Damit es schön warm zu Hause ist - meinanzeiger.de
25. Januar 2021
Thüringen

Damit es schön warm zu Hause ist

Gemütlich warm zu Hause: Effiziente Heiztechnik und einfache Regeln reichen aus, um den Heizenergieverbrauch niedrig zu halten. Zahlreiche Experten in Thüringen sorgen dafür, dass das so ist. Foto: txn / Zukunft ERDGAS e.V. / Thinkstock

In Thüringen sind viele Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen in Sachen Heizungen aktiv, damit wir nicht frieren

Wie heizen die Thüringer eigentlich in diesen Tagen – mit Öl, Gas, regenerativen Energien oder Strom?
Die Schornsteinfeger müssten es doch eigentlich wissen, schließlich suchen sie doch die meisten Häuser auf, um dort Messungen vorzunehmen und die Schornsteine zu reinigen.

Rüdiger Speck, Pressewart der Schornsteinfegerinnung im Freistaat Thüringen und selbst bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger, schüttelt mit dem Kopf.
„Detaillierte Zahlen dazu liegen nur dem Thüringer Landesverwaltungsamt vor“, sagt er.
„Ich kann Ihnen sagen, dass es in Thüringen etwa 204 Kehrbezirke gibt, die jeweils von einem bevollmächtigten Schornsteinfeger geleitet werden und zu denen jeweils zwischen 2.500 und 3.500 Haushalte, Liegenschaften und Gewerbe zählen.“

 

Gasheizungen sind bei Modernisierungen sehr gefragt

Er selbst ist für Bad Langensalza und die umliegenden Gemeinden zuständig.
„Da haben sich die meisten nach der Wende eine Ölheizung zugelegt, andere heizen weiter mit festen Brennstoffen oder mit Gas“, sagt Rüdiger Speck aus seiner Erfahrung.
Er stellt in seinem Bezirk unterschiedliche Entwicklungen fest:
„Drei Gemeinden bekommen jetzt einen Erdgasanschluss, aber wenn man in einem Trinkwasserschutzgebiet oder mitten im Wald lebt, kommen Gas und Öl oft nicht in Frage.
Hier sind Hackschnitzel- und Pelletheizungen inzwischen sehr gefragt, weil sie leicht zu bedienen sind und nur alle zwei Jahre mal eine Messung erfolgen muss.“

 

Bei Neubauten ist der Einsatz von regenerativen Energien Pflicht

Diese Beschreibungen decken sich mit den Erfahrungen von Sebastian Bähring.
Er ist Technischer Referent beim Fachverband Sanitär Heizung Klima (SHK) Thüringen.

Auch er stellt fest, dass Gasheizungen derzeit sehr gefragt sind, wenn es darum geht, alte Heizungen auszutauschen.
Bei Neubauten ist der Einsatz regenerativer Energien Pflicht, sodass dort oft Wärmepumpen zum Einsatz kommen. Brennstoffzellen sind in ihrer Anschaffung dagegen so ein enormer Kostenfaktor, dass sie derzeit eher ein Nischendasein führen.

 

Ein Austausch alter Heizungen will gut überlegt sein –
Heizungsbauer und Energieberater helfen bei der Entscheidung

Doch der Austausch einer in die Jahre gekommenen Heizung will gut überlegt sein.
„Es ist nicht damit getan, eine alte Ölheizung mit einer Wärmepumpe zu ersetzen“, warnt Sebastian Bähring.
„Meistens haben Sie dann das Problem, dass die vorhandenen Heizkörper nicht für die geringere Vorlauftemperatur ausgelegt sind und die Räume nicht richtig warm werden.
Es ist wirklich wichtig, dass sich der Heizungsbauer und ein Energieberater das Gebäude und das vorhandene Heizungssystem ganz genau anschauen, bevor mit der Planung der neuen Anlage begonnen wird.
Auch Änderungen der Gebäudehülle, wie zum Beispiel neue Fenster oder eine angebrachte Außendämmung sind für die Ermittlung der Heizlast relevant.
Erst wenn all diese Faktoren einbezogen werden, können die Fachleute sinnvolle Vorschläge für die Modernisierung unterbreiten.“

