Weltweiter Tag der Mundgesundheit am 20. März - meinanzeiger.de
19. März 2020
Ratgeber

Weltweiter Tag der Mundgesundheit am 20. März

Kauen statt Bürsten? Das ist die Frage. - Die Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) entlarvt sieben gängige Mythen rund um die Zahnpflege. Foto: Kzenon - Fotolia.com / Informationsstelle für Kariesprophylaxe

Kauen statt Bürsten?
Die Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) entlarvt sechs gängige Mythen rund um die Zahnpflege

Gesunde Zähne leisten einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden.

Rund um die Zahnpflege halten sich jedoch manche Mythen so hartnäckig wie die bakterielle Plaque an den Zähnen.

Den Tag der Mundgesundheit am 20. März nimmt die Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) gemeinsam mit ihrem Sprecher Professor Stefan Zimmer zum Anlass, einige Mythen genauer unter die Lupe zu nehmen.

So sind Patienten für den nächsten Zahnarztbesuch bestens gewappnet.

 

 

1. Mythos:
Jeder sollte zwei Minuten lang die Zähne putzen!

„Diese pauschale Empfehlung ist nicht haltbar, denn die individuelle Situation im Mund ist bei jedem anders“, erklärt Professor Zimmer, der einen Lehrstuhl für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke innehat.

Es kann sein, dass manche Menschen nur zwei Minuten für das Zähneputzen benötigen.
Andere können aber hingegen fünf Minuten brauchen.

Wichtig ist, dass die bakterielle Plaque
vollständig entfernt wird

Wichtig ist, dass die bakterielle Plaque entfernt wird – und zwar nicht nur an der Innen- und Außenseite sowie auf den Kauflächen.

Nicht die Zahnzwischenräume vergessen

„Bei der Zahnpflege werden gerne die Zahnzwischenräume vergessen.
Hier können sich Speisereste anlagern und Approximalkaries begünstigen, also Karies an den Berührungsflächen beieinanderstehender Zähne“, so Professor Zimmer.

Dem kann man aber mit Zahnseide und Zahnzwischenraumbürstchen, sogenannten Interdentalbürsten, entgegenwirken.

 

 

2. Mythos:
Die Art der Zahnbürste ist nicht für den Putzerfolg entscheidend!

Egal ob ein planes also ebenes  Borstenfeld oder eine Bürste mit vielen Extra-Borsten – die Zähne werden sauber, denken viele Menschen.

Doch weit gefehlt.

Wechselweise angeordnete kürzere und längere oder angewinkelte Borsten sind besser

„Studien zeigen uns, dass Bürstenköpfe mit wechselweise angeordneten kürzeren und längeren oder angewinkelten Borsten besser in Zahnzwischenräume und an den Zahnfleischrand gelangen.

Gerade diese Stellen sind für Karies und Zahnfleischentzündungen oder sogar eine Parodontitis besonders gefährdet“, erklärt Professor Zimmer.

Die elektrische Zahnbürste putzt nicht von alleine

Auch wenn eine elektrische oder eine Handzahnbürste viele technische Extras aufweist, putzt sie noch lange nicht von alleine.

Sie bietet aber bestmögliche Unterstützung.

 

3. Mythos:
Zahnpflege-Kaugummis können die Zahnbürste ersetzen!

„Nach dem Essen einen Kaugummi“, empfiehlt die Werbung und suggeriert damit, dass das Zähneputzen erspart bleibt.

Säuren werden neutralisiert – Plaque aber nicht

Doch Professor Zimmer warnt vor diesem Mythos:
„Das Kauen eines zuckerfreien Kaugummis regt den Speichelfluss an und neutralisiert damit Säuren im Mundraum, die für Karies verantwortlich sind.

Aber Kaugummis entfernen kaum Plaque, in denen sich unter anderem die kariesverursachenden Bakterien tummeln.“

Ergänzung ja, Ersatz nein

Deshalb kann der zuckerfreie Kaugummi die Zahnbürste nicht ersetzen.

„Wenn jedoch das Zähneputzen gerade nicht möglich ist, z. B. nach Zwischenmahlzeiten, kann zuckerfreier Kaugummi, wenn er regelmäßig verwendet wird, einen sinnvollen Beitrag zur Zahngesundheit leisten“, argumentiert der zahnmedizinische Experte.

 

 

4. Mythos:
Karies ist ansteckend!

Richtig ist, dass ein Mensch keimfrei zur Welt kommt und dass auch seine Mundhöhle erst danach von Bakterien besiedelt wird.

Streptokokkus mutans heißt der Feind

Einer dieser Keime ist Streptokokkus mutans, der nachweislich Karies verursachen kann und als Kariesleitkeim angesehen wird.

