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15. Januar 2021
Ratgeber

Gut für die Psyche

Jetzt in der Winterzeit sind viele Vögel auf zusätzliche Futterangebote angewiesen. Doch leider gilt das inzwischen nicht mehr nur für den Winter. Vogelfutter, wie es im Handel erhältlich ist, bietet einer ganzen Reihe von Vogelarten - hier ist es eine Blaumeise - eine bunte Vielfalt an wichtigen Nährstoffen an. Die Qualität ist in der Regel sehr gut und man kann bedenkenlos nutzen. Foto: Bernd Stahlschmidt / www.nabu.de

Bei Eis und Schnee sollte man Vögel füttern – und sonst eigentlich auch

Die Winter werden bei uns immer milder.
Macht es da überhaupt noch Sinn, Vögel zu füttern?

Klaus Lieder, der Vorsitzende des Landesfachausschusses Ornithologie beim Naturschutzbund (NABU) Thüringen, muss bei dieser Frage nicht lange überlegen.

„Natürlich macht eine Vogelfütterung im Winter Sinn.
Die Ernährungslage für die Tiere ist in dieser Zeit sehr schlecht“, sagt er.
„Früher konnten sie sich noch von Wildkräutern am Wegesrand ernähren.
Die Bauern beackerten die Felder erst im Frühjahr, sodass die Vögel dort noch ein paar Getreidekörner fanden.
Und auch die Gärten waren wilder, hatten mehr Unkräuter, die den Wildtieren als Nahrung dienten – ganz zu schweigen von den zahlreichen brachliegenden Flächen.
Heute ist alles viel steriler und es werden viel zu viele Unkrautvernichtungsmittel verspritzt.“

 

Man hilft bis zu 40 Vogelarten

Auf die Frage, welchen Vogelarten man denn mit einer Fütterung im Winter helfe, erläutert der Ornithologe, dass dies im Winter natürlich nicht so viele seien.
Er geht von 30 bis 40 Arten aus, darunter Meisen, Sperlinge, Finken, Buntspechte und Eichelhäher.

„Amseln und Rotkehlchen findet man dabei eher unter dem Vogelhaus auf dem Boden.
Die picken auf, was die anderen fallen lassen“, erzählt Klaus Lieder.

Raubvögel wie den Mäusebussard könne man mit Körnern natürlich nicht viel helfen.
Aber es komme schon mal vor, dass sich ein Sperber einen Sperling fange.
„Das ist nichts Schlimmes.
Beutegreifer gehören einfach zur Natur in Deutschland dazu“, erklärt der Vogelkundler.

 

Futter aus dem Handel ist in der Regel gut

Und was verfüttert man nun am besten?
„Viele Geschäfte bieten inzwischen Streufutter für Wildvögel an, dass sehr gut und ausgewogen ist mit verschidenen Samen, Getreide, Haferflocken, kleingehackten Nüssen – einem breiten Spektrum.
Selbstverständlich kann man sich auch eigenständig zu Hause ein Vogelfutter aus verschiedenen Zutaten mischen.
Aber das ist aufwendig und kann schnell einseitig werden.“

 

Jetzt in der Winterzeit sind viele Vögel auf zusätzliche Futterangebote angewiesen. Doch leider gilt das inzwischen nicht mehr nur für den Winter.
Vogelfutter, wie es im Handel erhältlich ist, bietet einer ganzen Reihe von Vogelarten – hier ist es eine Blaumeise – eine bunte Vielfalt an wichtigen Nährstoffen an. Die Qualität ist in der Regel sehr gut und man kann es bedenkenlos nutzen. Foto: Julian Heiermann / www.nabu.de

 

Futterhäuschen richtig positionieren

Ideal ist es, wenn das Futter in einem hochstehenden Futterhäuschen auf einem Pfahl, an einer Wäscheleine oder einem starken Ast ausgebracht wird.
So haben es Katzen schwer, überraschend einen Vogel aus dem Hinterhalt zu erbeuten.

