19. Oktober 2022
Saale-Orla-Kreis

„DDR: Mythos und Wirklichkeit“ – Ausstellung weckt Erinnerungen

Zweite Diskussionsrunde am 25. Oktober im Landratsamt in Schleiz

Foto von der Ausstellungseröffnung am 17. Oktober. (Foto: Pressestelle Landratsamt Saale-Orla-Kreis/Brit Wollschläger)

Schleiz.  Es ist nicht nur eine Ausstellung. Es ist eine Einladung zum Gespräch, eine Einladung, sich zu erinnern, Gefühle, persönliche Erinnerungen und Erfahrungen an die jüngeren Generationen weiterzugeben: Die Wanderausstellung „DDR: Mythos und Wirklichkeit – Wie die SED-Diktatur den Alltag der DDR-Bürger bestimmte“. Seit dem 17. Oktober ist die von der Konrad-Adenauer-Stiftung erarbeitete Schau auf Einladung der Volkshochschule des Saale-Orla-Kreises vier Wochen lang im Landratsamt des Saale-Orla-Kreises in Schleiz zu sehen.

„Anliegen der Ausstellung ist es, Mythen über die DDR mit Fakten zu konfrontieren“, erklärte Tillmann Bauer, Referent für Politische Bildung und das Politische Bildungsforum Thüringen der Adenauer-Stiftung zur Eröffnung. „Ja, persönliches Glück war in der DDR möglich,“ so Bauer. „Aber die Partei konnte willkürlich in alle Lebensbereiche eingreifen – und tat es auch.“ Konkrete Beispiele dafür, wie die SED-Diktatur den Alltag der Bürgerinnen und Bürger bestimmte, werden auf insgesamt 20 Bannern unter anderem aus den Themenbereichen Kultur, Wirtschaft, Umwelt, Wehrdienst, Schule, Sport präsentiert.

„Der Mythos, dass in der DDR alles besser war, stimmt einfach nicht“, betonte Landrat Thomas Fügmann auch anhand persönlicher Erfahrungen in der Diskussion mit Gästen der Eröffnungsveranstaltung. Und sofort begann eine lebhafte Gesprächsrunde, an der sich Gäste verschiedener Altersgruppen beteiligten.

Eine Schleizer Rentnerin beschrieb ihre Erinnerung an die DDR als „ganz schlimm“ und berichtete von der Enteignung des landwirtschaftlichen Betriebs der Familie und den Repressalien, die sie erlebte. Ein Lehrer aus dem Orlatal brachte positive Aspekte der damaligen Schulbildung, insbesondere der thematischen Strukturiertheit des Unterrichts in den naturwissenschaftlichen Fächern, in Erinnerung. Eine junge Schleizerin, im Jahr 2001 geboren, bekannte, dass sie sich viele Einschränkungen der persönlichen Freiheit, wie es sie in der DDR gab, kaum vorstellen könne; auch dass es eine Grenze mitten durch Deutschland, mitten durch Berlin gab, die praktisch nicht passierbar war.

Unter dem Titel „Wende-Wirklichkeiten – Ein Zuhöreraustausch über Alltag und Wandel eines untergegangenen Systems“ moderierte im Anschluss Anne-Kristin Jahn, freischaffende Filmemacherin und Autorin, einen Abend voller Erinnerungen. Anhand von Filmausschnitten wurden Themen aus der DDR-Zeit wieder ins Bewusstsein gerückt. Die Teilnehmer berichteten in kleinen Gesprächsrunden ihre persönlichen Erfahrungen, Emotionen oder Assoziationen zum jeweiligen Thema, lernten sich kennen und besser verstehen.

Mehrfach begannen die Ausführungen mit dem Satz, in welchem Alter die jeweilige Person 1989 in der Zeit der politischen Wende war. Die Referentin, Anne-Kristin Jahn, war 12 Jahre jung und ist sich dennoch bewusst, dass dieses Land, das sie nicht als Erwachsene erlebte, ihren Lebenslauf sehr geprägt habe.

Ein zweites Mal findet ein solcher Zuhörer-Austausch am kommenden Dienstag, 25. Oktober, ab 16 Uhr, im Landratsamt des Saale-Orla-Kreises in Schleiz statt. Dazu sind Interessenten in den Konferenzraum Nord (Kreistagssaal) im Landratsamt des Saale-Orla-Kreises in Schleiz, Oschitzer Straße 4, eingeladen. Eine Anmeldung ist online möglich unter www.vhs-sok.de oder telefonisch unter 03663 / 424 8281.

Weitere Informationen zum Thema im Wissensportal der Konrad-Adenauer-Stiftung unter www.ddr-mythen.de

 

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