Der kleine Held vom Hamsterfeld - meinanzeiger.de
18. September 2020
Thüringen

Der kleine Held vom Hamsterfeld

Das neuste Werk vom Thüringer Naturfilmer Uwe Müller

Feldhamster

Feldhamster / Foto: SgH

Premiere auf Arte

Der neuste Film von Uwe Müller hat heute auf Arte Premiere. Darin geht es um die Feldhamster. Bis zu 35 cm können sie große werden. Seit dem Mittelalter sind sie in Verruf. Früher galten sie als Körnerdiebe und wurden wegen ihres Fells noch bis Ende der 1980er-Jahre bejagt. Noch bis 1975 wurden die Hamsterbaue auch begast. Da das Hamsterfell einen bedeutenden Wirtschaftsartikel darstellte, bemühten sich die Rauchwarenexperten der DDR darum, statt der Begasung den Hamsterfang durch die nebenberuflich tätigen Hamsterfänger zu intensivieren. Durch den Fang blieben die Felle in einem kommerziell hochwertigeren Zustand.

Vorkommen des Feldhamsters
Die Verbreitung des Feldhamsters / Foto: ©Alexander Kürthy

 

Die Geschichte eines Feldhamsterweibchens

Sie sind meist unsichtbar und trotzdem immer in Gefahr: Feldhamster führen ein Leben im Verborgenen. Sie sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und werden zudem immer seltener. Ein Hamsterjahr ist kurz und voller Gefahren. Sechs Monate haben die Hamster Zeit, um einen Partner zu finden, den Nachwuchs aufzuziehen und Wintervorrat zu sammeln. Die Dokumentation beleuchtet exemplarisch die Geschichte eines Feldhamsterweibchens in einer der letzten deutschen Hamster-Regionen in Thüringen. Hier gibt es sogar eine seltene melanistische Population mit schwarzem Fell. Die Kamera folgt der Hamsterdame zwischen den Halmen auf dem Feld und in den Bau unter der Erde. Dabei zeigt sie sie immer aus nächster Nähe: bei der Paarung, der Geburt ihrer Jungen oder beim Körner sammeln. Die ersten Jungen werden schon wenige Wochen nach dem Erwachen der Mutter aus dem Winterschlaf geboren. Anfangs nackt, blind und völlig abhängig, müssen sie binnen kürzester Zeit selbstständig werden und sich einen eigenen Bau graben.

Feldhamster frisst Körner
Feldhamster bei der Nahrungsaufnahme / Foto: ©SgH

Zahlreiche natürliche Feine, doch der größte Feind ist der Mensch

Zahlreiche natürliche Feinde wie Fuchs, Eule, Kornweihe, Storch und Reiher machen das Kornfeld unsicher. Sieben von zehn Hamstern überleben die ersten Wochen nicht. Doch das ist nichts in Bezug auf die Auswirkungen menschlichen Handelns. Heute sind die Tiere als „Bau-Stopper“ in Verruf. Dabei stehen sie selbst durch die Folgen industrieller Landwirtschaft massiv unter Druck. Monokulturen, Pestizideinsatz und frühere Ernten machen ihnen zu schaffen. Und die Versiegelung von täglich 60 Hektar Ackerfläche bedroht ihre letzten Lebensräume. Die Dokumentation von Uwe Müller erzählt packend, „pelznah“ und humorvoll vom harten Landleben der Feldhamster in Deutschland.

Feldhamster
Feldhamster guckt aus seinem Erdbau / Foto: @Uwe Müller

Deutsche Erstausstrahlung: 18.09.2020 um 18:30 Uhr (arte) / Wdh. am 20.09.2020 um 13:55 Uhr (arte)

Drehbuch/ Kamera/ Regie: Uwe Müller

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