3. Mai 2022
Saale-Orla-Kreis

Besuch bei Bibern

Im Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale begaben sich Interessierte auf die Spur der Nagetiere

Marcus Orlamünder erklärt die Aufteilung des Biberbaus. Foto: Marika Hauptmann

Auf die Spurensuche nach dem Nagetier begaben sich kürzlich die ZNL (Zertifizierte Natur- und Landschaftsführer*innen) und geladene Naturpark-Freunde. Die Veranstaltung war Teil der laufenden ZNL-Weiterbildungsreihe, um die Zertifizierung als Botschafter des Naturparks Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale aufzufrischen. Menschen auf den Führungen zu begeistern, für Aha!-Momente zu sorgen beziehungsweise auch den einen oder anderen Irrglauben aufzudecken, dafür sind sie regelmäßig im Einsatz. Durch den spannenden und erlebnisreichen Abend führte Marcus Orlamünder, der NABU-Projektkoordinator für das „Bibermanagement in Thüringen“.

Biber seit 2007 in Thüringen heimisch

Auch in Thüringen fühlt sich der scheue Nager seit 2007 wieder wohl. Langsam aber stetig breitet er sich an der Saale, Werra und Unstrut, Ilm, Rodach und weiteren Flussgebieten aus. Er kommt zurück in seine alten Lebensräume, bevorzugt naturnahe Abschnitte an Gewässern und arrangiert sich auch mit der vom Menschen stark veränderten Kulturlandschaft. Der pelzige Geselle sorgt allerdings an vielen Stellen für Unmut. Ist er doch der Einzige, der Bäume fällen und Brücken bauen darf, ohne vorher einen Antrag stellen zu müssen. Dass der Baumeister durch seine Grabungen, Dämme bauen, Benagen und Fällungen von Gehölzen neue Lebensräume schafft und damit zur Rettung der Biodiversität beiträgt, ist nur wenigen bekannt.

Der Glaube, es handle sich um einen ungewollten Einwanderer, ist nicht selten gegenwärtig. Blickt man 400 Jahre zurück, prägte das Pelztier bereits damals die Landschaft. Die starke Bejagung führte zur Ausrottung, und das nicht nur in Thüringen. Zum einen wurde aus den Drüsensäcken das begehrte Bibergeil gewonnen, das als Heilmittel Anwendung fand. Zum anderen war er aufgrund seines dichten Fells für die Pelzindustrie von Interesse. In Nordamerika wurde der Handel sogar bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts nach dem Wert des Biberfells ausgerichtet und es galt als akzeptiertes Zahlungsmittel. Ein dritter Aspekt war seine Einstufung als Fischfleisch, wodurch er in Fastenzeiten als Alternative verzehrt werden durfte.

Nagetier ist streng geschützt

Viele Jahre hat es gedauert, bis die letzten Überlebenden den Weg nach Thüringen zurückgefunden haben. Heute ist der Biber eine streng geschützte Art. Im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG in Deutschland) und der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ist verankert, dass die Tiere weder gefangen noch getötet werden dürfen. Unter Schutz stehen ebenso ihre Dämme und Bauten. Für den Fall, dass er doch problematische Bauaktionen gestartet hat, können sich Betroffene beraten lassen und zum Beispiel an Marcus Orlamünder, Biberberater & Projektkoordinator Bibermanagement in Thüringen wenden. Tel: 03641/605704 oder unter Marcus.Orlamuender@NABU-Thueringen.de

Neben zahlreichen Fraßspuren an den Bäumen, abgenagten Stämmen und ersichtlichen Biberpfaden fanden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auch Biberrutschen, Pfotenabdrücke und Markierungsstellen mit dem unverkennbaren Duft des Bibergeils. Zahlreiche Informationen über die Lebensweise des Bibers, sein Wander- und Revierverhalten und die Konflikte in der Landschaft füllten den Abend. Die besonderen Highlights werden für alle vermutlich die Besuche der Biber sein, die dreimal vorbei schwammen, sich an Land zeigten und die gesamte Gruppe schlichtweg faszinierten.

Wer Lust hat, mehr über das Leben des Bibers zu erfahren, kann sich bei der Zertifizierten Natur- und Landschaftsführerin Marion Zapf melden. Neben ihren Wanderungen auf dem Bienenlehrpfad bietet sie auch Bibererkundungstouren an.

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