27. April 2018
Saalfeld

Der Löwenzahn ist in Lauscha seit Jahrhunderten als Frühlingsgericht beliebt

Von der Wiese auf den Teller

„Für die Gärtner ist Löwenzahn ein lästiges Unkraut. Aber ich lasse ihn mir gerne auf dem Teller schmecken“, erklärt Lothar R. Richter. Der Vorsitzende des Lauschaer Tourismus Stammtisch e.V. ist mit dieser kulinarischen Vorliebe in Lauscha nicht alleine. Seit Jahrhunderten steht in dem kleinen Südthüringer Ort der Löwenzahn bei vielen Familien, gerade jetzt im Frühling, mit auf dem Speisezettel. Das Wissen um diese Wildpflanze und die Zubereitung wird hier von Generation zu Generation weitergegeben. „Am liebsten esse ich ihn als lauwarmen Salat – überbrüht mit ausgelassenem Speck mit Zwiebeln. So hat es schon meine Großmutter gemacht“, sagt Lothar R. Richter. Es ist eine ganz spezielle Zubereitungsart, mit der Lauscha im Vergleich zu den umliegenden Orten und auch sonst in Thüringen eine kulinarische Außenseiterrolle einnimmt.


Bei einer Reise nach Südtirol machte Lothar R. Richter eine spannende Entdeckung: Die Südtiroler im Ultental übergießen den Löwenzahnsalat ebenfalls mit heißem Speck. „Ich habe eine Vermutung, wie dieses Rezept nach Lauscha kam. Die Lauschaer Glasmacher reisten zu Studien-
zwecken in den vorigenJahrhunderten immer wieder nach Murano, jener Inselgruppe nordöstlich von Venedig, die für ihre Glaskunst weltbekannt ist. Die lange, beschwerliche Reise führte über Südtirol, und so gelangte das ausgefallene Rezept wahrscheinlich nach Lauscha.“


Die jungen Löwenzahnblätter haben einen zartbitteren Geschmack und lassen sich sehr vielfältig in der Küche verwenden: als Salat, eingerührt in Quark, als Tee oder verarbeitet zu Pesto. Aus den Blüten lässt sich „Honig“ – ein schmackhafter, süßer Brotaufstrich – oder Gelee herstellen. Und sogar die Wurzel ist genießbar, eignet sich gut für Schnaps. 50 Rezepte haben die Lauschaer bereits zusammengetragen oder selbst kreiert und in einem Büchlein veröffentlicht. Denn der Genuss von Löwenzahn ist sehr gesund.

Da die Liebe zu dieser Pflanze einen ganzen Ort eint, entstand vor acht Jahren die Idee, jährlich einen Löwenzahntag – „Mellichstöckdooch“ – am ersten Samstag im Mai durchzuführen. Etwa 100 Lauschaer bringen sich in die Vorbereitung ein, sind vor allem auf den Bergwiesen unterwegs, um Löwenzahn zu stechen. Bei Gastwirt Udo Heinz ist die ganze Familie eingebunden, etwa sechs Fleischerkisten benötigt er für die Zubereitung seiner außergewöhnlichen Speisen, wie hausgemachte Wildfleischsülze mit Mellichstöck- Vinigrette, Carpaccio mit Mellichstöck oder Mellichstöck-Parmesan-Suppe.

„Das Aufwändigste ist das Putzen der Pflanzen, da sie mit der Wurzel gestochen werden“, erklärt Udo Heinz. „Wir machen dies gerne und möchten den Gästen am 5. Mai diese doch außergewöhnliche Pflanze ein Stück näher-
bringen. Sie ist eben alles andere als ein Unkraut.“

Termin:
» 5. Mai: Mellichstöckdooch – Löwenzahntag in Lauscha ab 10 Uhr
» mehr als 50 Variationen an Löwenzahngerichten, aufgetafelt in zwei Festzelten und sechs Gaststätten
» Naturprodukte-Markt
» sieben geführte Wanderungen ab Ernstthal, Rauenstein, Neuhaus/Rennweg nach Lauscha
»Lauschaer Mellichstöckdooch

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