Deutsche für besseren Schutz von Wildtieren - meinanzeiger.de
4. Juni 2020
Ratgeber

Deutsche für besseren Schutz von Wildtieren

Bartagamen zählen zu den beliebtesten Exoten in deutschen Haushalten. Foto Deutscher Tierschutzbund e.V.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen will strengere Regeln für Wildtierhandel

94 Prozent der Deutschen unterstützen eine strengere Regulierung des Handels mit exotischen Haustieren.
Das schreibt der Deutsche Tierschutzbund e.V. in einer Pressemitteilung.

Dabei sehen 90 Prozent die EU in der Verantwortung.
Außerdem sind 86 Prozent der Meinung, dass exotische Tiere überhaupt nicht als Haustiere gehalten werden sollten.

 

Deutscher Tierschutzbund kritisiert EU-Kommission

Das ergab jetzt eine vom Savanta ComRes Institut durchgeführte Umfrage
im Auftrag der Tierschutzorganisationen Eurogroup for Animals
und AAP Animal Advocacy and Protection.

Deshalb kritisieren der Deutsche Tierschutzbund und Pro Wildlife, dass die gerade von der EU-Kommission veröffentlichte Biodiversitäts-Strategie diese Forderung nicht widerspiegelt.
Er enthalte keine klaren Handlungsaufträge, um dem boomenden Handel mit Wildtieren zu begegnen.

 

Ansprüche von Wildtieren lassen sich in Privathaushalten oft gar nicht erfüllen

Millionen Wildtiere werden derzeit in europäischen Privathaushalten als exotische Heimtiere gehalten.

Das ist ein Trend, der sowohl für das Wohlergehen der Tiere, als auch für EU-Bürger Risiken birgt.
Die meisten exotischen Tiere haben hohe Ansprüche an ihre Haltung, die sich im Privathaushalt kaum erfüllen lassen.

 

Potenzielle Krankheitsüberträger
und Gefahren für die heimische Tier- und Pflanzenwelt

Zudem können sie Träger von Krankheiten sein, darunter auch Zoonosen, die dem Menschen gefährlich werden können.

Entkommen die Tiere oder werden sie ausgesetzt, stellen sie oftmals auch eine Bedrohung für die heimische Tier- und Pflanzenwelt dar.

 

75 Prozent der beim Menschen auftretenden Infektionskrankheiten
haben tierischen Ursprung

Die Risiken, die mit dem internationalen Wildtierhandel verbunden sind, werden auch durch die Verbreitung des SARS-CoV-2 Virus deutlich, das seinen Ursprung wahrscheinlich in Wildtieren hat.

Nach Angaben der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) haben 75 Prozent der beim Menschen neu auftretenden Infektionskrankheiten einen tierischen Ursprung.

Dennoch ist es in der EU legal, tausende verschiedene Wildtierarten aus freier Natur einzuführen, mit ihnen zu handeln und sie privat zu erwerben.

 

Viele Wildtiere enden in Auffangstationen und Tierheimen

Die Tierschützer kritisieren, dass keinerlei Vorkehrungen getroffen wurden, den Handel mit Wildtieren strenger zu regulieren.
Und dass trotz jahrelanger politischer Diskussionen und wissenschaftlicher Studien nicht nur in der EU, sondern auch in Deutschland:

„Die Leidtragenden sind die Tiere, aber ebenso die Auffangstationen und Tierheime, in denen unüberlegt angeschaffte Wildtiere am Ende landen“, sagt Patrick Boncourt, Fachreferent für exotische Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund.
„Die Bundesregierung bleibt untätig. Sie setzt noch nicht einmal die Empfehlungen um, welche die von ihr in Auftrag gegebene EXOPET-Studie zu Handel und Haltung exotischer Tiere vorgibt.“

 

Der Handel mit Wildtieren ist kaum reguliert

„Hinzu kommt der massive Raubbau an der Natur:
Viele der hunderttausend Wildtiere, die jährlich legal in Deutschland gehandelt werden, stammen aus der Wildnis“, erklärt Katharina Lameter von Pro Wildlife.
„Obwohl Deutschland einer der wichtigsten Absatzmärkte für exotische Heimtiere in der EU ist, ist der Handel mit Wildtieren kaum reguliert.“

 

93 Prozent der Bundesbürger gegen den Fang von Wildtieren in der freien Natur

Eine andere aktuelle Studie belegt dringenden Handlungsbedarf.
Sie wurde von Pro Wildlife im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamts für Naturschutz durchgeführt und untersuchte Ausmaß und Folgen des Handels mit exotischen Tieren.

Fast alle Befragten (93 Prozent) halten es für falsch, Wildtiere in der freien Natur einzufangen, um sie als Haustiere zu halten.
Zu diesem Ergebnis kommt d
ie Umfrage des Savanta ComRes Instituts unter den deutschen Bürgern.

 

Positivlisten wären eine wertvolle Hilfe

Der Deutsche Tierschutzbund und Pro Wildlife fordern daher gemeinsam mit der Eurogroup for Animals und AAP die Einführung einer EU-weiten Positivliste.
Diese soll festlegen, welche Tiere sich aus Tier-, Natur- und Artenschutzsicht, aber auch aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Gesundheit überhaupt als Haustiere eignen.

Damit hätte man ein präventives Instrument, um Schäden für Tier, Natur und Mensch abzuwenden.

In Belgien und Luxemburg gibt es bereits solche Positivlisten.
In den Niederlanden wird derzeit eine Positivliste entwickelt.

 

 

Einige Hintergründe zu diesem Bericht

Bei der vom Savanta ComRes Institut durchgeführten Umfrage
im Auftrag der Eurogroup for Animals und AAP Animal Advocacy and Protection
handelt es sich um eine quantitative Online-Umfrage, in welcher die Teilnehmer zu ihrer Auffassung zum Handel und der Haltung exotischer Haustiere befragt wurden.

Die Studie trägt den Titel: „Perceptions of Exotic Animals Research for Eurogroup for Animals, European report, February 2020“

Befragt wurden 6.137 Erwachsene in sechs europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Polen und Finnland) im Zeitraum vom 11. bis 17. Februar 2020.
Die Ergebnisse zeigen kaum Schwankungen in der Einstellung der Bevölkerung zwischen den Ländern.

Die Daten gelten als repräsentativ für Erwachsene nach Alter, Geschlecht und Region in jedem der sechs Länder.

Die Umfrage finden Sie hier:
https://www.eurogroupforanimals.org/sites/eurogroup/files/2020-05/ComRes_Exotic%20Pets_EurogroupforAnimals2020.pdf

 

Die Studie von Pro Wildlife im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamts für Naturschutz finden Sie hier: https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript_545.pdf

 

Besuchen Sie auch die Website des Deutschen Tierschutzbundes e.V.:
http://www.tierschutzbund.de

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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