3. März 2020
Ratgeber

Das sollte jeder wissen!

Die wesentlichen Erste-Hilfe-Maßnahmen sollte jeder kennen, denn man kann jederzeit in die Situation kommen, helfen zu müssen. Und oft sind es nicht irgendwelche Fremden, sondern die eigenen Familienangehörigen, um die es geht. Foto: aebopleidingen / www.pixabay.com

Im Gespräch mit Dirk Bley Abteilungsleiter beim Deutschen Roten Kreuz Landesverband Thüringen e. V.

 

Warum sollte man überhaupt einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen?
Viele von uns waren schon einmal in einer Situation, in der Sie die Hilfe eines Mitmenschen benötigt haben.
Sei es zu Hause, in der Firma, in der Schule oder in der Freizeit.
Umso mehr sollte es auch für uns dann selbstverständlich sein, anderen in Notfallsituationen zu helfen.

Man ist gesetzlich verpflichtet, zu helfen –
und man kann dies erlernen

Zudem besteht für jeden von uns die Pflicht, im Notfall Hilfe zu leisten, wenn das erforderlich ist und wenn man sich oder andere dadurch nicht in Gefahr bringt.
Geregelt ist das in Deutschland in Paragraph 323c des Strafgesetzbuches, dem zufolge man mit Bestrafung rechnen muss, sollte man es unterlassen, anderen Menschen in Not, die gebotene Hilfe zu verweigern.
Der Besuch eines Rotkreuz-Kurses / Erste-Hilfe-Kurses erlaubt es den Teilnehmern, in gerade einmal 9 Unterrichtseinheiten das nötige theoretische Wissen und die zur praktischen Anwendung erforderlichen Fähigkeiten zu erwerben, um für eine Hilfeleistung gut vorbereitet zu sein.

Die meisten Unfälle passieren zu Hause,
es geht also um die eigene Familie

Übrigens passieren nirgendwo so viele Unfälle wie im Haushalt, also im familiären Umfeld.
Das alleine sollte doch Motivation genug sein, um sich die Zeit für einen Erste-Hilfe-Kurs zu nehmen.

 

Nichts zu tun, ist der größte Fehler,
und helfen können selbst schon Kinder

Viele Menschen haben Sorge, im Notfall etwas falsch zu machen und dafür vielleicht in Haftung genommen zu werden. Was sagen Sie dazu?
Viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen. Nichts zu tun, ist allerdings der größte Fehler.
Und helfen kann jeder.
Selbst Kinder sind dazu in der Lage, wenn sie es gelernt haben.
Deshalb ist es geboten, immer wieder auf die Notwendigkeit von Erste-Hilfe-Maßnahmen aufmerksam zu machen.
Das Rote Kreuz hat für jede Ausgangssituation den richtigen Kurs. Bei uns kann jeder helfen lernen.

 

Ein Kurs kostet 34 Euro –
Menschen helfen können ist unbezahlbar

Wo kann man einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren?
Und wie viel kostet so ein Kurs derzeit?

Beim DRK in der jeweiligen Thüringer Region findet garantiert jeder das passende Angebot.
Ein durch die Berufsgenossenschaft zertifizierter Rotkreuz-Kurs kostet derzeit 34 Euro.
Daneben gibt es auch Fresh-Up-Kurse und Erste-Hilfe-Schulungsangebote für verschiedene Zielgruppen.
Deren Preise variieren, sind jedoch für jeden erschwinglich.

 

Ein Auffrischungskurs wird alle zwei Jahre empfohlen

Mein Erste-Hilfe-Kurs liegt – offen gestanden – schon wieder Jahre zurück.
Warum sind Auffrischungskurse nicht Pflicht?

Die Erste-Hilfe-Kenntnisse sollten möglichst alle zwei Jahre aufgefrischt werden.
So empfielt es das DRK.
Bei vielen Autofahrern ist jedoch der Kurs so alt wie der Führerschein.
Eine Pflicht zur Auffrischung gibt es nur in gesondert geregelten Fällen wie z.B. bei Betrieblichen Ersthelfern, jedoch nicht für den Privatmann.

Jeder kann ständig in die Situation kommen,
helfen zu müssen

Daher appellieren das Rote Kreuz stetig an die Bürgerinnen und Bürger, insbesondere alle Verkehrsteilnehmer, ihre Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen und einen Kurs zu besuchen.
Niemand sollte außer Acht lassen, dass auch jeder zu jeder Zeit in Situationen kommen kann, in der er auf Hilfe anderer Menschen angewiesen ist.

 

Kinder sind nicht einfach nur kleine Erwachsene

Wo ist der Unterschied zwischen einem „normalen“ Erste-Hilfe-Kurs und einem Erste-Hilfe-Kurs für Kleinkinder?
Und wann sollte man so einen Kurs belegen?
Kinder sind nicht einfach nur kleine Erwachsene.
Aus diesem Grund werden in  Erste-Hilfe-Kursen für Kleinkinder die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Durchführung der richtigen Maßnahmen bei Kindernotfällen geschult.
Insbesondere wird die Versorgung bedrohlicher Blutungen bei Kindern, aber auch die lebensrettenden Sofortmaßnahmen, die bei Atemstörungen und Störungen des Herz-Kreislauf-Systems zu treffen sind, trainiert.

