Chancengeber Krise: Mobiles Arbeiten neu denken - meinanzeiger.de
2. Juni 2020
Ratgeber

Chancengeber Krise: Mobiles Arbeiten neu denken

Referentin Dr. Maxi Stapelfeld von der ThAFF erklärt unter anderem, warum eine „mobile Unternehmenskultur“ immer wichtiger wird – und was es dabei zu beachten gilt. Foto: ThAFF Thüringen

Fragen an Dr. Maxi Stapelfeld,
Referentin bei der Thüringer Agentur Für Fachkräftegewinnung

Welche Erfahrungen macht die ThAFF zurzeit mit Homeoffice?
Wir als ThAFF haben ebenso wie viele andere Thüringer Unternehmen und Arbeitgeber aufgrund der Corona-bedingten Situation quasi von einem Tag auf den anderen mit dem Thema Homeoffice bzw. mobiles Arbeiten beschäftigen müssen.
Zirka zwei Drittel des Teams arbeitet zur Umsetzung der Abstandsgebote und Hygienemaßnahmen seit zwei Monaten von zu Hause aus.
Der Rest des Teams wurde auf Einzelbüros verteilt.
Generell wurde der Arbeitszeitrahmen seitens unseres Arbeitgebers LEG Thüringen geöffnet, um die individuellen Bedarfe im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie regeln zu können (Stichwort „Homeschooling“).

Neuartige Herausforderung

Auch wenn wir schon Erfahrungen im Team mit alternierender Telearbeit (d.h. tageweise Homeoffice im Wechsel mit Präsenztagen im Büro) von Kollegen und Kolleginnen haben, so war uns doch schnell klar, dass wir hier vor einer neuartigen Herausforderung stehen.

Sonderseite mit Erstinformationen für Arbeitgeber

Gleichzeitig war uns bewusst, dass dies ein fachkräfterelevantes Thema ist.
Daher haben wir sehr zügig, auf unserer Corona-Sonderseite auf www.thaff-thueringen.de/covid-19 Erstinformationen für Thüringer Arbeitgeber unter der Überschrift „Arbeiten von zu Hause“ bereitgestellt.

Krise verlangte schnelles Handeln von Unternehmen

Die aktuellen Zahlen sprechen davon, dass durch die Corona-Pandemie nahezu jeder zweite im Homeoffice arbeitet – kann man davon ausgehen, dass Arbeitgeber diesem Thema jetzt aufgeschlossener gegenüberstehen?
Dass dieses Thema die Menschen bewegt, kann man in den sozialen Medien sehr gut verfolgen.
Die Corona-Krise erfordert(e) von allen Arbeitgebern und Personalverantwortlichen ein schnelles Handeln und sozialverträgliche Lösungen im Hinblick auf die Gewährleistung der Gesundheit der Belegschaft.
Eine wichtige Option dafür sowie für den Erhalt von Geschäftsprozessen und Arbeitsplätzen war die schnelle Ermöglichung des Arbeitens von zu Hause aus – dort wo es in der Unternehmenspraxis anwendbar ist.

Neue Herausforderungen mit der schrittweisen Öffnung

Mit der schrittweisen Öffnung der strengen Regelungen sind die Personalverantwortlichen und Geschäftsführungen erneut gefragt:
Da die Gefahr von weiteren Corona-Krankheitswellen nicht ausgeschlossen werden kann, gehen wir davon aus, dass die Unternehmen nicht einfach so in die vorherige Normalität zurückkehren werden (können).

Mobiles Arbeiten und Digitalisierung auf der Agenda ganz vorn

Die Themen „Mobiles Arbeiten“ und „Digitalisierung“ sind auf der Agenda weit nach vorne gerückt.
In diesem Kontext halten wir die Verwendung der richtigen Begrifflichkeiten für wichtig, da mit dem Thema Homeoffice auch arbeitsrechtliche Anforderungen einhergehen, die durch die Corona-Krise nicht außer Kraft gesetzt sind.
Es ist denkbar, dass der Trend bei entsprechend anpassbaren Arbeitsaufgaben zu (tageweisem) mobilem Arbeiten, verbunden mit Präsenztagen im Büro, geht.

Eine mobile Unternehmenskultur ist attraktiv –
besonders für die jüngere Generation

Homeoffice bzw. mobiles Arbeiten – inwieweit ist das ein Fachkräftethema?
Corona hat gezeigt, dass mobiles Arbeiten beziehungsweise Homeoffice nicht nur ein Thema ist, dass ausschließlich der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf dient.
Gerade für die jüngere Generation ist eine „mobile Unternehmenskultur“ attraktiv und eng verbunden mit modernen Arbeitsformen, die auf einer verstärkten Nutzung der Chancen der Digitalisierung basieren.

Viele Pendlerstrecken können so eingespart
oder wenigstens drastisch reduziert werden

Hierbei können auch Arbeitsplätze für Pendler beziehungsweise Fachkräfte mit weiter entfernten Wohnorten, für die ein Umzug zum Beispiel aufgrund des Eigenheims nicht in Frage kommt, auf den Prüfstand gestellt werden.
Es gilt jedoch, sich nicht nur auf die technische Machbarkeit und optimale Arbeitsplatzausstattung zu konzentrieren.
In jedem Fall müssen die Führungskräfte eingebunden werden, um der veränderten Zusammenarbeit im Team Rechnung tragen zu können.
Ein erneutes Überdenken der Möglichkeiten im Hinblick auf die eigene Arbeitgeberattraktivität kann viel zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung beitragen.
Hier liegen aus unserer Sicht auch wichtige Chancen für die Fachkräftesicherung und den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Die ThAFF informiert

Was bietet die ThAFF zu diesem Thema?
Als ThAFF sind wir schon seit vielen Jahren Ansprechpartner für Thüringer Arbeitgeber.
Für sie bereiten wir die relevanten Themen auf und stellen jederzeit Erstinformationen zur Verfügungen – sowohl in individuellen Beratungen als auch auf unserer Website: www.thaff-thueringen.de
Seit diesem Jahr bieten wir zudem das neue Beratungsformat „ThAFF vor Ort“ an.
Hier berät die ThAFF gemeinsam mit der regionalen Wirtschaftsförderung vor Ort ansässige Unternehmen in den jeweiligen Gewerbegebieten.
 Quelle: ThAFF

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