21. März 2017
Sömmerda

Heftiges Reitergefecht bei Görschener Höhe

1813 in unserer Heimat- Aus Chroniken und Tagebüchern


FML. Moritz Joseph Johann Baptist Fürst von Lichtenstein wollte eine Stellung bei Pretzsch beziehen, doch der alte Draufgänger Gl. Johann Adolf Freiherr von Thielmann war der Ansicht, daß man mit den Reserven an der Görschener Straßengabel den geschwächten Feind, der sich bergauf arbeiten musste, jetzt erfolgreich angreifen könne. Bevor die Führer zu einem Entschluß gekommen waren, erschienen auch schon die feindlichen Spitzen. Das veranlaßte GL. Thielmann, sofort den Befehl zur Attacke zu geben. Er hatte richtig berechnet, der Feind hatte die Stoßkraft verloren. Durch den wuchtigen Angriff von der Görschener Höhe wurden zwei Reiterbrigaden überrannt und der rechte Flügel der Infanterie-Brigade Montlegiers durchbrochen. Es entspann sich ein großes hitziges Reitergefecht mit viel Verlusten auf beiden Seiten. Angerau schickte immer neue Infanterie-Kolonnen ins Treffen, denn er mußte für seine Armee den Weg nach Weißenfels und Leipzig freikämpfen. Dagegen konnten die verbündeten Freicorps nur noch eineinhalb Escadron Vincent-Chevaulegers heranholen ,die sich bei Meineweh gesammelt hatten.
Biwak bei Pretzsch in der Nähe von Naumburg
Gegen die große Übermacht mußten die Verbündeten zurückgehen und bezogen bei Pretzsch Biwak. Oberst Emanuel Graf Mensdorff – Pouilly , der bei Plotha gestanden hatte, ging über Gröbitz zurück und vereinigte sich mit ihnen. Während sich beide Theile wieder sammelten, zogen sie ihre Artillerie vor und unter dem Donner der Geschütze wurde der Kampf beendet. Der Erfolg war, daß das Corps Angerau 24 Stunden auf dem Marsch nach Leipzig aufgehalten worden war. Die Franzosen sollen 1500 Mann verloren haben. An dieses Gefecht erinnert noch das Kriegergrab bei Stößen. Es liegt an der Zeitz-Naumburger Landstraße zwichen Stößen und Wethau auf der Scheiplitzer Flur. Auf dem Grabe steht eine alte Kiefer mit einer Erinnerungstafel. Hier Ruht ein höherer österreichischer Jäger mit Namen Blumenberg mit seinen Kameraden. 10. Oktober 1813.
Die Kiefer ist im Frühjahr 1854 gepflanzt worden. Die Tafel ist in ihren Inhalt auf Grund der Aufzeichnungen von Pastor Großmann, der 1811 bis 1882 in Gröbitz als Pfarrer tätig war und wegen seiner genauen Aufzeichnungen aus der Zeit der Freiheitskriege her bekannt ist, erneuert und verbessert worden. Das Wiener Kriegsarchiv gab auf eine Anfrage wegen der Richtigkeit des Namens Blumenberg folgenden Bescheid: Im Marsch von Weimar nach Leipzig hatte der französische General Angerau am 9.Oktober 1813 mit seinem Corps Naumburg erreicht und die Brigade Subervie auf Wethau vorgeschoben. Feldmarschalleutnant Moritz v.Lichtenstein und Generalleutnant Thielemann rückten von Süden ( von Zeitz aus) vor, um den Marsch Angeraus zu stören und dessen Vereinigung mit Napoleon zu verzögern. Hierzu beabsichtigte FML. v.Lichtenstein, sich der Brücke über den Wethau Bach zu bemächtigen. Eine sofort vorgenommene Erkundung ergab, daß die Franzosen wohl vorbereitet waren und eine Wegnahme der Brücke nur mit großen Verlusten möglich gewesen wäre. FML. v.Lichtenstein beschloß daher, einen nächtlichen Überfall auszuführen. Diese Unternehmung wurde am 10.Oktober früh von Oberst Baron Veyder mit dem 7.Jägerbataillon durchgeführt und hatte vollen Erfolg. Der französiche Brigadier Subervie entkam nur in bloßem Hemd, schreibt der Feldmarschalleutnant v.Lichtenstein an den Marschall Schwarzenberg.

In den Morgenstunden nahm jedoch Angerau durch einen gegenangriff mit den Brigaden Agmard und Lagard das Dorf Wethau sowie die Brücke wieder ein und FML v.Lichtenstein ordnete angesichts der Übermacht des Feindes den allgemeinen Rückzug auf Stößen an. Während dieses Rückzuges wurde das 7. österreichische Jägerbataillon sehr hart mitgenommen. Nach einem scharfen Gefecht zwichen der französischen Kavallerie und den österreichisch-preußisch-russischen Reitern Thielemanns, das zum Nachteil der Verbündeten endete, zog sich Lichtenstein zuerst auf Pretzsch, dann bis Zeitz zurück, während Angerau den Marsch über Weißenfels nach Leipzig fortsetzte.
• Bedeutende Verluste
Die Verluste der Österreicher betrugen an Toten:
Jägerbataillon I = 22Mann,
Jägerbataillon II = 6 Mann,
Jägerbataillon VII = 15 Mann,
Kaiser-Chevaux-Legers: ein Offizier, Rittmeister Krolikewitzsch und 15 Mann,
Vincent-Chevaux-legers = Unterleutnant Laquand und 28 Mann,
Levenehar-Dragoner : Oberleutnant von Bockenheim und Kleindienst sowie 26 Mann,
Kienmayer-Husaren Nr. 8 : drei Mann,
Hohenzollern- Chevaux-Legers: zwei Mann.
Bürgermeister Weber aus Stößen schrieb anno 1813 nieder: Am 9.Oktober kamen und rückten ein der kaiserlich-österreichische General Fürst v. Lichtenstein, theils ins Quartier, theils ins Biwak und mußten beköstigt werden, angeblich 600 Mann.

Auch interessant