24. September 2022
Thüringen

Auf einen Moment

Dadadadiadiadad

Foto: pixabay

Ein katholischer Priester erzählt mir von einer ganz besonderen Beerdigung. Er steht mit den Trauernden am Grab. Segnet den Verstorbenen aus, der da unten im offenen Grab im Sarg liegt.

Dadadadiadiadad, tönt es plötzlich laut.

Alle schauen sich nach dem Geräusch um. Ein Handy-Klingelton. Wer hat das Handy angelassen? Bald ist klar: Das Handy liegt im Sarg. Beim Ankleiden des Verstorbenen muss es irgendwie in der Jacke geblieben sein. Dadadadiadiadad. Es hört nicht auf.

Wer ruft das wohl an? Irgendeine dieser Firmen, die einem einen angeblich billigen Kredit andrehen wollen? Vielleicht aber auch ein alter Schulkamerad des Verstorbenen, der ihn zum Klassentreffen einlädt. Oder die erste Ehefrau, mit der er vor vielen Jahren im Streit auseinandergegangen ist? Zu der er keinen Kontakt mehr hat. Die jetzt eine späte Versöhnung will?

Dadadadiadiadad.

Im Fall der ersten Ehefrau wäre es nicht nur zu spät, sondern auch sehr schade. Das höre ich oft, wenn jemand gestorben ist: Ich wollte mich doch noch mit ihm oder ihr aussprechen, aussöhnen. Hätte ich doch nur! Warum habe ich das immer nur vor mir hergeschoben!

Prokrastination nennt man das. Die Dinge vor sich herschieben. Beim Laubkehren oder Kelleraufräumen ist Verschieben nicht so schlimm. Aber die entscheidenden Dinge sollten wir möglichst jetzt tun, sagen, anpacken. Sofort. Sonst ist es irgendwann… Dadadadiadiadad. Sie wissen schon.

Seien Sie gut zu sich!

Felix Leibrock

Felix Leibrock, Pfarrer & Autor. Alle Rechte vorbehalten. www.felixleibrock.dewww.meinanzeiger.de/leibrock

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