„Beistand, Trost und Hoffnung“ - meinanzeiger.de
20. März 2020
Ratgeber

„Beistand, Trost und Hoffnung“

Die christlichen Kirchen spenden Trost angesichts der Corona-Krise, loben das Engagement vieler und wollen Hoffnung wecken. Foto: ollis_picture / www.pixabay.com

Ein Wort der katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirche in Deutschland zu Corona

Anlässlich der weltweiten Krise um das Corona-Virus veröffentlichen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, das gemeinsame Wort „Beistand, Trost und Hoffnung“.

 

Krisenhafte Situation und drastische Maßnahmen

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die gegenwärtigen Tage sind geprägt von der krisenhaften Gesamtsituation, die durch die Verbreitung des Corona-Virus hervorgerufen wird.

Das Bemühen, die Verbreitung dieser Krankheit zu verlangsamen, führt zu drastischen Maßnahmen.

 

Jeder ist betroffen

Jede und jeder von uns ist konkret betroffen.

 

Kirchliche Einrichtungen weitgehend geschlossen

Da wir dieses Bemühen selbstverständlich unterstützen und uns an die staatlichen Vorgaben konsequent halten wollen, wurden auch gemeindliche Veranstaltungen abgesagt und kirchliche Einrichtungen weitgehend geschlossen.

 

Es fällt schwer, auf gemeinsame Gebete zu verzichten

Sie können sicher nachvollziehen, wie schwer es uns gefallen ist, in diesen beunruhigenden Zeiten alle öffentlichen Gottesdienste auszusetzen.

Gerade in schweren Zeiten ist es für uns Christen eigentlich unabdingbar, die Nähe Gottes zu suchen, indem wir uns zu gemeinsamen Gebeten und Gottesdiensten versammeln.

 

Doch es ist notwendig

Und doch ist dieser Verzicht notwendig, um die Pandemie so weit als irgend möglich einzugrenzen, deren schwerwiegende Auswirkungen wir alle persönlich zu spüren bekommen.

Uns alle treffen die Einschränkungen.

 

Krankheit und existenzielle Zukunftssorgen

Manche sind selbst oder in ihrem Umfeld von Erkrankung, schweren Krankheitsverläufen oder gar Tod betroffen.

Viele sind aufgrund des gesellschaftlichen Stillstands in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht und mit großen Zukunftssorgen konfrontiert.

 

Persönlicher Beistand und Gebete

Auch wenn die Gottesdienste derzeit nicht stattfinden können, können Sie sich – das möchten wir Ihnen zusagen – unserer solidarischen Unterstützung, unseres persönlichen Beistands und unseres Gebetes gewiss sein.

 

Die Krise kennt keine Gerechtigkeit

Wie alle unverschuldete Not, die über die menschliche Gemeinschaft kommt, so kennt auch diese Krise keine Gerechtigkeit.

Sie trifft die einen nur ganz am Rande, die anderen, oft genug die Schwachen, aber mit aller Härte.

 

Das Füreinander-Dasein ist um so wichtiger

Deshalb, aber auch wegen der notwendigen Isolation der Menschen, sind das Füreinander-Dasein und die Solidarität in dieser Zeit so unabdingbar, um das humane Angesicht unserer Gesellschaft nicht zu entstellen oder gar zu zerstören.

Ein „Danke“ an alle Helfer

Unser großer Dank gilt allen im Gesundheitswesen, Ärztinnen und Ärzten, Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern und Freiwilligen, die oft bis zur Erschöpfung dafür sorgen, dass die Erkrankten die bestmögliche Versorgung erhalten.

 

Abstand ja, aber keine Grenzen in den Herzen

Gerade weil in diesen Tagen viele Grenzen und Barrieren zwischen Menschen errichtet werden müssen, dürfen die Grenzen nicht in den Herzen hochgezogen werden.

 

Es kommt auf jeden an

In einer solch existenziellen Krise, in der auch die gesellschaftlichen Institutionen spürbar an ihre Grenzen stoßen, kommt es auf jede und jeden Einzelnen an.

Aber nicht, weil sich jeder dann selbst der Nächste ist und jeder für sich allein kämpft, sondern weil jedes offene Ohr, jedes freundliche Wort und jede helfende Hand besonders zählen und viel bedeuten.

 

Es tut gut, das Gute zu sehen

Es tut in der Seele gut zu sehen, wie viel gelebte Humanität es angesichts dieser Krise in unserer Gesellschaft gibt!

An vielen Orten haben sich spontan Freiwillige bereit erklärt, Einkäufe für ältere oder kranke Nachbarn zu erledigen oder Kinder zu betreuen, deren Eltern weiterhin ihrem Beruf nachgehen müssen.

