Es geht nichts über einen echten Weihnachtsbaum - meinanzeiger.de
3. Dezember 2020
Ratgeber

Es geht nichts über einen echten Weihnachtsbaum

Was wäre Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? Sehr traurig und langweilig. Deshalb werden in deutschen Haushalten jedes Jahr etwa 20 Millionen Weihnachtsbäume aufgestellt und geschmückt. Foto: DarkmoonArt_de / www.pixabay.com

Saskia Blümel, Vorsitzende des Verbandes natürlicher Weihnachtsbaum, über Nordmanntannen, Pflegetipps und den richtigen Zeitpunkt

 

20 Millionen Weihnachtsbäume in deutschen Haushalten

Gibt es Schätzungen, wie viele Weihnachtsbäume in Deutschland aufgestellt werden?
Man geht davon aus, dass jedes Jahr etwa 20 Millionen Weihnachtsbäume  in deutschen Privathaushalten aufgestellt werden – dazu kommen dann noch einmal etwa 5 Millionen Weihnachtsbäume in Firmen, Unternehmen und im öffentlichen Bereich.

Die Nordmanntanne ist absolut dominant

Was sind die beliebtesten Baumarten, und gibt es da Trends?
Tatsächlich ist die Verteilung inzwischen ziemlich eindeutig:
75, eher noch 80 Prozent aller Weihnachtsbäume sind Nordmanntannen.
Die Blautanne macht etwa 15 Prozent aus.
Und die restlichen zirka  fünf Prozent entfallen auf alle anderen Tannenbaumarten.
Seit etwa 20 Jahren schon steht die Nordmanntanne bei den Deutschen so hoch im Kurs und hat die Fichte als Weihnachtsbaum fast völlig verdrängt.

Die meisten Bäume kommen aus heimischer Produktion

Wo kommen die Bäume her?
Dazu haben wir leider keine ganz genauen Zahlen, aber wir gehen davon aus, dass etwa 90 Prozent aller Weihnachtsbäume in Deutschland aus deutscher Produktion stammen.
Etwa zehn Prozent wären dann Importware, vor allem aus Dänemark.
Hauptanbaugebiete in Deutschland sind das Sauerland in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Nordmanntannen sind mit ihren Pfahlwurzeln klar im Vorteil

Macht die zunehmende Trockenheit den Weihnachtsbaumproduzenten zu schaffen?
Diese Frage lässt sich am besten mit einem „Jein“ beantworten.
Die Nordmanntanne verfügt über eine Pfahlwurzel, die ungefähr so tief ins Erdreich ragt, wie der Baum hoch ist.
Ältere Bäume können dadurch mühelos Wasser aus tieferen Erdschichten ziehen.
Jungbäume und besonders solche, die gerade erst angepflanzt wurden, haben da wesentlich größere Probleme.
Aber das ist regional sehr unterschiedlich.
Ich kann Sie aber beruhigen:
Dieses Jahr ist die Ernte absolut kein Problem.

Nordmanntanne stammt aus dem Kaukasus

Wird bereits darüber nachgedacht,  andere, an das sich verändernde Klima besser angepasste Baumarten zu pflanzen?
Tatsächlich im Augenblick eher nicht.
Die Nordmanntanne stammt aus dem Kaukasus und ist trockene, heiße Sommer gewohnt.
Und mit ihrer Pfahlwurzel  wird sie noch viele Jahre bei uns wachsen können, bevor wir über Alternativen nachdenken müssen…

Ein Weihnachtsbaum ist im Schnitt 12 Jahre alt

Wie groß – und damit wie alt – ist ein Weihnachtsbaum im Handel im Schnitt?
Eine zwei Meter hohe Nordmanntanne ist in der Regel etwa 12 Jahre alt.
Die Samen der Nordmanntanne werden zunächst zwei bis drei Jahre in einer Baumschule großgezogen, bevor sie als als Setzlinge auf einer Plantage verschult werden.
Hier wachsen sie dann etwa zehn Jahre, bis sie groß genug sind.
Die Deutschen wollen am liebsten Weihnachtsbäume, die eine Höhe von 1,50 bis zwei Metern haben, wobei die Tendenz im Augenblick eher zu den kleineren Bäumen geht.
Möglicherweise hat das mit der zunehmenden Zahl von Single-Haushalten und kleineren Wohnungen zu tun.

