1. April 2021
Ratgeber

Behinderung, unsichtbar

Man sieht Kindern nicht unbedingt an, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Um so wichtiger ist es, sich gegebenenfalls sachlich und rational mit einer unsichtbaren Behinderung auseinanderzusetzen. Foto: EME / www.pixabay.com

Der Verein Inklusionskinder Ostthüringen e.V. hilft mitunter Eltern,
deren Kinder eine unsichtbare Behinderung haben

„Wenn Ihr Kind, das ADHS hat, also eine Aufmerksam­keits-Defizit-Hyperaktivitäts­Störung, in der Kaufhalle plötzlich einen Wutanfall ­bekommt und austickt, dann fällt es manchmal sehr schwer, die vorwurfsvollen, unverständigen Blicke vieler Menschen zu ertragen“, sagt Christiane Berndt, Schriftführerin und Vorstandsmitglied im Verein Inklusionskinder Ostthüringen e.V.
Der Verein berät Eltern und Angehörige aber auch Außenstehende wie Lehrer, Freunde, Vereinsmitglieder zum Umgang mit „besonderen Kindern“.

 

Besondere Kinder

„Ich sage gern, dass es Kinder mit ,Special Effects’ sind“, sagt Christiane Berndt.
Gemeint sind Kinder mit unsichtbaren Behinderungen wie zum Beispiel ADHS, ADS, Autismus, Down-Syndrom, Epilepsie, Hör- und Sprachstörungen, Stoffwechsel­störungen, Herzfehlern oder Verhaltens- und Wahrnehmungsstörungen.

Die Ratsuchenden kommen aus Gera, Greiz, Altenburg, dem Saale-Orla-Kreis, dem Saale-Holzland-Kreis, ­Jena, ja sogar aus Erfurt und bundesweit.

Aufmerksam werden sie über Soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram, ­Informationsstände auf Festen wie dem Kuchenmarkt in Weida oder dem Hofwiesenparkfest in Gera, aber auch Info-Veranstaltungen in Schulen.

 

Die größte Angst der Ratsuchenden ist,
dass ihnen (wieder) nicht geholfen werden kann

„Wenn Menschen dann zum ersten Mal in unsere Selbsthilfegruppe kommen, dann fragen sie sich in der Regel vor allem: Passe ich hier hin?
Und ihre größte Angst ist, dass ihnen hier (wieder) nicht geholfen werden kann“, beschreibt Christiane Berndt.
„Aber wir hatten bislang keine Fälle, in denen wir nicht helfen konnten.“

 

Hilfestellungen
und qualifizierte Begleitung zu offiziellen Gesprächen

Der Verein, der sich früher „Besondere Kinder Gera und Landkreis Greiz e.V.“ nannte, ist zwar keine Rechtsberatung und kann auch niemandem einen Gang zur ­Behörde abnehmen, aber man kann aus eigenen Erfahrungen Tipps geben, vor ­allem aber zuhören und Hilfe­stellungen geben.

Aufgrund einer qualifizierten Weiterbildung zur Fachkraft für ­Inklusion bietet die ­Vorstandsvorsitzende, Sonja Sellner, den Ratsuchenden auch gern die Begleitung zu Gesprächen mit Behörden oder Schulen an, um bei ­Bedarf zu vermitteln und zu assistieren.

 

Behinderungen am besten mit all ihren Facetten annehmen
und tolerieren

„Das Wichtigste beim ­Umgang mit Kindern mit unsichtbaren Behinderungen – und das gilt für jeden direkt Betroffenen wie die ­Eltern aber auch die Gesellschaft allgemein – ist, dass man versucht umzudenken, die Behinderung mit all ihren Facetten anzunehmen, sie zu tolerieren und selbst einen kleinen Beitrag zur Etablierung von Inklusion zu leisten“, sagt Christiane Berndt zum Abschluss.

Weitere Informationen

Man erreicht den Inklusionskinder Ostthüringen e.V. unter der E-Mail-Adresse:
info@inklusionskinder-ot.de.
Mehr unter: www.inklusionskinder-ot.de

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