16. August 2022
Soziales

Wenn Armut blind macht

Geschafft: Die Operation am Grauen Star von Christin in Kamerun war erfolgreich.  Die Unter­suchung am Tag nach dem Eingriff bestätigt es. Möglich war das durch das Engagement der Christoffel-Blindenmission mit Spendengeldern auch aus Thüringen. Allein die Spenden aus dem Raum Gera ermöglichten 1595 Operationen. Foto: CBM

Hunderttausende sind in ärmeren Ländern von Blindheit bedroht. Die Christoffel-Blindenmission kämpft dagegen – auch mit Hilfe aus Thüringen.

„Der Graue Star, eine Augenkrankheit, bei der sich die Augenlinse eintrübt, ist bei uns eine Alterserscheinung.
In südlichen, ärmeren Ländern tritt sie deutlich häufiger auch bei jungen Menschen auf“, sagt Esther Dopheide, die Pressesprecherin der Christoffel-Blindenmission e. V. (CBM).
„Ein Grund ist die stärkere ­UV-Strahlung durch die Sonne – und der mangelnde Schutz durch Sonnenbrillen.
Es können aber auch schon Kinder von Geburt an betroffen sein, wenn die Mütter während der Schwangerschaft an Röteln erkrankt sind – was wiederum daran liegt, dass sie sich die Schutz-Impfung nicht leisten konnten.“

Von geschätzt 43,28 Millionen Erblindungen weltweit sind rund 17 Millionen auf Grauen Star als ­Ursache zurückzuführen.
Er ist damit die häufigste ­Erblindungsursache.

Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen vor Ort

Die Christoffel-Blindenmission ist in 46 Ländern weltweit aktiv, schwerpunktmäßig in Afrika, aber auch in Ländern wie Indien, Pakistan und Haiti.
Sie kooperiert mit lokalen Partnerorganisationen und Ärzten in Krankenhäusern vor Ort.
Sie finanziert medizinische Ausrüstung und die Ausbildung von Augenärzten mit Spendengeldern, die auch in Thüringen gesammelt werden.

400.000 Patienten auf einen Augenarzt

Esther Dopheide versucht zu erklären, dass man die ­Situationen in vielen afrikanischen Ländern differenziert betrachten muss:
„In den meisten großen Städten ist die medizinische Versorgung relativ gut, flächen­deckend und oft sogar kostenlos.
Ganz anders sieht das auf dem Land aus.
Hier kommen teils 400 000 Patienten auf einen Augenarzt.
Zum Vergleich:
In Deutschland kommen etwa 11 000 Patienten auf einen Augenarzt – und Sie wissen, wie lange hier schon die Wartezeiten sein können.“

Dabei ließe sich der Graue Star relativ leicht behandeln

Dabei lässt sich eine Krankheit wie der Graue Star relativ gut operativ behandeln.
Die Kosten für so eine Operation sind weltweit sehr unterschiedlich.
Aber im Schnitt nennt die Christoffel-Blindenmission 30 Euro für einen Erwachsenen und 125 Euro für ein Kind, weil Kinder für die Operation in Vollnarkose versetzt werden müssen.

Oft kein Zugang zu Ärzten

„Viele Menschen haben dieses Geld nicht. Ganz zu schweigen von einem Augenarzt, der die Operation durchführen könnte.
Und wenn die Busfahrt in die nächste Stadt einen halben Tag dauert.
Dann stellt sich wieder die Frage, ob man sich die Busfahrt leisten kann und wer sich um das Feld und die Tiere in der Zeit kümmert“, versucht Esther Dopheide Verständnis zu ­wecken.

Großangelegte Außeneinsätze sollen helfen

Die Christoffel-Blindenmission finanziert deshalb großangelegte Außenein­sätze von Augenärzten in ­abgelegenen Regionen, sogenannte Outreaches, die – vorab angekündigt – stark wahrgenommen werden.

Es gibt auch bakterielle Infektionen, die zu Erblindungen führen

Es gibt aber auch Augen­leiden, die bei uns unbekannt sind, wie zum Beispiel Trachom, eine bakterielle ­Augenerkrankung, die durch mangelnde Hygiene wie ­unsauberes Brunnenwasser verursacht wird.
Der Erblindungsprozess kann operativ gestoppt, aber nicht rückgängig gemacht werden.

Möglichkeiten, zu helfen

Wer sich über die verschiedenen Projekte der Christoffel-Blindenmission informieren möchte, die immer stärker auch auf Inklusion – also die Teilhabe von Menschen mit körperlichen und geis­tigen Behinderungen –, abzielt, kann dies auf der Homepage der Hilfsorgani­sation tun.
Wer seine Spende für ein bestimmtes Projekt ­geben möchte, kann dies im Verwendungszweck angeben.
Der ist verpflichtend.

Mehr zum Thema

Weitere Informationen zu den Projekten der Christoffel-Blindenmission weltweit und Aktionen in Deutschland unter www.cbm.de
sowie 0 62 51 / 13 11 31.

Daniel Dreckmann
dreckmann@meinanzeiger.de

Geschafft: Die Operation am Grauen Star von Christin in Kamerun war erfolgreich.  Die Unter­suchung am Tag nach dem Eingriff bestätigt es. Möglich war das durch das Engagement der Christoffel-Blindenmission mit Spendengeldern auch aus Thüringen. Allein die Spenden aus dem Raum Gera ermöglichten 1595 Operationen. Foto: CBM

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