Mission erfüllt – zu Fuß von Hamburg nach Sömmerda - meinanzeiger.de
27. September 2020
Sömmerda

Mission erfüllt – zu Fuß von Hamburg nach Sömmerda

Feuerwehrmann läuft knapp 400 Kilometer, um auf das Schicksal von Familien mit todkranken Kindern hinzuweisen und Spenden zu sammeln

Kameradinnen und Kammeraden unterschiedlicher Feuerwehren feiern die Ankunft von Mario Schnepf. (Foto: Marie Hauschild)

Hamburg./ Sömmerda. Der 34-jährige Hamburger Berufsfeuerwehrmann Mario Schnepf brach am 21. September 2020 zu seiner größten persönlichen Herausforderung in seinem bisherigen Leben auf.

Mario Schnepf eröffnet den Kinderlauf des 3. Run4Kids Benefizlauf in Sömmerda. (Foto: Marie Hauschild)

Er startete an den St. Pauli Landungsbrücken am Hamburger Hafen. Vor ihm lagen knapp 400 Kilometer Strecke. Sein Ziel war die Thüringer Stadt Sömmerda. Diese erreichte er heute um 10 Uhr und eröffnete im dortigen Stadtpark den 3. Run4Kids Benefizlauf. Damit übererfüllte er sein selbst gestecktes Ziel, denn er nahm in der Folge auch am zwei Kilometer langen Parcours mit 10 schwer zu überwindenden Hindernissen teil. Aber bevor es auf die Laufstrecke ging, wurde Schnepf frenetisch von vielen hundert Teilnehmern des Run4Kids für seine Leistung gefeiert. „Ich bin fix und fertig, aber auch extrem glücklich und dankbar. Dieser Trip war eine echte Herausforderung und ich gebe zu, dass ich mir öfters die Frage nach dem warum gestellt habe. Aber jetzt stellt sich diese Frage nicht mehr“, so Mario Schnepf nach seinem absolvierten Benefizlauf. Denn nicht nur Mario Schnepf ist überglücklich, sondern auch die gemeinnützige Deutsche Kinderhospiz- und Familienstiftung, für die sich Mario Schnepf ins Zeug gelegt und auf seinem Marathon um Spenden gebeten hat. „Ich freue mich von ganzem Herzen, dass insgesamt über 20.000 Euro nun dem Auftrag der Deutschen Kinderhospiz- und Familienstiftung zugutekommen. Ein Erfolg im Sinne der Familien mit lebensverkürzt erkrankten Kindern, mit dem ich nie gerechnet hätte. Dieser war aber nur dank des Engagements Jener möglich, die mich in der Vorbereitung und Durchführung dieser Herausforderung unterstützt haben. Ihnen gilt mein tief empfundener Dank. Ganz besonders möchte ich mich aber bei meiner Verlobten Patricia bedanken, die bei dieser fixen Idee immer an meiner Seite war“, so Mario Schnepf.

Bei seiner Challenge trug Mario Schnepf die typisch feuerfeste Einsatzkleidung eines Feuerwehrmannes, inklusive Schutzhelm und Einsatzstiefel. Dies bedeutete circa 25 kg Zusatzgewicht am Körper. „Als Berufsfeuerwehrmann habe ich fast täglich mit schicksalhaften Situationen zu tun. Ich wollte mit dieser persönlichen Herausforderung dazu beitragen, auf das Schicksal der über 50.000 Familien in Deutschland aufmerksam zu machen, deren Kind oder auch Kinder von einer lebensverkürzenden Krankheit betroffen sind. Diese brauchen Entlastung und Begleitung in dem oftmals kräftezehrenden jahrelangen Pflegeprozess, rund um ihr geliebtes Kind.

Die Deutsche Kinderhospiz- und Familienstiftung setzt sich für diese Betroffenen ein. Diesen Auftrag musste ich einfach unterstützen“, so Mario Schnepf. Hoch erfreut zeigten sich auch die Veranstalter des 3. Run4Kids Benefizlaufs in Sömmerda. „Einfach phänomenal. Mario ist ein riesiges Vorbild, welches symbolisiert, dass, wenn man etwas wirklich schaffen will, kann man jedes Ziel erreichen. Danke an alle Unterstützer und Vereinsaktive, die diese Aktion im Ehrenamt begleitet haben“, so Daniel Voigt, Vorsitzender des Run4Kids Sömmerda e.V. und des Feuerwehrvereins Sömmerda e.V.