Eltern, Großeltern und alle, die mit Kindern zu tun haben, sollten spezielle Kurse belegen

Dieses Kurs-Format wendet sich grundsätzlich an Eltern, Großeltern und an alle, die regelmäßig mit Kindern zu tun haben, wobei beispielsweise Erzieher und Lehrer den durch die Gesetzliche Unfallversicherung vorgeschriebenen Kurs „Erste Hilfe in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen“ im Umfang von 16 Unterrichtseinheiten besuchen müssen.

 

Kursinhalte und Vermittlungsmethoden
werden regelmäßig überarbeitet

Haben sich die Erste-Hilfe-Maßnahmen im Laufe der Zeit weiterentwickelt?
Selbstverständlich fließen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die  Schulung von Ersthelfern ein.
Organisationen wie das European Resuscitation Council (ERC) und die Bundearbeitsgemeinschaft Erste Hilfe (BAGEH) tragen dafür Sorge, dass dies gewährleistet ist.
Das betrifft sowohl die Erste-Hilfe-Maßnahmen selbst als auch die Gestaltung der Kurse.

Die stabile Seitenlage wird heute anders umgesetzt
als vor 20 Jahren

Ich möchte das an einem einfachen Beispiel deutlich machen:
Hat jemand vor 20 Jahren einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert und wiederholt diese Ausbildung heute, so wird er feststellen müssen, dass es die stabile Seitenlage natürlich nach wie vor gibt, diese heute aber völlig anders umgesetzt wird als noch vor zwei Jahrzehnten.
Auch andere Maßnahmen sind von Änderungen betroffen, sodass eine regelmäßige Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse für uns alle ein absolutes Muss sein sollte.

 

Ab Klasse 7 werden Erste-Hilfe-Kurse angeboten

Erste-Hilfe-Maßnahmen können lebensentscheidend sein, und doch machen die meisten Menschen einen Erste-Hilfe-Kurs wahrscheinlich für den Führerschein.
Wären verpflichtende Kurse z.B. an der Schule nicht viel sinnvoller?
In Thüringen sind wir hier auf einem guten Weg.
Nachdem die Kultusministerkonferenz 2014 die Empfehlung gab, in Schulen ab der Klassenstufe 7 Schülerinnen und Schülern im Bereich der Ersten Hilfe zu schulen, hat das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Thüringer Hilfsorganisationen einen Ausbildungsleitfaden für einen Unterricht „Wiederbelebung an Thüringer Schulen“.

Thüringen war das erste Bundesland
mit so einem Konzept

Das Konzept startete bereits im September 2015.
Thüringen war damit das erste Bundesland mit einem solchen Konzept.
Auch wenn es sich um ein freiwilliges Angebot der Schulen handelt, konnten damit bis heute zahlreiche Schüler erreicht werden.

„Herzensretter“ an Thüringer Schulen

Ein weiteres Angebot ist  das Konzept „Herzensretter“,  mit dem die Hilfsorganisationen in Thüringen an Schulen herantreten, um die Schülerinnen und Schüler für das Thema „Erste Hilfe“ zu sensibilisieren.

Schulsanitätsdienste – das sind Schülerinnen und Schüler, die helfen

Weiterführend engagieren sich die Hilfsorganisationen im Freistaat mit dem Aufbau und der Betreuung von Schulsanitätsdiensten.
Schulsanitäterinnen und Schulsanitäter sind Schülerinnen und Schüler, die bei Notfällen in der Schule zur Stelle sind und die Erstversorgung übernehmen bis gegebenenfalls der Rettungsdienst eintrifft.
Sie können dabei von Juniorhelferinnen und Juniorhelfern unterstützt werden.
Bei Schul- und Sportfesten, Ausflügen und an jedem Schultag sind sie in Bereitschaft.

 

Man muss im Hier und Jetzt in der Lage sein, zu helfen

Für den Organspendeausweis will man jetzt mehr Werbung machen, zum Beispiel bei Behörden.
Wäre so etwas für die Erste Hilfe nicht mindestens genauso wichtig?
Die Bereitschaft, als Organspender zur Verfügung zu stehen und die Fähigkeit, im Hier und Jetzt in der Lage zu sein, Erste Hilfe leisten zu können,  sind unterschiedliche Sachverhalte.
Beides ist wichtig!
Wie ich bereits erwähnte, ist es dringend erforderlich, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass jede Bürgerin und jeder Bürger Erste Hilfe leisten kann, wenn er oder sie Erste-Hilfe-Kenntnisse in den überall dazu angebotenen Kursen erworben haben und dieses Wissen regelmäßig auffrischen.

 

Im EH-Kurs erlernte Fähigkeiten
können tatsächlich Leben retten

Wann haben Sie persönlich Ihren letzten Erste-Hilfe-Kurs belegt?
Und mussten Sie die Maßnahmen auch schon mal anwenden?
Im Mai vergangenen Jahres habe ich einen EH-Kurs belegt.
Die dabei und in vorangegangenen EH-Kursen erlernten Fähigkeiten zur Wiederbelebung musste ich vor vielen Jahren tatsächlich einmal anwenden.
Mit Erfolg!

Interview: Daniel Dreckmann

 

Mehr zum Thema Erste Hilfe erfahren Sie auch auf der Thüringen Ausstellung,
die noch bis zum 8. März auf dem Gelände der Erfurter Messe stattfindet.
Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.thueringen-ausstellung.de

Auch interessant