 

Etwas mehr Aufmerksamkeit für die Heizung wäre schön

Er würde sich wünschen, dass die Menschen ihrer Heizung etwas mehr Aufmerksamkeit schenken würden.
Sebastian Bähring formuliert das etwas drastisch so:
„Beim Auto geben sich die meisten Menschen Mühe mit der Pflege und Wartung, aber die Heizung im Keller bleibt meist unbeachtet.
Erst wenn es Probleme mit der Heizung gibt oder sie kaputt ist, wird der Heizungsanlage im Keller wieder Beachtung geschenkt.“

Sehr begrüßenswert sei, dass es derzeit viele interessante Förderprogramme gebe, wenn man seine alte Heizung erneuern möchte.
Dadurch sei das SHK-Gewerk sehr stark ausgelastet und die Corona-Pandemie habe keinen dramatisch-negativen Einfluss auf die Branche gehabt.

 

Beratung telefonisch, in den Beratungsstellen und vor Ort

Die Förderprogramme begrüßt auch Steffen Lier ausdrücklich.
Er ist Energieberater bei der Verbraucherzentrale Thüringen und wird gerufen, wenn Hausbesitzer über eine Erneuerung ihrer Heizungsanlage nachdenken und eben solche Förderungen nutzen wollen.
Die Beratungen erfolgen während der Corona-Pandemie telefonisch und – wenn die Situation es zulässt – wieder stationär in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale.
Bei vielen Ratsuchenden erfolgt dann auch ein Check mit Bericht vor Ort.

 

Ein Heizungseignungscheck ist kostenlos und unverbindlich

„Wir bieten einen Heizungseignungscheck an, der in Thüringen komplett kostenfrei ist“, betont Steffen Lier.
„Wer uns beauftragt, zahlt dafür nichts und ist auch anschließend zu nichts verpflichtet.“

Das gelte übrigens auch für die Basischecks in einzelnen Wohnungen.
Trotzdem nutzen bislang nur 50 bis 60  Interessenten im Jahr den kostenlosen Service eines Heizungseignungschecks.
Dabei erhalten die Auftraggeber am Ende einen Bericht mit verschiedenen Modernisierungsvorschlägen und die dadurch voraussichtlich entstehenden Kosten.

 

Das Wissen um die moderne Technik fehlt oft

Das Hauptproblem, das Steffen Lier aber immer wieder feststellt, ist, dass das Wissen um die moderne Technik fehlt und dadurch Unsicherheit entsteht.
„Nicht jede Heizungsanlage, die ein paar Jahre auf dem Buckel hat, muss auch wirklich raus.
Allerdings kann man auch hier mit wenig finanziellem Aufwand Energie sparen.
In manchem Fall ist aber auch jetzt genau der richtige Zeitpunkt zu handeln, weil es gerade für diesen Fall günstige Förderungen gibt.
Man muss das wirklich immer wieder von Einzelfall zu Einzelfall entscheiden.
Und finanziell müssen es sich die Menschen ja auch noch leisten können“, sagt Steffen Lier.

 

Unbedingt beraten lassen

„Wer Fragen hat, sollte sich unbedingt beraten lassen.
Es kostet doch nichts.
Und vielleicht eröffnen sich ja ganz neue Möglichkeiten.“

 

Der Trend beim Heizen

Nachtrag:
2019 wurden nach der Baugenehmigungsstatistik des Thüringer Landesamtes für Statistik zur primären Beheizung von 2.007 neu geplanten Wohngebäuden nach Fertigstellung zu 53,4 Prozent regenerative Energien genutzt, also Geothermie, Umweltthermie, Solarthermie, Holz, Biogas, sonstige Biomasse.
Öl, Gas und Strom, die zu den konventionellen Energiequellen zählen, sorgen in 43,2 Prozent (867 neuen Wohngebäuden) für die Beheizung.

Und alles, damit es bei uns in den Wohnungen und Häusern in diesen kalten Tagen schön warm ist.

Daniel Dreckmann

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