 

Kontakte pflegen

Auch in unseren Gemeinden gibt es viele, die mit Telefongesprächen, E-Mails und anderen Medien den sozialen Kontakt aufrechterhalten und die Gemeinschaft stärken.
Dazu gehören auch die vielen Gebetsgruppen, die sich über das Internet verabreden.

 

Nicht die Kriege vergessen

Die gegenwärtige Pandemie hat weltweite Ausmaße.

Sie betrifft nicht nur uns, sondern auch die Menschen in den Kriegsregionen des Nahen Ostens, insbesondere Syriens, und in den Flüchtlingslagern.

Flüchtlinge sind von Krankheiten noch mehr betroffen

Da hier Schutzmaßnahmen weitgehend fehlen, ist ihr Risiko zu erkranken sogar noch größer. Deshalb dürfen wir auch sie nicht aus dem Blick verlieren.

 

Krankheit ist keine Strafe Gottes

Als Christen sind wir der festen Überzeugung:
Krankheit ist keine Strafe Gottes – weder für Einzelne, noch für ganze Gesellschaften, Nationen, Kontinente oder gar die ganze Menschheit.

 

Menschen sind verwundbar und zerbrechlich

Krankheiten gehören zu unserer menschlichen Natur als verwundbare und zerbrechliche Wesen.

 

Krisen fordern den Glauben heraus

Dennoch können Krankheiten und Krisen sehr wohl den Glauben an die Weisheit und Güte Gottes und auch an ihn selbst erschüttern.

Krankheiten und Krisen stellen uns Menschen vor Fragen, über die wir nicht leicht hinweggehen können.

Keine einfachen Antworten –
und immerwährende Wahrheiten

Auch wir Christen sind mit diesen Fragen nach dem Sinn menschlichen Leids konfrontiert und haben keine einfachen Antworten darauf.

Die biblische Botschaft und der christliche Erlösungsglaube sagen uns Menschen jedenfalls zu:

  • Gott ist ein Freund des Lebens.
  • Er liebt uns Menschen und leidet mit uns.
  • Gott will das Unheil nicht.
  • Nicht das Unheil hat darum das letzte Wort, sondern das Heil, das uns von Gott verheißen ist.

 

Verunsicherung und Angst sind zutiefst menschlich

Wir Menschen sind verwundbar und verletzlich.
Das wird uns in diesen Tagen schmerzhaft bewusst.

Deshalb ist es zutiefst menschlich, Verunsicherung und Angst zu spüren, wenn das gesellschaftliche Leben zum Stillstand kommt, der Kontakt zu Freunden drastisch eingeschränkt wird, alle Planungen von heute auf morgen durchkreuzt werden und wir nicht wissen, was in den nächsten Wochen sich ereignen wird.

 

„Fürchtet Euch nicht!“

Der auferstandene Christus, den wir in einigen Tagen wieder feiern werden, ruft nach dem Zeugnis des Evangeliums den Menschen in solcher Bedrängnis zu:
„Fürchtet euch nicht!“ (Mt 28,5)

 

Lasst Euch von der Hoffnung leiten

Dieser Trost ermutigt uns, angesichts der Not und der Angst nicht in Verzagtheit zu verharren, sondern Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen.

Und Gott ist uns Menschen auch dann nahe, wenn wir nicht selbstsicher und souverän sind, sondern unsicher tastend, suchend und fragend.

Wer sich von dieser Hoffnung leiten lässt, vermag anderen Beistand, Trost und Hoffnung zu spenden.

 

Nicht den Kopf hängen lassen wie ein Schilf

Wir Christen bereiten uns in der augenblicklichen Fasten- und Bußzeit auf das Osterfest vor.

Dabei weist ein Wort aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja uns in aller Deutlichkeit darauf hin, dass es nicht das rechte Fasten ist, „wenn man den Kopf hängen lässt wie ein Schilf“.

 

Dein Licht wird hervorbrechen

Dagegen ermutigt uns der Prophet, die „Fesseln des Unrechts zu lösen“ und uns den Notleidenden zuzuwenden, und zeichnet eine Verheißung Gottes an den Horizont:
„Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot und deine Heilung wird schnell gedeihen.“ (vgl. Jes 58,5–8)

 

Kraft und Hilfe

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

all jenen, die unter den äußeren Umständen schwer zu leiden haben, wünschen wir in den kommenden Tagen und Wochen alle Kraft und die nötige Hilfe.

Denen, die erkranken und an Krankheiten leiden, wünschen wir Linderung und, wenn möglich, baldige Genesung.

Diejenigen aber, die sterben, empfehlen wir der Güte und Barmherzigkeit Gottes.
Er möge sie aufnehmen in sein Leben.

Gott segne Sie!

In diesen Zeiten der Verunsicherung begleiten Sie alle unsere Gebete und Segenswünsche!

Bleiben Sie behütet an Leib und Seele.
Gott segne Sie!

 

Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Landesbischof Dr. Heinrich-Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Metropolit Augoustinos, Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland

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