Interview mit Mario Schnepf

Herr Schnepf, wie fühlen sie sich?
„Ich bin total erschöpft und erledigt aber auch glücklich. Gerade jetzt auf der letzten Etappe hat mich nur noch die Motivation getragen, die Challenge erfolgreich im Sinne der guten Sache zu beenden. Sonst hätte ich bestimmt schon die buchstäbliche Flinte ins Korn geworfen, denn es war viel anstrengender als ich es mir vorgestellt habe.“

Hat Ihnen Ihre persönlicher Fitnesszustand als Berufsfeuerwehrmann bei Ihrem Lauf geholfen?
„Leider nur bedingt. Das Wetter hat mich ab und zu überrascht. Konditionell war ich auf einem guten Level, aber auf diesen konnte ich bei so einem Marsch nur teilweise zurückgreifen. Als Berufsfeuerwehrmann bin ich eher auf Kraft, Wendigkeit und Schnelligkeit getrimmt.

Hat Ihr Körper den Lauf heil überstanden?
„Tatsächlich habe bisher nur zwei kleine Blasen an den Füßen. Aber morgen bestimmt einen Muskelkater, der seines Gleichen suchen muss.“

Wie lief ein Tag während des Laufs ab?
„Ich bin fast immer vor 5 Uhr gestartet, oft ohne Frühstück auf die Strecke, damit ich das Tagesziel erreichen konnte. Zwischendurch habe ich regelmäßig Pausen gemacht, Mediengespräche geführt, aber ich wurde auch oft von Menschen, die mir begegneten, spontan angesprochen. Mein ungewöhnliches Outfit hat wohl dazu beigetragen. Dann habe ich gern den Sinn meiner Aktion erklärt. Am Ende des Tages ausgiebige Körperpflege und wichtige Regeneration in der Nacht. Durchschnittlich war aber nicht mehr als vier Stunden Schlaf pro Nacht drin.“

Sie hatten geplant, sich während Ihres Laufs selbst zu versorgen und alles allein zu bewältigen. Konnten Sie diesen Plan aufrechterhalten?
„Nein. Diesen Plan musste ich bereits am zweiten Tag über Bord werfen. Da meine Wegstrecke in der Regel fernab von Dörfern oder Städten, vielmehr über Stock und Stein verlief, war die Versorgung nicht mehr gesichert. So wurde ich liebevoll und leidenschaftlich von Mitgliedern des Run4Kids Sömmerda e.V. begleitet, die eingekauft haben, um Zeit zu sparen und mich auch bei der Medienarbeit super unterstützt haben. Ich hätte das sonst nicht im vorgegebenen Zeitfenster geschafft. Auch hat mein Körper anders als geplant reagiert und ich musste regelmäßig ans Essen und Trinken erinnert werden, um körperlichen Schaden abzuwenden.

Gab es einen Abschnitt des Laufs, der besonders herausfordernd war?
„Ja es gab sogar zwei. Zum Einen die Harzüberquerung und zum Anderen die letzte Etappe. Da waren viele Gefälle aber auch Anstiege zu bewältigen. Das war echt ne Nummer und extrem anstrengend für die Füße.“

Gab es einen Moment, an dem Sie aufgeben wollten?
„Ja den gab es, wo die Schmerzen am größten waren. Das war direkt an den ersten beiden Tagen der Fall. Da musste ich mich sehr auf den Sinn und Zweck des Laufes konzentrieren, um nicht schwach zu werden. Der Start war sehr sehr holprig, muss ich zugeben.“

Was hat Ihnen in dieser Situation geholfen?
„Ich hatte enormen Zuspruch aus den sozialen Medien die ein wirklicher Motivator war. Aber auch meine Begleiter, die ab Tag zwei dabei waren haben mich unterhalten und motiviert. Das hat mich dann wieder nach vorn gebracht.“

