16. November 2020
Ratgeber

„Zukunft hat, was Freude macht“

Tobias Krombholz, Teamleiter Ausbildung bei der IHK Erfurt, empfiehlt Jugendlichen, sich bei der Berufswahl daran zu orientieren, was ihnen am meisten Freude macht. Foto: IHK Erfurt

Fragen an Tobias Krombholz, Teamleiter Ausbildung bei der IHK Erfurt.

Interesse und Freude an der Tätigkeit sind das Wichtigste

Viele Jugendliche sind verunsichert, und wissen nicht, wie sie sich beruflich orientieren sollen. Wie findet man einen Beruf, der auch Zukunft hat?
Wichtig ist einen Beruf zu wählen, der seinen eigenen Interessen und Fähigkeiten entspricht.
Das ist zunächst die Basis der Berufswahlentscheidung – denn nur eine Arbeit, die den Menschen zufrieden stellt, birgt das Potenzial, dauerhaft in diesem Beruf glücklich zu werden und dabei zu bleiben.
Niemand weiß, wie sich die Arbeitswelt in 10 oder 20 Jahren entwickelt.
Jeder Beruf hat aber auf seine eigene Art und Weise Zukunftspotenzial.
Alle Ausbildungen basieren auf einer breiten Wissens- und fachpraktischen Basis.
In der Zukunft wird es daher immer Möglichkeiten geben, auf die erlernten Grundfertigkeiten aufzubauen.
Entscheidend ist und bleibt die Freude am Beruf – ändern sich im Laufe der Zeit das Berufsbild oder die Anforderungen an diesen, so ist man bei einer positiven Grundeinstellung auch gern bereit, sich diesem Wandel zu stellen und sich anzupassen.
Berufe werden auch in der kommenden Zeit nicht von heute auf morgen ersatzlos wegfallen.
Dem geht in der Regel ein langer Ver-änderungs- und Anpassungsprozess voraus.

 

Berufe im gewerblich-technischen Bereich haben gute Perspektiven

Welche Berufe haben denn Ihrer Ansicht nach gute Zukunftsaussichten?
IHK-Berufe haben immer Zukunft.
Gerade die im gewerblich-technischen Bereich haben gute Perspektiven.
Fachkräfte werden hier schon jetzt händeringend gesucht – und das wird bei dem technologischen Fortschritt auch zukünftig so sein.
Der Dienstleistungsbereich wird ebenfalls stets nachgefragt sein – einkaufen, reisen, essen oder sonstige Freizeitaktivitäten bleiben.
Im Rahmen der Work-Life-Balance kommt dem Freizeitbereich tendenziell sogar noch größere Bedeutung zu. Und hier bedarf es natürlich Arbeitskräfte, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.

 

Ausbildungsberufe vermitteln Grundfertigkeiten –
auf denen kann man aufbauen

Und welche Berufe sollte man heute besser nicht mehr erlernen?
Jeder anerkannte IHK-Ausbildungsberuf hat seine Daseinsberechtigung.
Jede Branche unterliegt im Laufe der Zeit einem gewissen Veränderungsprozess – das war in der Vergangenheit so und wird in der Zukunft so sein.
Den Ausbildungsberufen ist allen eines immanent – es werden Grundfertigkeiten vermittelt.
Durch entsprechende Qualifizierungen und Weiterbildungen können sich Unternehmen und die Fachkräfte an neue Bedingungen anpassen.

 

Jeder entscheidet selbst, wie er sich in seinem Beruf entwickeln möchte

Muss man sich wirklich von der Vorstellung verabschieden, einen Beruf zu erlernen und den dann sein Leben lang ausüben zu können?
Das kann man so pauschal nicht sagen.
Jeder Beruf hat seine individuellen Eigenarten und Weiterentwicklungspotenzial – im gewerblich-technischen Bereich natürlich zwangsläufig mehr als im Dienstleistungsbereich.
Es obliegt aber immer dem Einzelnen, wie er sich in seinem Beruf entwickeln möchte.
Im Hotel- und Gastronomiebereich besteht zum Beispiel die Möglichkeit, international tätig zu sein.
Man kann an verschiedensten Einsatzorten arbeiten und sich damit persönlich und fachlich entfalten.

 

Man muss sich immer an neue Entwicklungen anpassen

Wie „gefährlich“ ist die Indus­trie 4.0 – und was für Chanceneröffnet sie?
Können Sie dazu  heute schon Aussagen treffen?
Industrie 4.0 ist weder gefährlich noch schädlich – sie bietet, einfach gesagt, neue Möglichkeiten und  Herausforderungen.
Der besondere Charme der Ausbildungsberufe an sich ist ja, dass diese im Laufe der Zeit an die neuen technischen Gegebenheiten angepasst werden, indem man Ausbildungsinhalte aktualisiert.
Das ändert aber nichts an den erworbenen Grundfertigkeiten.
Wichtig ist, dass im Rahmen der Ausbildung quasi das Rüstzeug vermittelt wird, welches die Jugendlichen in die Lage versetzt, im weiteren Berufsleben immer wieder darauf aufzubauen und sich jeglichen technischen Neuerungen anzupassen.

 

Der Beruf soll Freude bringen

Was empfehlen Sie Jugendlichen zum Abschluss, in welche Richtung sollten sie gehen?
Wie am Anfang schon erwähnt – der Beruf soll Freude bringen und ihren Fähigkeiten entsprechen.
Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, findet man stets Wege, sich weiter zu qualifizieren.

Interview: Daniel Dreckmann

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