28. April 2021
Thüringen

Ehrenmitglied des GutsMuths-Rennsteiglaufvereins verstorben

Eugen Hainlein beim Zieleinlauf 2009 in Schmiedefeld beim GutsMuths-Rennsteiglauf (Foto: Dr. H.-G. Kremer)

Wenige Tage vor seinem 94. Geburtstag ist Eugen Hainlein verstorben. Nachdem Eugen Hainlein 1983 zur Ausdauerlaufsport gekommen war, nahm er bald an ersten Wettkämpfen teil, darunter auch am GutsMuths-Rennsteiglauf. Diesem blieb er bis 2014 treu und startete insgesamt 28 Mal auf der Marathon- und Halbmarathon-Strecke, sowie zuletzt bei der 17 Kilometer-Wanderung. Eugen Hainlein war nicht nur seit Beginn seines Läuferlebens Mitglied im USV Jena e.V., sondern gehörte auch zu den ersten Mitgliedern des 1990 gegründeten GutsMuths-Rennsteiglaufvereins. Zu seinem 90. Geburtstag wurde er zum Ehrenmitglied des GutsMuths-Rennsteiglaufvereins e. V. ernannt.

Eugen Hainlein war ein gutes Beispiel, dass man auch im hohen Alter noch regelmäßig Wettkampfsport betreiben kann. Bis zu seinem 85. war er einer der aktivsten Wettkämpfer der Abteilung Ausdauerlauf-Walking des USV Jena.

Erst mit 56 Jahren begann Eugen Hainleins „Sportkarriere“, nachdem er erfolgreich an einem Anfängerlaufkurs der HSG Uni Jena unter Leitung von Dr. Rolf Schoder und Eckehard Gläßer teilgenommen hatte. Er war damals als Bankkaufmann tätig und merkte, dass er gesundheitliche Probleme hatte.

Als Jugendlicher besuchte er das Gymnasium und war kurzzeitig im Verein für Bewegungsspiele (Vorläufer des USV) aktiv, wurde dann in den letzten Kriegsmonaten noch zur Wehrmacht eingezogen. In den Kernbergen war er als Flakhelfer eingesetzt, bevor er an die Westfront verlegt wurde. In Frankreich geriet Eugen Hainlein in Gefangenschaft und musste über zwei Jahre schwere Arbeit auf einem Bauernhof verrichten. Nach einer abenteuerlichen Flucht und Rückkehr nach Jena erlernte er den Beruf eines Bankkaufmanns. Später holte er sein Abitur an der Volkshochschule nach und besuchte als Fernstudent ein Ökonomiestudium, das er mit einem Diplom erfolgreich abschloss.

Ab 1990, nach der politischen Wende in der DDR, nutzte er die gewonnene Reisefreiheit um in der ganzen Welt an Wettkämpfen, darunter an vielen Marathonläufen, teilzunehmen. Die Reisen, stets begleitet von seiner Ehefrau, führten ihn bis nach Ägypten und zum New York- Marathon. Besonders gerne nahm Eugen an „Rotwein-Marathon-Läufen“ in Frankreich teil. So startete er beim legendären „Marathon du Medoc“, mit bis zu 10.000 Startern. Als dann ein ähnlicher Lauf im Raum Jena entwickelte wurde, war er von Anfang an dabei. Überhaupt gab es wohl keinen Lauf in der Region, bei dem er nicht mehrfach startete. In seinen letzten aktiven Jahren kam er fast immer mit einer Medaille und oft auch einem Pokal nach Hause. Bald hatte er in seiner Wohnung keinen Platz mehr für die Pokale, so dass er diese nach und nach dem USV für die Ausgestaltung der Vereinsgaststätte und für das Archiv stiftete. Als Mitgründer des USV-Läuferstammtischs, wurde eine Messingtafel zu seinem 80. an einen Ehrenstammplatz angebracht. Als er aus gesundheitlichen Gründen in die Nähe seiner Tochter nach Stadtroda umzog, übergab er seine mehr 100 Teilnehmer- und Siegermedaillen dem Jenaer Stadtmuseum.

Die Familie und Lauffreundinnen und -freunde erneuerten im vergangenen Jahr „Eugens-Rotweinbank“ an der Oberen Kernberghorizontale.

Von Dr. H.-G. Kremer

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