Aber es gibt auch noch ganz andere „Interessenten“.
„Wir hatten mal einen Waschbären im Garten, der kletterte jede Nacht den Pfahl hoch und hangelte sich die Wäschestange entlang bis zum Vogelhäuschen“, erzählt Klaus Lieder aus eigener Erfahrung.
„Zuerst habe ich versucht ihn zu vertreiben – ohne Erfolg.
Dann habe ich abends das Vogelhäuschen mit ins Haus genommen und es morgens wieder rausgehängt.
Am Vernünftigsten ist es natürlich, wenn man darauf achtet, nur so viel zu füttern, dass das Vogelhäuschen abends leer ist.“

 

Meisenkknödel besser ohne Netze

Auch Meisenknödel mit Rinderteig und Mehlwürmern, wie man sie in jeder Tierhandlung bekommt, sind eine wichtige Hilfe für Vögel im Winter.
„Aber man sollte besser auf die Netze verzichten.
Die Vögel können sich darin leicht mit ihren Krallen verhaken“, gibt der Vogelkundler zu bedenken.
„Besser sind feste Gehäuse, in denen auch zwei bis drei Meisenknödel Platz haben.
Das ist ja in der Regel nur eine einmalige Anschaffung.“

Auch alte Äpfel sind bei vielen Vögeln sehr beliebt und werden in der Regel schnell vertilgt.

 

Meisenbällchen sollte man nicht in den handelsüblichen Netzen sondern in festen Halterungen wie dieser hier anbieten, weil sich die Vögel mit ihren Krallen in den Netzen verhaken können. Foto: Norbert Riedel / www.nabu.de

 

Regelmäßig füttern

„Wichtig ist, dass man regelmäßig füttert, und man sollte im Idealfall schon im Oktober damit beginnen, damit sich die Vögel daran gewöhnen“, sagt Klaus Lieder.
„Die Wintertage sind mit 7 bis 8 Stunden Tageslicht für die Tiere sehr kurz.
Da bleibt nur wenig Zeit, die nötige Energie für die lange Nacht aufzunehmen.“

Wenn es ausreichend Platz gibt, dann sollte man den Vögeln auch Wasser zum Trinken und Baden anbieten.
Ein Blumenuntersetzer reicht dafür in der Regel fast schon aus.
Wichtig ist jedoch, dass sowohl kleine Tränken als auch die Futterhäuschen regelmäßig ausgespült beziehungsweise gereinigt werden, damit sich dort kein Dreck ansammelt, der auf lange Sicht eine Quelle für Krankheitskeime werden kann.

Nistkästen im Garten werden von einigen Vögeln im Winter gern genutzt, um darin zu schlafen.
Doch die Errichtung von Schutzquartieren oder Unterständen für Vögel im Winter hält Klaus Lieder nicht für nötig.

 

Auch in der Stadt ist Füttern sinnvoll

Und wenn man in der Stadt und nur einen kleinen Balkon hat, kann man dann auch Vögel füttern, oder macht das keinen Sinn?

„Vögel zu füttern macht immer Sinn“, sagt Klaus Lieder lächelnd.
„Je weiter man vom Stadtrand weg im Zentrum wohnt, desto geringer ist zwar die Artenvielfalt, aber um so dringender sind die Vögel auf zusätzliche Nahrungsquellen angewiesen.“

 

Nahrungsknappheit ist für Vögel absolut dramatisch

Viele Arten wie etwa der Feldsperling sind stark zurückgegangen.
Um so wichtiger sei es, dass man den Tieren über den Winter hilft.

Doch es geht inzwischen schon gar nicht mehr um eine nur vorübergehende Unterstützung in der kalten Jahreszeit.
„Die Nahrungsknappheit ist für Vögel hierzulande inzwischen so drastisch, dass man eigentlich das ganze Jahr über füttern sollte“, stellt der Ornithologe traurig fest.

Vogelfüttern macht Freude und ist gut für die Psyche

Dann lächelt er wieder und meint zum Abschluss:
„Und das Füttern macht ja auch Freude.
Vögel zu beobachten, entspannt ungemein.
Und es ist gut für die Psyche.“

Weitere Tipps und Informationen finden Sie unter:
thueringen.nabu.de

Daniel Dreckmann

 

Hätten Sie gewusst, was welcher Vogel im Winter am liebsten isst? Dieses Schaubild des NABU zeigt es Ihnen anhand einiger Beispiele. Foto: www.nabu.de

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