13. April 2020
Sport

Das Schleizer Dreieck in Krisenzeiten

Das Corona-Virus beherrscht unseren Alltag, alle Sportveranstaltungen fallen derzeit der Pandemie zum Opfer. Noch vor wenigen Wochen veröffentlichten wir in unserer Zeitung die Veranstaltungstermine auf dem Schleizer Dreieck. Doch ob und wann in diesem Jahr auf der ältesten Straßenrennstrecke Deutschlands die Motoren zu hören sein werden, bleibt ungewiss. Nähere Einzelheiten zu den Veranstaltungen erhalten sie stets zeitnah auf der Internetseite der Betreibergesellschaft – www.schleizer-dreieck.de.

Ungewisser Veranstaltungskalender

Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte der Rennstrecke, das der Rennbetrieb pausieren muss. Allerdings hatten die Ausfälle andere Ursachen. 1938/39 hatten die damaligen Machthaber kein Interesse mehr am Rennsport auf dem Schleizer Dreieck. Zwischen 1939 und 1945 tobe der 2. Weltkrieg, an Motorsport war verständlicherweise nicht zu denken. Bis 1948 verstummten die Motorengeräusche auf dem Dreieck. Nach diesem inoffiziellen Beginn, ging es 1949 wieder richtig zur Sache. Im Jahre 2003 gab es lediglich eine Klassik-Veranstaltung, die Sicherheit der Piloten war auf dem traditionellen Kurs nicht mehr gegeben. Die Läufe zur Internationalen Deutschen Meisterschaft wurden 2003 durch den MSC Schleizer Dreieck im böhmischen Most ausgefahren. Nur ein Jahr später entstand die Querspange zwischen der Seng und Oberböhmsdorf, diese Baumaßnahme ermöglichte den Fortbestand der Rennstrecke.

Viele Höhen und Tiefen

Ein Blick in die Geschichte zeigt uns, dass die Entwicklung des Ostthüringer Kurses keinesfalls geradlinig verlief. Die Jahre zwischen 1923 und 2020 sind von zahlreichen Höhen und Tiefen geprägt. Begonnen hat alles, wie bereits erwähnt, im Jahre 1923. Damals plante der Gau II a Thüringen im ADAC eine Gebrauchs- und Brennstoffprüfung. Zu diesem Zweck suchte der Vorstand nach einer Rundstrecke. Karl Slevogt, damaliger Leiter der Apollo-Werke in Apolda und Gausportleiter fand die Strecke auf der Landkarte. Wohl keiner ahnte zu damaligen Zeitpunkt, dass diese Strecke bis in das Jahr 2020 bestand haben sollte. Im Gegenteil, viele gaben dem Dreieck wegen seiner schlechten Verkehrsanbindung nur geringe Überlebenschancen. Am 10. Juni 1923 war es so weit und die erste Brennstoffprüfung wurde gestartet. Nur ein Jahr später wurde erstmalig die „Deutsche Kraftradstraßenmeisterschaft “ auf dem Dreieck ausgetragen. Viele später erfolgreiche Fahrer der Vorkriegszeit gaben als Nachwuchsfahrer in Schleiz eine Kostprobe ihres Könnens ab, 1932 war es u.a. der junge Bernd Rosemeyer, später u.a. der legendäre Georg Meier.

1950 – Rekordkulisse

Das Dreieck verfehlte in der Nachkriegszeit seine Anziehungskraft nicht, 160 000 Zuschauer ließen sich die erste offizielle Rennveranstaltung (1949) nicht nehmen. Diese Zahl wurde bereits im nächsten Jahr beim einzigen gesamtdeutschen Meisterschaftslauf während der DDR-Zeit, noch einmal überboten. Es wurde die Rekordkulisse von 250 000 Zuschauern erreicht und dies an einem Tag. Das Dreieck war wieder ein fester Bestandteil im deutschen Motorsportkalender geworden. Im Jahre 1961 wurde ein neues Kapitel in der Geschichte des Dreiecks aufgeschlagen. In diesem Jahr wurden die großen Motorradklassen – 350 ccm und 500 ccm – ersatzlos gestrichen. Die Automobile, sie waren bis zu diesem Zeitpunkt dahin nur einmal im Rahmenprogramm, sollten in den darauffolgenden Jahren zur Hauptattraktion entwickeln. 

Neue Ideen sichern den Erhalt des Schleizer Dreiecks

1971 fand in Schleiz das letzte internationale Formel III Rennen statt. Es galt wieder einmal Abschied nehmen vom Gewohnten. Doch es sollte noch schlimmer kommen, die sportfeindlichen DTSB-Beschlüsse verhinderten ab 1973 den Start von westeuropäischen Motorsportlern. Einem Mann ist es in dieser Zeit besonders zu verdanken, dass sich das Schleizer Dreieck weiter entwickelte trotz dieser Schikanen: Rennleiter Gerhard Elschner (1973-1992). Er und seine zahlreichen Helfer setzten zielstrebig ihre Ideen um. In jedem Jahr konnten die Fahrer und Besucher bauliche Veränderungen auf dem Dreieck verzeichnen. So entstand 1974 die Rücklaufstrecke und der Buchhübel wurde abgeholzt. 1978 kamen die Schutzschalen für die Streckenposten hinzu, um nur einiges zu nennen. Auch das Fernsehen konnte sich dem Schleizer Rennen nicht mehr entziehen und sendete 1979 erstmalig live. Nur mit einem konnten sich die Fans nie richtig anfreunden, sie wollten „richtige“ internationale Rennen sehen. Dieses Problem erledigte sich 1990, mit der politischen Wende in der DDR von selbst.

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