16. Juli 2021
Thüringen

Blühende Vielfalt auf der Binsenwiese

Das Vorkommen des seltenen Breitblättrigen Knabenkrautes (Dacylorhiza majalis) hat sich auf der Binsenwiese vervielfacht. (Foto: Arne Willenberg)

Die Pflegeeinsätze auf der Binsenwiese bei Reichenbach zeigten in diesem Frühjahr Erfolge – eine blühende Vielfalt hat sich eingestellt. Auch das Breitblättigre Knabenkraut (Dacylorhiza majalis) ist wieder mit mehr als 300 blühenden Exemplaren anzutreffen.

„Es ist schön zu sehen, dass sich unser Einsatz im letzten Herbst gelohnt hat“, freut sich Anne-Louise Fritz, Projektmanagerin bei der Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld (in Trägerschaft der Wildtierland Hainich gGmbH). „Nicht nur das Knabenkraut, auch viele weitere Orchideen und Pflanzenarten wie die Kopfige Teufelskralle und die Färberscharte blühen hier wieder“, so Fritz weiter.

Im Rahmen des Naturschutzprojektes „Renaturierung von Kalktuffquellen und kalkreichen Niedermooren“ wurde die Nasswiese mit Quellmoorbereichen gepflegt. Im Herbst 2020 fand ein Pflegeeinsatz gemeinsam mit Mitarbeitenden des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal und des Nationalparks Hainich statt. Gehölzaufwuchs wurde entfernt und die Wiesenflächen gemäht. Der Erfolg kann sich schon im ersten Jahr danach sehen lassen! Und natürlich ist eine blühende Wiese wie diese auch Lebensraum für viele weitere Arten wie Tagfalter, Heuschrecken und Vögel.

Der Erfolg des Pflegeeinsatzes im Herbst 2020 auf der Binsenwiese bei Reichenbach zeigt sich in diesem Jahr an blühender Vielfalt. (Foto: Arne Willenberg)

Hintergrund
Die Binsenwiese nordöstlich von Reichenbach liegt im südlichen Teil des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal, grenzt an den Nationalpark Hainich und ist als eine Nasswiese mit Quellmoorbereichen ein wahres Juwel der Artenvielfalt. In einem Schutzwürdigkeitsgutachten von 1994 wurden die damals vorgefundenen, ansonsten deutschlandweit stark gefährdeten Nasswiesentypen, mit ihren individuenreichen Orchideenvorkommen hervorgehoben. Neben schützenswerten Orchideenarten erfassten die Botaniker eine ganze Reihe weiterer seltener und geschützter Pflanzenarten. Eine erneute Kartierung im Auftrag der Naturparkverwaltung im Jahr 2019 brachte hingegen ein ernüchterndes Ergebnis. Vom einstigen Orchideenreichtum war nur noch wenig übrig. Weniger als 10 Exemplare des Breitblättrigen Knabenkrauts konnten gefunden werden. Weitere einst hier erfasste Arten fehlten ganz. Die Ursache für diesen offensichtlichen Artenschwund lag auf der Hand. Es fehlte einfach an einer regelmäßigen Nutzung oder Pflege der Wiese. Auf der einst artenreichen Wiese wuchsen nur noch hohe Stauden und Seggen und auch Gehölze kamen bereits auf.

Noch fehlen bedeutende, 1994 nachgewiesene Arten. Vielleicht kommen sie noch, denn die Samen vieler Pflanzen können jahrelang im Boden ausharren und auf gute Keimbedingungen warten. Um solche Bedingungen zu schaffen, muss die Fläche auch in Zukunft alljährlich gemäht werden. Nur so kann sie eine artenreiche Wiese bleiben.

 

Die Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld befindet sich in Trägerschaft der Wildtierland Hainich gGmbH, die auch das Wildkatzendorf Hütscheroda betreibt. In dem von der Station betreuten Gebiet im Nordwesten Thüringens (Landkreise Eichsfeld, Unstrut-Hainich und nördlicher Wartburgkreis) werden viele praktische Naturschutzprojekte initiiert und durchgeführt.

Das Projekt „Renaturierung von Kalktuffquellen und Kalkreichen Niedermooren“ wird gefördert als Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL). Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.

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