20. Juli 2018
Saalfeld

Lauter Verrückte! Mit Don Quijote nimmt Sommertheater Reaktionsraum aus Rudolstadt Thüringen ein

Kultur

Die Wandertruppe „Reaktionsraum“ aus Rudolstadt kämpft dieses Jahr gegen Windmühlen, denn „Don Quijote“ steht auf dem Spielplan ihres Sommertheaters.

Mit Artistik, Schauspiel und Gaukelei setzen die ­Akteure den 1000 Seiten starken Narrenroman von Miguel de Cervantes szenisch um und stellen sich dabei die Frage nach der eigenen Verrücktheit. AA-Redakteurin Jana Scheiding sprach mit Schauspieler und Regisseur Stefan Kreißig.

Woher nehmen Sie die ­vielen Windmühlen für Ihren Haupthelden?
(Lacht.) Es ist seltsam, dass die meisten Menschen Don Quijote nur mit den Windmühlen verbinden. Dabei nimmt diese Passage gerade mal zehn Seiten von 1000 ein. Viel wichtiger ist doch, dass er seine Ideen lange nicht aufgibt. Auch wenn sie verrückt sind.

Womit wir beim Stichwort wären – Sie hinterfragen im Stück auch die eigene Verrücktheit?
Ich lebe den größten Teil in Berlin und habe es dort oft mit abseitigen Menschen zu tun. Ich empfinde sie einerseits als bedrohlich, weil ich nicht weiß, was sie als nächstes tun werden. Andererseits üben sie eine Faszination auf mich aus.

Reizt Sie diese ­Unberechenbarkeit an der Figur des Don Quijote?
Ja. Mehr noch reizt mich seine Zielstrebigkeit. Er bekommt so oft auf die Nase und geht doch weiter seinen Weg. Über den Kampf mit den bewussten Windmühlen verliert er den Verstand, wird aber am Ende wieder vernünftig – dank seines treuen Knappen Sancho Panza, der ihn immer wieder auf die Diskrepanz zwischen Einbildung und Wirklichkeit hinweist.

Wie definieren Sie verrückt?
Eintauchen in andere Welten, ohne lange nachzudenken.
Tauchen Menschen in andere Welten ein, weil ihnen die Realität nicht gefällt?
So würde ich das nicht sagen. Es ist einfach spannend, andere Welten zu erkunden. Wir zeigen auf der Bühne ganz offen, wie wir in unsere Rollen ein- und aussteigen. Als Unterstützung haben wir eine Akrobatin und eine ­Akkordeonistin im Ensemble.

Was dürfen Ihre Zuschauer erwarten?
Jede Menge poetische Bilder im Sommertheaterformat – so viel kann ich versprechen. Wir benutzen eine andere Bildersprache als herkömmliche Theaterleute, mit der wir 1000 Seiten des Cervantes-Romans in etwa 80 Minuten verarbeiten. Alles geschieht mit einfachen Kulissen und Requisiten. Gelegentlich müssen mein Kollege Nils Förster und ich einspringen. Ich denke, unser Publikum wird kurzweilige, lustige Abende erleben.


Zur Sache: 
Mit ihrem Stück „Don Quijote“ ist die Wandertheatertruppe des Vereins „Reaktionsraum“ aus Rudolstadt dieses Jahr auf Tour durch Thüringer Schlösser und Burgen.
Termine: 20. Juli, 19 Uhr, Premiere im Pfarrgarten der Evangelischen Kirche Gräfenthal. Weitere Termine: 21. und 22. Juli, 19 Uhr, Schloss Schwarzburg, 26. Juli Friedrich-Adolf-Richter-Schule Rudolstadt, 27. Juli Hoher Schwarm Saalfeld und 28. Juli Burg Ranis sowie 20. September Greizer Theaterherbst – jeweils 19 Uhr.
Karten:  0 15 90 / 2 98 73 91 oder reaktionsraum@gmail.com
Zur Person:
Stefan Kreißig hat Schauspiel studiert und arbeitet seit zehn Jahren als Regisseur. Seit 2005 leitet der Wahlberliner die Sommertheater-Aufführungen des Reaktionsraum e.V. Dieses Jahr teilt er sich die Verantwortung mit Nils Förster.
www.reaktionsraum.de
www.facebook.com/reaktionsraum
www.stefankreissig­-schauspiel.de

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