22. November 2022
Saale-Orla-Kreis

Courage gegen Drogen im Saale-Orla-Kreis: „Maßlos im Umgang mit Alkohol“

Netzwerk-Akteure fordern verstärkte Jugendschutz-Kontrollen bei Veranstaltungen und wollen mehr aufklären

Symbolbild: Pixabay

Schleiz. „Nach Corona sind junge Leute teilweise maßlos im Umgang mit Alkohol“, konstatiert Sören Fröhlich von der Polizeiinspektion Saale-Orla in der jüngsten Beratung des Netzwerkes Courage gegen Drogen. In nächster Zeit sollen wieder verstärkt Kontrollen zur Einhaltung des Jugendschutzgesetzes bei Veranstaltungen stattfinden. Sören Fröhlich ist Gründungsmitglied des vor acht Jahren gegründeten Netzwerkes Courage gegen Drogen im Saale-Orla-Kreis, das in dieser Art bundesweit vermutlich einmalig ist.

Im Netzwerk arbeiten mehrere Fachdienste des Landratsamtes, (Sucht-)Beratungsstellen, Schulsozialarbeiter, das regionale Schulamt, Polizei, Jobcenter, Apotheken, Ärzte eng zusammen, um Betroffenen ein engmaschiges Hilfsnetz anbieten zu können. Die langjährigen persönlichen Kontakte der Netzwerkakteure und die Kenntnis der jeweiligen Kompetenzen machen zudem eine schnellere, konkretere Hilfe möglich als dort, wo sich Akteure der verschiedenen Strukturen nicht kennen. „Hier weiß man, wen man anrufen muss“, so Manuela  Kaufmann, Geschäftsführerin der Volkssolidarität Oberland, die unter anderem über die offene Jugendarbeit und Schulsozialarbeit als auch als Partner in der Organisation der Aufklärungskampagne gegen Drogen im Anti-Drogen-Zug „Revolution Train“ ist.

Netzwerkkoordinatorin Eva Thrum vom Fachdienst Frühe Hilfen/Inklusion des Jugendamtes bilanzierte mehrere Aktivitäten des Netzwerkes in diesem Jahr – wie zum Beispiel einen Aktionsstand zum SonneMondSterne-Festival am Saalburg-Beach im August mit freiwilligen Alkohol- und Drogentests, die von gut 800 jungen Leuten angenommen wurden, und den zweitägigen Halt des Anti-Drogen-Zuges „Revolution Train“ im September in Schleiz, der von über 700 Schülerinnen und Schülern im Rahmen einer mehrjährigen Aufklärungskonzeption durchlaufen wurde.

Weitere Themen der Netzwerktagung im November waren die Runden Tische der Jugendarbeit in Bad Lobenstein, Schleiz, Pößneck und Neustadt sowie nächste Aufgaben und Projekte. Runde Tische der Jugendarbeit – das sind Gesprächsrunden über Möglichkeiten und Probleme der Jugendarbeit vor Ort. Sie finden regelmäßig statt, um die aktuelle Situation in Erfahrung zu bringen und konkret Hilfe anbieten zu können, informierte Beate Herrgott vom zuständigen Fachdienst im Jugendamt.

Vereinbart wurden für die weitere Arbeit des Netzwerkes für das kommende Jahr gemeinsame Schulungen, Vorträge, Aufklärungsveranstaltungen sowie die Einbeziehung von Jugendlichen als „Aufklärer“/Scouts direkt bei Veranstaltungen. Flyer auszulegen, auf denen stehe, wie gefährlich Alkohol und illegale Drogen sind, sei nicht sinnvoll, waren sich die Netzwerkpartner einig. Man erreiche die jungen Leute besser, wenn sie die Informationen von Gleichaltrigen erfahren. Deshalb sollen im kommenden Jahr gezielt Jugendliche als „Peer“ für Veranstaltungen in der Region gewonnen werden.

Hintergrund: Peer-Projekte beruhen auf Gleichrangigkeit, Gegenseitigkeit und auf Freiwilligkeit. In den unterschiedlichen Lebenssituationen Jugendlicher treten die Peers als Präventionsbotschafter auf und vermitteln die zentralen vorbeugenden Informationen und Haltungen.

Als Besorgnis erregend wurden in der Diskussion der Netzwerk-Akteure, insbesondere der Schulsozialarbeiter in Jugendhäusern, die erheblichen Unterrichtsausfälle an Schulen im Saale-Orla-Kreis genannt sowie die in der Corona-Pandemie verstärkte Vereinzelung der Schüler und Jugendlichen; ebenso beunruhigt äußerten sie sich über die geplante Legalisierung von Cannabis in Deutschland.

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