, wurde die Bevölkerung zu spät informiert. Damals hatte das Bundesinnenministerium den Probealarm als „fehlgeschlagen“ bezeichnet. In den vergangenen Jahren hat man scheinbar keine Lehren daraus gezogen, Verbesserungen vorgenommen. 2022 wieder ein Fehlschlag, da der Bürger immer auf die neueste Technik beziehungsweise die neuesten Updates angewiesen ist, um gewarnt zu werden.

Denn für mich zählt nur: Hat mich an meinem aktuellen Aufenthaltsort die Warn-Meldung pünktlich über eine Gefahrensituation informiert? Nein! – Im Ernstfall hätte ich sie vielleicht niemals mehr lesen können oder so spät nicht mehr benötigt!

Übrigens, die Aufhebung der Probewarnung kam über KATWARN um 12 Uhr auf meinem Handy an. Die Meldung stammte von 11.45 Uhr…

Bundesweiter Warntag 2022: Der Probealarm wurde um 11.45 Uhr aufgehoben. Erst 12 Uhr stellte Katwarn die Meldung ein. Foto: Andreas Abendroth

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