An welche schöne Situation erinnern Sie sich spontan?
„Spontan? Die Spendenübergabe im niedersächsischen Bad Lauterberg im REWE Markt Matthias Weitzel. Hier hatten wir einen tollen Empfang von Vertretern der Stadt, des Human-Biker-Day e.V. und der Feuerwehr, sowie gab es eine grandiose Einzelspende für die Deutsche Kinderhospiz- und Familienstiftung in Höhe von knapp 10.000 Euro. Wahnsinn!“

Wie ist ihr persönliches Fazit?
„Es war eine äußerst anstrengende Woche und viel schwieriger, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe eigentlich körperlich gut kalkuliert, aber es war äußerst herausfordernd und ab und zu auch an der Belastungsgrenze.
Wenn ich aber an die Woche zurückdenke, habe ich viele fantastische hilfsbereite Menschen kennengelernt und eine breite Unterstützung erfahren. Das wichtigste Ziel haben wir erreicht, nämlich die Aufmerksamkeit auf das Schicksal von Familien zu lenken, deren Kind oder Kinder von einer lebensverkürzenden Krankheit betroffen sind.“

Wie kam Ihre Verbindung nach Thüringen zustande?
„Ich komme gebürtig aus Böblingen/Baden-Württemberg, wurde dort zum Berufsfeuerwehrmann ausgebildet und habe bei der dortigen Feuerwehr dann auch gearbeitet. Bereits seit 1988, also schon vor der Wende, gab es eine Partnerschaft mit der Freiwilligen Feuerwehr in Böblingen und der Freiwilligen Feuerwehr im thüringischen Sömmerda. Mit der Wiedervereinigung gab es bis heute viele gegenseitige Besuche. Innige Freundschaften sind entstanden. Diesen Kontakt habe ich auch nach meinem beruflichen Wechsel mit in die Hansestadt genommen und gerne gepflegt.“

Wie sind Sie auf die Aktion zu Gunsten Familien mit todkranken Kindern gekommen?
„Ehrlich gesagt: spontan. Ich verfolge via Social Media die Aktionen der Freiwilligen Feuerwehr Sömmerda und dem Verein Run4Kids für schwer kranke Kinder und deren Familien seit geraumer Zeit und bin überwältigt von dem langfristigen Engagement meiner Thüringer Freunde. So hat die gesamtgesellschaftliche Herausforderung der Corona Pandemie massive Auswirkungen auf existenziell wichtige Spenden für ein Kinder- und Jugendhospiz, für die sich meine Sömmerdaer Freunde mit allen Kräften einsetzen. Deshalb war es für mich wichtig, gerade jetzt diese Aktion zu starten.“

Der Verein Run4Kids in Sömmerda. Was können wir uns darunter vorstellen?
„Auf Initiative meines Freundes und Vorstandsvorsitzenden des Sömmerdaer Feuerwehrvereins Daniel Voigt wurde im vergangenen Jahr ein eigener gemeinnütziger Verein gegründet, der „Run4Kids Sömmerda e.V.“ Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit verschiedenen Aktionen, wie zum Beispiel dem jährlichen Benefizlauf, caritative Zwecke zu unterstützen. Letztes Jahr traten zu diesem Highlight mehr als 440 Teilnehmer zu dem Hindernisparcours an, der Thüringer Innenminister Georg Maier war der damalige Schirmherr. Der Hindernisparcours kann in den Längen 2km, 6km oder 8km absolviert werden. Die Strecke ist mit mehreren Hindernissen präpariert, für deren Überwindung man klettern, tauchen oder man sich auch abseilen muss. Alle Startgelder kommen der Arbeit des Thüringer Kinder- und Jugendhospizes Mitteldeutschland zugute, was auch ein Förderprojekt der Deutschen Kinderhospiz- und Familienstiftung ist, für die ich mich aktiv einsetze.“

Danke für das Gespräch.
Das Gespräch führte Stephan Masch.

Patricia Feller freut sich, ihren Verlobten Mario Schnepf heil in Sömmerda angekommen zu wissen. (Foto: Marie Hauschild)

 

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