23. November 2018
Ratgeber

Es gibt sinnvolle Alternativen

Friedhöfe begegnen den modernen Herausforderungen mit immer mehr Flexibilität

Wir sprachen mit Rosmarie Zeitz, der Vorsitzenden der Regionalgruppe Thüringen des Verbandes der Friedhofsverwalter Deutschlands e.V., über generationenübergreifende Pflichten, Gärtnermangel, neue Wege auf Thüringer Friedhöfen und wie die Thüringer zunehmend am liebsten bestattet werden.

Wie viele Friedhöfe gibt es derzeit in Thüringen?
Dazu gibt es leider keine Statistik. Wir wissen aber aus unserer täglichen Arbeit, dass jeder kleine Ort so lange als irgendmöglich versucht, den Friedhof im Ort weiter zu nutzen. Das ist für die Menschen, die dort leben, immer sehr wichtig.

Wie begegnen Sie den Herausforderungen des demografischen Wandels?
Ich denke, dass wir es vor allem mit einem gesellschaftlichen Wandel zu tun haben.
Die jungen Menschen müssen wegen ihrer Arbeit alle mobil sein und ziehen fort. Der einstige generationenübergreifende Auftrag, dass die Hinterbliebenen die Grabstätten der Verstorbenen pflegen, kann so nicht mehr erfüllt werden.
Im ländlichen Raum haben wir zunehmend noch ein weiteres gravierendes Problem: Es fehlen schlicht die Friedhofsgärtner, die sich um die Gräber kümmern können. Es werden zu wenige ausgebildet und es fehlen die Interessenten. In Erfurt gibt es noch recht viele Friedhofsgärtner, aber wir haben zunehmend Schwierigkeiten, „gärtnergepflegte Grabfelder“ anzubieten, weil schlicht die Dienstleister fehlen.
Und dann erst spielt der demografische Wandel ein Rolle und die Tatsache, dass viele Menschen heute anders bestattet werden wollen.

Und wie reagieren Sie darauf?
Das hängt von der Größe der Friedhöfe ab. Wenn ein kleiner Dorffriedhof nicht mehr genutzt wird, lässt man dort wahrscheinlich eher eine Wiese wachsen, die nur noch gemäht werden muss.
Größere Friedhöfe dagegen, versuchen Alternativen zu entwickeln. Da werden dann zum Beispiel Bäume gepflanzt, Flächen regelrecht aufgeforstet, um ein Gegenangebot zu den Bestattungswäldern – mit besseren Wegen und einer überzeugenderen Infrastruktur – anbieten zu können.
Das wichtigste Ziel muss für uns sein, unser Klientel auf dem Friedhof zu halten. Wir müssen Einnahmen generieren, um den Friedhof betreiben zu können.

Die Wünsche und Erwartungen an eine Grabstätte wandeln sich angeblich. Aber wie sehr spüren Sie das im Alltagsgeschäft und gibt es tatsächlich erkennbare Trends?
Immer mehr Menschen wollen ihren Angehörigen nicht zu Last fallen, zumal diese – wie eingangs erwähnt – sehr oft gar nicht mehr in der Region leben. Die Gräber sollen deshalb möglichst pflegeleicht sein.
Partnergräber, abgegrenzte Grabfelder mit einem Grabstein, auf dem mehrere Namen stehen, Baumbestattungen mit Sammel-Namenstafeln oder Grabfelder mit Bodendeckerflächen, die wesentlich hochwertiger aussehen als einfache grüne Wiese, sind einige der derzeit beliebtesten Alternativen zur herkömmlichen Grabstätte.
Und vor allem sind es sinnvolle Alternativen zu vielen anderen, neuen Bestattungsideen wie dem Pressen der Asche zu Diamanten oder dem sogenannten Tree of Life.

Wenn man sich weiter zum Friedhof vor Ort informieren möchte, wo kann man sich hinwenden?
Es ist in der Tat nie eine schlechte Idee, sich an die zuständige Friedhofsverwaltung zu wenden. Denn die Mitarbeiter dort kennen sich am besten aus mit der Gesetzgebung und dem Bestattergesetz. Am besten informiert man sich natürlich vorher, bevor ein Todesfall eingetreten ist. Dann kann man in Ruhe gemeinsam ausloten, was sich in der Balance zwischen den Wünschen der Hinterbliebenen und der Satzung umsetzen lässt. Der finanzielle Aspekt sollte auch nicht außer Acht gelassen werden.
Für all das braucht man Zeit und etwas Ruhe. Deshalb empfehle ich immer, einen Termin mit der Friedhofsverwaltung vor Ort zu vereinbaren. Das ist das Vernünftigste.

Gespräch: Daniel Dreckmann

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