21. September 2018
Ratgeber

Den Kopf nicht hängen lassen – es gibt Hilfe

Thema Ausbildung

Fragen an Thomas Fahlbusch, Abteilungsleiter Aus- und Weiterbildung bei der IHK Erfurt

Wie viele Stellen sind derzeit im Kammerbezirk der IHK beziehungsweise in ganz Thüringen im Bereich der IHK noch unbesetzt?

Laut der letzten Meldung der Agentur für Arbeit gibt es in ganz Thüringen noch 4 070 unbesetzte Ausbildungsplätze für dieses Jahr. Dem stehen noch 1 494 unversorgte Bewerber gegenüber.
Unsere Lehrstellenbörse zeigt zwischenzeitlich allerdings einen deutlichen Rückgang an Angeboten für dieses Jahr. Derzeit sind hier nur noch 43 Plätze im Angebot. Das ist aber nicht ungewöhnlich. Denn bereits zum 1. August hat in vielen Unternehmen die Ausbildung begonnen. Damit geben viele auch ihre Suche für dieses Jahr auf und bieten bereits Ausbildungsstellen für 2019 an.
Wir gehen dennoch davon aus, dass noch viele hundert Ausbildungsplätze in unseren Unternehmen für dieses Jahr frei sind und besetzt werden könnten, wenn geeignete Bewerber und Unternehmen zusammenfinden.

Welche Branchen sind besonders betroffen?
Vergleicht man die Interessen der Bewerber und die angebotenen Stellen, kommt es zu überraschenden Ergebnissen. So suchen aktuell zum Beispiel noch 220 Jugendliche einen Ausbildungsplatz im Einzelhandel. Gleichzeitig melden die Unternehmen aber noch 324 freie Stellen.
Ähnlich sieht es beim Maschinen- und Anlagenführer aus. Hier stehen 49 Bewerber 122 freien Lehrstellen gegenüber.
Viele offene Lehrstellen gibt es aber auch noch im Lagerbereich (Fachkraft für Lagerlogistik), im Metallbereich (Zerspanungsmechaniker, Industriemechaniker) und in den Hotel- und Gaststättenberufen (Koch, Restaurantfachmann).

Es gibt – trotz der vielen unbesetzten Stellen – immer noch viele Jugendliche ohne einen Ausbildungsplatz. Was fehlt diesen Jugendlichen? Was sind die Hauptgründe für Ablehnungen?
An dem obigen Beispiel im Einzelhandel und beim Maschinen- und Anlagenführer sieht man, dass es häufig nicht am Angebot liegt. In unseren Gesprächen mit Bewerbern und Unternehmen stellen wir fest, dass die Wünsche der Bewerber mit den Anforderungen der Berufe oder der Unternehmen oft nicht zusammenpassen oder das es andere Gründe sind, die gegen einen Vertragsabschluss sprechen, wie z.B. der Weg zur Arbeitsstelle oder zur Berufsschule.
Die Übersicht der unversorgten Bewerber zeigt aber auch, dass sich viele Jugendliche für Berufe interessieren, in denen es nur ein sehr begrenztes Angebot an Ausbildungsplätzen gibt. Das ist beispielsweise der Fachinformatiker oder der Kfz-Mechatroniker.

Was können Jugendliche jetzt noch tun?
Sie sollten den Kopf nicht hängen lassen, sondern nach Unterstützung suchen.
Die IHK bietet hier Hilfe an, ebenso wie die Agentur für Arbeit. Wir haben in vielen Branchen noch freie Lehrstellen und unsere gemeinsame Aufgabe ist es, Schwächen und Stärken zu analysieren, um herauszufinden, welcher Beruf am besten geeignet ist.
Das muss auch nicht immer der erste Wunschberuf sein, denn oft stellen wir im Gespräch fest, dass andere Berufe besser oder genauso gut passen und der Bewerber nur nicht an diesen Beruf gedacht hat.

Und wenn das alles nichts hilft, haben Sie dann noch einen Tipp, wie zum Beispiel Praktika oder ausbildungsvorbereitende Schulungen zur Minimierung von Defiziten?
Ja natürlich, man kann auch auf eine Chance im kommenden Jahr hoffen und versuchen, diese Zeit mit Praktika zu überbrücken. Häufig ergibt sich aus einem Praktikum auch ein Ausbildungsvertrag.
Sofern es schulische Defizite gibt, kann auch eine über die Agentur für Arbeit vermittelte Einstiegsqualifikation helfen, Erfahrungen zu sammeln und sich für die Arbeitswelt fit zu machen.
Das erste Ziel sollte aber sein, keine solche Wartefrist entstehen zu lassen und zunächst zu überprüfen, ob nicht doch auch ein anderer Beruf als der Wunschberuf in Frage käme.

Wenn Sie den Jugendlichen, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, oder ihren Eltern etwas sagen könnten, was wäre das?
Rufen Sie die für Sie zuständige IHK an und schildern Sie Ihre Probleme bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Wir unterstützen Sie gern!
IHK Erfurt
Tel.: 0361/ 34 84 278
www.erfurt.ihk.de/ausbildung

Interview: Daniel Dreckmann
Dieses Interview war Teil der Sonderveröffentlichung „Azubi – Durchstarten mit Erfolg“, die am 14. September den Tageszeitungen Thüringer Allgemeine, Ostthüringer Zeitung und Thüringische Landeszeitung beilag.
Für alle, die noch weitere Tipps und Ideen zum Thema Ausbildung suchen, erscheint am 17. Oktober 2018 das neue „Startklar“-Magazin, das allen Ausgaben des Allgemeinen Anzeigers beiliegen wird!

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