Als DDR-Kind in Afrika - meinanzeiger.de
13. Dezember 2020
Thüringen

Als DDR-Kind in Afrika

Die in Erfurt geborene Dominique Engler schildert in ihrem Buch "Mutti, sind wir Stasi" eine außergewöhnliche Kindheit und Jugend

Dominique Engler (Foto: Privat)

„Afrika! Afrika! Wir gehen nach Afrika!“, jubelt die sechsjährige Dominique. Was heute – abgesehen von den derzeitigen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie – gar nicht mehr so außergewöhnlich ist, war für DDR-Bürger die absolute Ausnahme und etwas ganz Besonderes.

Und es war in der DDR, als der Vater der kleinen Dominique im Herbst 1978 eines Abends seiner Familie verkündete, dass er mit Frau und Kindern nach Somalia fliegen wird, um als Ingenieur dem afrikanischen Land zu helfen, den technischen Fortschritt voran zu bringen. Die Vorfreude war groß, aber es dauerte noch fast zwei Jahre, bis es im August 1980 soweit war: Von Berlin-Schönefeld ging es nach Mogadischu. Ihre Erlebnisse in Afrika schildert Dominique Engler in ihrem jetzt erschienen Buch „Mutti, sind wir Stasi?“.

„Mir ist es ein grundsätzliches Anliegen, diese eher unbekannte Seite der DDR-Geschichte, die mein persönliches Verständnis von Freiheit entscheidend geprägt hat, bekannter zu machen“, sagt die Autorin über ihr Buch. Denn nach einem Jahr erfolgte die Rückkehr in das streng kontrollierten Land östlich der Elbe.

Dominique Engler (Foto: Privat)

Zurück in der DDR, lebte die Autorin in Weimar, Erfurt und Chemnitz und besuchte als Fechterin die Kinder- und Jugendsportschule in Berlin. Doch mit dem ganz großen Durchbruch bis in die Fecht-Nationalmannschaft wurde es nichts. Dafür entdeckte Dominique als Jugendliche ihr musisches Talent. Über das Theaterspiel gelangte sie zum Gesang. Sie studierte an der Hochschule für Musik und Tanz Köln/Aachen sowie an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf. Heute lebt die erfolgreiche Altistin in einem Städtchen in der nördlichen Pfalz. Seit 15 Jahren ist Dominique Engler im Opernchor des Pfalztheaters Kaiserslautern engagiert, wo sie auch solistisch auftritt. Daneben ist sie als Konzertsängerin und in verschiedenen literarischen Portraits zu hören, die sie selbst konzipiert und schreibt. Zudem absolvierte sie eine Ausbildung als Heilpraktikerin für Psychotherapie und eröffnete 2012, neben ihrer Tätigkeit am Theater, ihre Praxis in Mannheim.

Eine Reise in die Oberlausitz weckte in ihr Erinnerungen an ihre DDR-Kindheit – einschließlich des Jahres in Afrika – und das Bedürfnis, diese niederzuschreiben. Es entstand ein Buch über eine ungewöhnliche Kindheit und Jugend mit Einblicken in einen DDR-Alltag, den man so als Leser noch nicht erfahren hat.

„Gerade jetzt – mit Abstand zu dieser Zeit und nachdem genügend die humoristische Seite der DDR in Buch und Film zu erleben war oder auch in zahlreichen Dokumentationen die tragischen Facetten beleuchtet wurden – möchte ich unbedingt diese Geschichte erzählen“, beschreibt Dominique Engler das Anliegen ihres Buches, das „direkt aus der Sicht und dem Herzen eines Kindes, ohne viel Bewertung und Filter“ entstand und ihrer Meinung nach „eine Geschichte über die Heimat ist: eine innere Heimat, die durch das Erlebte überhaupt erstehen konnte.“ Wer das Buch liest, erfährt eine außergewöhnliche Geschichte über Heimat und Entfremdung und letztendlich auch, was es mit dem Titel „Mutti, sind wir Stasi?“ auf sich hat.

Das Buch: Mutti, sind wir Stasi? von Dominique Engler, 292 Seiten, 12,99 Euro, ISBN: 9783751918619

Termin: Am Montag, 14.12. 20, um 19 Uhr liest Dominique Engler aus ihrem autobiografischen Buch in Weimar im ACC- natürlich online: acc-weimar.de.

 

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