10. September 2022
Thüringen

Auf einen Moment

Glück gehabt?

Foto: pixabay

Vor einigen Wochen hatte ich eine Augenoperation. Ob die neue Hornhaut anwächst und ich wieder gut sehe? Ich danke Gott, dass solche Operationen möglich sind.

Zwei Wochen nach der OP stolpere ich über einen Bordstein. Tausendmal jeden Tag den Bordstein berührt. Tausend Mal ist nichts passiert. Aber dieses Mal hat’s Bumm gemacht!

Die Hundertstelsekunden des Sturzes prägen sich mir wie in Zeitlupe ein: Erst das Niedersinken auf das rechte Knie. Mein Rucksack fliegt nach vorne. Mit der Schulter lande ich auf dem Beton. Und dann dieser einzige Gedanke: Du wirst doch nicht auch noch mit dem operierten Auge aufschlagen! Und genau so kommt es. Ein Schmerz in der Augenbraue. War’s das?

Man kann aufs Schienbein, auf die Schulter, die Schläfe fallen. Wieso stürze ich ausgerechnet auf das operierte Auge? Ist das Zufall? Oder habe ich es selbst herbeigeführt? Mit diesem Gedanken: Du wirst doch nicht genau darauf fallen! Vor allem aber frage ich mich: Warum schenkt dir Gott erst die OP und behütet dich danach nicht?

Ich stehe auf. Bin ein bisschen benommen. Mein T-Shirt, meine Hose, beides zerrissen. An der Augenbraue ertaste ich Blut. Ich öffne das operierte Auge langsam. Und?

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest“, behauptet einer in der Bibel. Oha! Den Fuß gestoßen habe ich mir schon. Aber – ich sehe trotz des Sturzes! So wie davor. Noch mal Glück gehabt? Gott gehabt?

Seien Sie gut zu sich!

Felix Leibrock

Felix Leibrock, Pfarrer & Autor. Alle Rechte vorbehalten. www.felixleibrock.dewww.meinanzeiger.de/leibrock

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