1. Oktober 2022
Thüringen

Auf einen Moment

Wen man nicht vergessen sollte

Foto: pixabay

Ich trainiere die F-Junioren. Das sind die jüngsten Fußballspieler. Auch ein paar Mädchen spielen mit. Insgesamt viel zu viele Kinder für eine einzige Mannschaft!

Anpfiff. Wir haben vorher eine Taktik besprochen. Aber die wird sofort über den Haufen geworfen. Alle schwärmen dem Ball hinterher wie Bienen der Königin.

„Unser Sohn soll auch mal spielen“, mahnen mich Eltern. Ich wechsele ihn ein. Andere Eltern fordern das Gleiche. Ständig wechsele ich Jungs und Mädels ein und aus. Damit nur keiner vergessen wird!

Das Spiel ist aus. Da merke ich, wie jemand mich von unten antippt.

„Hallo, Papa“, höre ich meine Tochter Leonore sprechen. „Warum habe ich nicht gespielt?“

Oh nein! Ich habe meine eigene Tochter vergessen! Wie schrecklich ist das! Ein Stich fährt mir ins Herz. Ich nehme sie in den Arm. Aber ein paar Tränen kommen ihr trotzdem. Wir gehen zu einem Schnellimbiss. Sie darf sich so viele Pommes und Softeis bestellen, wie sie will. Aber tröstet sie das?

Das ist viele Jahre her. Meine Tochter ist heute erwachsen und lacht über die Situation von damals. Und wenn ich mal wieder an etwas denken soll, sagt sie augenzwinkernd: „Nicht wie damals, beim Fußball, Papa, du weißt …“

Ja, ich weiß. Liebe deinen Nächsten, steht in der Bibel. Man kann es ergänzen: Und vergiss nicht deine Allernächsten!

(P.S.: Damit ich’s nicht vergesse 😉: Glückwunsch, Leonore, zu deinem Geburtstag!)

Seien Sie gut zu sich!

Felix Leibrock

Felix Leibrock, Pfarrer & Autor. Alle Rechte vorbehalten. www.felixleibrock.dewww.meinanzeiger.de/leibrock

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