Deshalb sind manche Zahnmediziner der Meinung, man müsse die Besiedelung mit Streptokokkus mutans vermeiden und könne so Karies verhindern.

Strategien und Einwände

Teil dieser Strategie ist, dass man seine Kinder nicht küssen und ihren Löffel sowie den herunter gefallenen Schnuller nicht ablecken soll, um so die Keimübertragung von den Eltern auf das Kind zu verhindern.

In der Mundhöhle leben bis zu
1.000 verschiedene Bakterienarten

Diese Strategie greift aber viel zu kurz, denn in der Mundhöhle leben bis zu 1.000 verschiedene Bakterienarten, deren Bedeutung wir größtenteils nicht kennen, von denen die meisten aber sicher nützlich für uns sind.

Im Laufe der Evolution etabliert

Sie gehören nämlich zur normalen Mundflora und haben sich dort im Laufe einer langen Evolution etabliert.

Die Empfehlungen, die Karies als Infektionskrankheit betrachten, greifen in die Etablierung dieser normalen Mundflora ein, ohne die Konsequenzen abschätzen zu können.

Denn es wird ja damit nicht nur die Etablierung der „bösen“ Keime, sondern auch aller anderen beeinflusst.

Nicht der einzige Kariesauslöser

Im Übrigen ist Streptokokkus mutans keineswegs der einzige Keim, der Karies verursachen kann. Und er erfüllt auch nicht die Bedingungen des Koch’schen Postulats, die für die Definition einer Infektionskrankheit erforderlich sind.

Mutans-Streptokokken haben keine hohe Pathogenität und ihre Anwesenheit ist mit Gesundheit und Kariesfreiheit sehr gut vereinbar.

Das Problem ist die Ernährung

Durch unsere zuckerreiche Ernährung schaffen wir ideale Bedingungen für die Bakterien, die Karies verursachen können.

Dadurch nimmt ihr Anteil an der Mundflora enorm zu und erst dadurch entsteht das Problem.

Karies ist also eine ernährungsbedingte Zivilisationskrankheit und keine Infektionskrankheit.

 

 

5. Mythos:
Kinder sollen möglichst früh selbst Zähne putzen!

Die ersten Milchzähne werden von den Eltern geputzt.

Im Alter von drei bis sieben Jahren sollten Kinder spielerisch an die Zahnpflege herangeführt werden.
Das ist wichtig, um die Akzeptanz langfristig zu steigern.

Zähneputzen nach der KAI-Methode

Als einfach zu lernende Zahnputzmethode eignet sich für Kinder besonders die KAI-Methode.
(Zuerst werden die Kauflächen, dann die Außenflächen und schließlich die Innenflächen gereinigt.)

„Die Eltern sollten das Zähneputzen bis zu einem Alter von etwa acht Jahren überwachen und gegebenenfalls nachputzen“, rät Professor Zimmer.

Denn erst wenn Kinder die Schreibschrift flüssig beherrschen, sind sie motorisch fähig, Zahnputzbewegungen genau auszuführen.

 

 

6. Mythos:
Fluoride sind für Erwachsene nicht wichtig!

Konsequente Zahnhygiene und eine achtsame Ernährung reichen nicht, um Karies zu verhindern.

„Wichtig ist auch, dass ausreichend Fluoride zugeführt werden, da diese eine anerkannt hohe Kariesschutzwirkung haben, indem sie den Zahnschmelz für Karies unempfindlicher machen.

Dies gilt nicht nur für Kinder mit Milchzähnen, wie häufig vermutet wird“, erklärt Professor Zimmer.

Schutz durch fluoridhaltige Zahnpflegemittel –
auch für Erwachsene

Fluoridhaltige Zahnpflegemittel (Zahnpasten, Spüllösungen, Gelees) erreichen auch an bleibenden Zähnen eine lokale Schutzwirkung.

Zusätzlich fördert die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz eine gesunde Zahnentwicklung und eine geringere Kariesanfälligkeit.

Prophylaxe und Schutz vor Demineralisation

Von besonderer Bedeutung ist die lokale Wirkung von Fluorid als Prophylaxemaßnahme.

Der Zahnschmelz wird damit vor einer Demineralisation geschützt – also vor dem Abbau von Mineralien aus dem Zahnschmelz durch verschiedene Säuren.

Schutzschild und Reparaturfaktor

Außerdem fördert Fluorid den Wiedereinbau von Mineralien in den Zahnschmelz.

Fluorid wirkt somit nicht nur als Schutzschild, sondern auch als Reparaturfaktor bei beginnenden Kariesschäden.

 

Weitere Informationen zum Thema

Weitere Informationen und Tipps zum Thema Kariesvorbeugung finden Sie unter:
www.kariesvorbeugung.de

Auch interessant