Künstliche Plastikbäume sind keine Alternative

Wie groß ist die Konkurrenz durch Plastikbäume?
Es stimmt, dass einige Menschen aus einem falsch verstandenen Umweltbewusstsein heraus auf Plastikbäume setzen. Aber Untersuchungen haben ergeben, dass man die meisten Plastikbäume 20 Jahre lang nutzen müsste um eine ähnlich klimaneutrale Bilanz zu erzielen wie bei einem Holzbaum. –
Und dann kann man Plastikbäume nicht recyceln.
Sie sind am Ende Müll und müssen entsorgt werden, während man Holzbäume weiter verwerten kann.

Holz ist ein natürlicher Rohstoff – und eine sinnliche Erfahrung

Warum ist ein „echter“ Holzbaum die bessere Alternative?
Holzweihnachtsbäume stammen oft aus der Region.
Mit ihrem Kauf unterstützt man die deutsche Wirtschaft, in der Regel sogar Familienunternehmen.
Jeder Weihnachtsbaum nimmt, bis seine Standzeit endet, CO2 aus der Luft auf und gibt Sauerstoff ab.
Das kann ein Plastikbaum nicht.
Dann ist da dieser ganz besondere Tannenduft, den viele Menschen mit der Weihnachtszeit verbinden.
Da kann ein Plastikbaum auch nicht mithalten.
Und immer mehr Familien gehen auch direkt in die Plantage, um sich selbst einen Weihnachtsbaum auszusuchen und zu schlagen.
Das sind sehr schöne, persönliche und einzigartige Erlebnisse, die mit dem Kauf eines Plastikbaums nicht vergleichbar sind.
Ja, die Bäume werden für das Weihnachtsfest angebaut.
Natürlich werden sie gefällt, aber im nächsten  Frühjahr werden in gleicher Menge neue Bäume gepflanzt.
Und man darf auch nicht vergessen:
Bis die Bäume geerntet werden, ist eine Weihnachtsbaumkultur über Jahre hinweg immer auch ein sicheres Rückzugsgebiet für Vögel und Tiere aller Art.

Den Weihnachtsbaumhändlern vor Ort vertrauen

Wo kaufe ich meinen Weihnachtsbaum am besten?
Und gibt es Siegel auf die ich achten sollte?
Siegel, auf die man achten sollte,  gibt es weniger.
Man sollte möglichst darauf achten, dass der Baum aus der Region kommt,  ihn am besten selbst schlagen, dann weiß man ganz genau, was man hat.
Oft gibt es Händler an der Straße, die jedes Jahr dort stehen.
Das ist meistens  ein gutes Zeichen.
Aber auch Baumärkte und Supermärkte setzen häufig auf Regionalität, wenn es um den Weihnachtsbaumverkauf geht.

Stellen Sie Ihren Baum auf, wenn Ihnen danach ist

Wann stelle ich meinen Weihnachtsbaum am besten auf?
Da gibt es keine Regeln.
Sie können Ihren Weihnachtsbaum auch guten Gewissens zum Beginn  der Adventszeit aufstellen.
Nordmanntannen nadeln wenig.Und wenn Sie ein paar Regeln beachten, dann halten die Bäume sehr lange durch:
Wichtig ist, regelmäßig zu gießen.
Stellen Sie den Baum nicht in die Nähe der Heizung.
Und lassen Sie den Baum, wenn Sie ihn aufgestellt haben, eine Nacht stehen, bevor Sie mit dem Schmücken beginnen, damit sich die Äste setzen können.

Stress, damit andere ein schönes Weihnachtsfest haben

Und wann holen Sie persönlich  sich Ihren Baum?
Wir Weihnachtsbaumproduzenten und -verkäufer haben leider nicht die romantische Vorweihnachtszeit, wie viele andere Menschen.
Für uns ist die Adventszeit der absolute Stress pur.Aber am 24. Dezember, wenn die letzten Kunden gegangen sind, dann gehe  ich noch einmal alleine los und schaue, ob sich auf unserer Plantage noch ein allerletzter halbwegs schöner Weihnachtsbaum finden lässt.
Und der darf dann gerne bis zum 7. Januar bei uns zu Hause in der Stube stehen…

Interview: Daniel Dreckmann
Weitere Tipps unter: natuerlicher-weihnachtsbaum.com

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