26. August 2021
Thüringen

30 Jahre Stadt- und Dorfkirchenmusiken im Weimarer Land

Ein Résumé

Vielfältigste Konzertangebote

Vielfältigste Konzertangebote

2021 blicken wir auf 30 Jahre Stadt- und Dorfkirchenmusiken zurück. Ein besonderes Jubiläum? Zeit, um dankbar zu sein? Zeit, um inne zu halten und zu reflektieren? Zeit, um ein wenig stolz zu sein? Auf alle Fälle Zeit, um 30 Jahre Revue passieren zu lassen, eben weil es 1992 nicht unbedingt absehbar war, dass es so viele Jahre werden könnten.
Ein großer Zeitraum, 30 Konzertreihen, 323 Konzerte, 500 Solo-Künstler und Ensembles, 610 Komponisten, 16.000 Zuhörer, 101 Orte und Gemeinden, 126 Kirchen, 69 Orgeln, 290 Glocken – Zahlen, Zahlen, Zahlen. Was aber steckt hinter ihnen? Welche Wünsche haben sich erfüllt und welche sind zerplatzt?
In Vorbereitung jeden Jahres steht die akribische Suche nach einem Thema, um die jährliche Konzertreihe mit ihm zu verschmelzen und Teil einer Themengemeinschaft zu werden. Mit großer Überzeugungskraft entsteht Netzwerkarbeit zu Touristiker|innen, Theolog|innen, Politiker|innen, Städten und Gemeinden, Vereinen, Kirchgemeinden, Künstler|innen und zum Kurator Michael von Hintzenstern mit dem Ziel, erkennbar zu machen, wie wichtig es ist, genau in diesem Jahr mit einem konkreten Programm dabei zu sein und dafür seine Kirche zu öffnen und zu schmücken. Das Weimarer Land ist reich an Schätzen aus Orgelbau, Glockenguss, Kirchengeschichte, Architektur, Musikgeschichte. Diese mit den Jahresthemen zu verbinden und den Menschen nahe zu bringen, war zu jeder Zeit Anliegen der Konzertreihe. Wenn sich schlussendlich alles „wie von selbst“ fügt, ist dies der schönste Lohn für all die Vorarbeit. Noch schöner sind das Lächeln, das leise Danke der Zuhörer am Konzertausgang, der Zuspruch und der Wunsch, im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen. Es war so schön und ganz anders, als man gedacht hatte, heißt es oftmals. Manchmal wird Musik präsentiert, für die man sich vorher noch nie interessiert hat – aber in der eigenen Kirche kann man ja den Versuch wagen! Manchmal erlebt man Events, die vollkommen neu und irritierend sein können – moderner Ausdruckstanz zu Musik von elektronischen Computerhänden oder John Cage: 4’33 – ein Werk, das totale Stille mit Umgebungsgeräuschen, die der Zuhörer während der Performance wahrnimmt, mischt. 4’33 zum Nachdenken über Stille und Musik. Zu welchen klanglichen Eindrücken tanzt der Künstler währenddessen? Im Vorfeld stellt sich so manchem die humorvolle Frage: Wieso stehen Partiturseiten auf unserem defekten Harmonium? Das kann man doch gar nicht mehr spielen? Mental ist dies wohl doch möglich, wächst die Überzeugung während des Konzertes.
Oder ganz anders – wie setzt ein Maler auf fünf Leinwänden gleichzeitig seine Eindrücke improvisierter Orgelmusik um? Haben Töne Farben? Überaus spannend und beeindruckend! Der Versuch hat sich gelohnt!
Wie viele Komponisten und musikalisch wirkende Persönlichkeiten haben im Weimarer Land gelebt? Ihre Lebenswege führten durch die Region, haben zu allen Zeiten die Geschichte geprägt und gehören zum immateriellen Kulturerbe des Weimarer Landes. Erstaunlich, wie viele es sind. Sie nicht zu vergessen, wurde uns aufgegeben.
Ganz besonders erfreulich ist die kleine, aber feine Fangemeinde, die sich im Laufe der Zeit gebildet hat – Zuhörer, die in jedem Jahr wiederkommen, die mehrere Konzerte wahrnehmen und immer wieder unterstreichen, dass die Konzertreihe im nächsten Jahr unbedingt weitergeführt werden muss. Sie kamen auch nach der Zwangspause durch Corona wieder in die Kirchen und waren emotional ebenso geflasht, wie die Organisatoren und Künstler. Es flossen Tränen und mit überaus bewegenden, emotionalen Worten, verliehen Künstler und Besucher ihrer Freude Ausdruck, nach zwei Jahren wieder Konzerte miterleben und gestalten zu dürfen. Das waren wirkliche Glücksmomente in der Geschichte der Konzertreihe!
Ja, aber wie finanzieren sich diese Glücksmomente? Trotz qualitätsvollem Organisieren und tiefgründigem Konzipieren würde ohne finanzielle Unterstützung eine Durchführung ausbleiben. Die Thüringer Staatskanzlei, die Sparkasse Mittelthüringen, die Städte Apolda und Weimar und nicht zuletzt der Kreis Weimarer Land lassen es sich zur Ehre gereichen, diese Konzertreihe mit ihrer besonderen Ausrichtung auf den ländlichen Raum seit 30 Jahren sehr gern zu unterstützen. Durch ihre Hilfe können auch Orte in die Konzertreihe aufgenommen werden, die eher wenige Konzertgänger beheimaten. Im Solidarprinzip sind auch sie dabei und werden Bestandteil der Konzertfamilie. Die finanzielle Unterstützung versetzt in die Lage, auch Künstler anzufragen, über deren Honorar sonst kein Gedanke hätte verschwendet werden können. Viele Künstler sehen es mittlerweile als Ehre, Teil der Konzertreihe zu werden. Sie lassen in den Verhandlungen erkennen, dass sie Zugeständnisse machen, damit man sich schlussendlich auf einem Mittelweg treffen kann.
Danke an alle, die bisher die Qualität der Konzertreihe geprägt haben, die unterstützen oder bei den Verhandlungen das Gefühl verleihen, kein Bittsteller zu sein.
All das macht Lust auf weitere Jahre, auf weitere zwischenmenschliche Geschichten, auf neue Kooperationen, neue Gefühle, neue Begegnungen und Fortführung all dessen, was in 30 Jahren gewachsen ist.

Auch interessant