60 Jahre Fußball-Kleinfeldliga - meinanzeiger.de
22. März 2020
Thüringen

60 Jahre Fußball-Kleinfeldliga

Wie in der gesamten Fußballwelt rollt auch in der Freizeitliga derzeit der Ball nicht. Zeit dafür einen Blick auf die 60-jährige Geschichte dieser etwas anderen Fußballmeisterschaft zu werfen. 1960 hat wohl keiner geahnt, dass diese Liga so lange Bestand haben wird. Im Gegenteil die Liga hat in den vergangenen Jahren neuen Aufwind bekommen. Die Idee hinter der Gründung dieser Liga war, dass Orte die nicht der Lage waren eine komplette Fußballmannschaft auf die Beine zu stellen, trotzdem einen regelmäßigen Spielbetrieb nachgehen können. Die Initiatoren waren Kurt Brendel, der Vorsitzende des KFA-Fußball, sowie Lothar Schiller, der DTSB-Kreissportlehrer. Die Liga hat bis zum heutigen Tag ihre Besonderheiten beibehalten. Die Spielstärke der Mannschaften wurde auf sechs Spieler plus Torwart festgelegt. Ebenfalls ein Novum, der Schiedsrichter wird vom Gastgeber gestellt und hat zumeist keine Prüfung abgelegt. Lediglich bei entscheidenden Spiele wird seit den letzten Jahren durch den Staffelleiter ein geprüfter Schiedsrichter eingesetzt. Der anfängliche Name der Meisterschaft dürfte aus heutiger Sicht mit MTS-Bereichsklasse (Maschinen-Traktoren-Station) etwas einzigartig anmuten. 1966 wurde aus der MTS-Bereichsklasse die 2.Kreisklasse. In der Saison 2012/13 spielte man kurzzeitig unter der Bezeichnung 3. Kreisklasse, ehe eine Saison später die heutige Bezeichnung Freizeitliga übernommen wurde.

Einmalig in der DDR

Die MTS-Bereichsklasse und deren Nachfolger war in der DDR einmalig. Deshalb wurde der Staffelsieger auch oftmals ironischerweise als „DDR-Meister“ bezeichnet. Die Anfänge verliefen nicht reibungslos und waren mit Komplikationen verbunden. Einige Orte verfügten noch nicht über die erforderliche Spielfläche für den Kleinfeldfußball. Aus diesem Grund wurde auf einer größeren Rasenfläche mit möglichst wenig Neigung gekickt. Der Startschuss zur ersten Meisterschaft fiel im März 1960 in der Bereichsklasse Süd mit dem Spiel Zollgrün gegen Langenbach (3:2). Insgesamt beteiligten sich fünf Teams – Zollgrün, Seubtendorf/Langgrün, Langenbach, Blintendorf und Frössen. Erster Meister wurde Zollgrün, Blintendorf beendete die Saison vorzeitig. Erst im Mai 1960 startete die Bereichsklasse Nord mit den Mannschaften aus Gräfenwarth, Moßbach, Oberböhmsdorf, Crispendorf, Volkmannsdorf und Möschlitz. Erster Titelträger in dieser Staffel wurde Traktor Gräfenwarth, die ihren Titel auch im darauffolgenden Jahr verteidigen konnten. 1962 hieß der Meister Traktor Volkmannsdorf und 1963 eroberte sich erneut Gräfenwarth die Meisterschaft.

Frühjahr-Herbst-Rhytmus

So feierte der SV Niederböhmersdorf seinen Pokalsieg im Mai 2018 seinen Pokalsieg.

Einige Jahre lang wurden die Spiele im Frühjahr-Herbst-Rhytmus ausgetragen. Dieser Modus bewährte sich jedoch nicht, oftmals fanden die entscheidenden Spiele im November statt. Doch zur damaligen Zeit hatte oftmals der Winter Einzug gehalten und die Meisterschaft konnte nicht zu Ende gespielt werden. Eine negative Einstellung gegenüber 2. Kreisklasse hatten die größeren Vereine des Landkreises Schleiz, denn gelegentlich wechselten Spieler in einen Landsportverein. Dies stieß bei den höherklassigen Mannschaften nicht gerade auf Begeisterung. In den Glanzjahren der 2. Kreisklasse beteiligten sich 15 Mannschaften, sodass zwei Staffeln gebildet werden mussten. Die vier Besten jeder Staffel spielten schließlich um den Meistertitel. Mindestens drei Meisterschaften – eine genaue Zahl kann leider nicht mehr ermittelt werden – konnten bis zur Wende die Mannschaften aus Gräfenwarth, Dittersdorf, Langenbach und Kirschkau einfahren.

Wende bringt Veränderung mit sich

Stets ein brisantes Duell in der Freizeitliga: Bergland Oschitz – SG Görkwitz 63

Nach der Jahrtausendwende hat sich das Bild der Freizeitliga grundlegend geändert. Inzwischen kicken nicht nur Mannschaften aus kleinen Gemeinden in der Freizeitliga, sondern auch zweite oder eine Zeitlang sogar dritte Mannschaften. Der Grund ist ganz einfach: Spielermangel. Nur so kann auch in größeren Vereinen der Spielbetrieb noch aufrechterhalten werden. Waren es anfänglich nur Teams aus Kreis Schleiz, kamen nach der Wende aus dem gesamten Saale – Orla – Kreis und aus dem Kreis Greiz hinzu. Die Anfang der Jahrtausendwende dominierende SG Dittersdorf (fünfmal Meister) ist inzwischen gänzlich aus dem Spielbetrieb verschwunden. Mit der LSV Zollgrün musste im Vorjahr ein weiterer Traditionsverein der Liga, aufgrund von personellen Problemen aufgeben. Der FC Grün-Weiß Triptis II gewann in den vergangenen zwei Spielzeiten die Meisterschaft und liegt auch in der laufenden Saison auf der ersten Tabellenposition.

Leider gibt es keine kompletten Unterlagen mehr über jede Saison der heutigen Freizeitliga. Insbesondere der akribischen Sammelleidenschaft des Sportfreundes Dieter Poser ist es zu verdanken, dass zumindest ein Großteil der Geschichte der Freizeitliga noch nachvollzogen werden kann.

Die Meister der vergangenen 20 Jahre

2000/01 – SG Dittersdorf
2001/02 – SG Dittersdorf
2002/03 – SG Bergland Oschitz
2003/04 – SG Dittersdorf
2004/05 – SV Krölpa
2005/06 – SG Dittersdorf
2006/07 – SV Krölpa
2007/08 – SV Krölpa
2008/09 – SG Dittersdorf
2009/10 – SG Dasslitz/Langenwetzendorf III
2010/11 – SV Krölpa
2011/12 – SV Krölpa
2012/13 – SG Görkwitz
2013/14 – SG Dasslitz/Langenwetzendorf II
2014/15 – SG Bergland Oschitz
2015/16 – SV Niederböhmersdorf
2016/17 – SV Niederböhmersdorf
2017/18 – FC Chemie Triptis II
2018/19 – FC Chemie Triptis II

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