30. April 2021
Thüringen

Eine Decke als „Willkommen“

Über 1000 Decken nähte das Geraer „Mini Decki“-Team um Manuela Prautsch in den vergangenen fünf Jahren für Flüchtlingskinder. Foto: „Mini Decki“-Team Gera

Manuela Prautsch näht mit Geraer Frauen im „Mini Decki“-Team Decken für Neugeborene aus Flüchtlingsfamilien

Die Idee kam Manuela Prautsch 2016, als sie auf meinAnzeiger.de einen Artikel über ein „Mini Decki“-Team in Jena las, das es inzwischen leider nicht mehr gibt.
Es war die Zeit, als das Thema Flüchtlinge die Schlagzeilen beherrschte.

Wärme, Schutz und Geborgenheit

In Jena war man auf die Idee der Schweizerin Simone Maurer-Weber aufmerksam geworden, die bereits 2014 unter dem Motto „mini ­Decki“ – „meine Decke“ ­begonnen hatte, Decken für traumatisierte Flüchtlingskinder zu nähen.
Grund­gedanke, der in immer mehr Städten Deutschlands ­Anhänger fand, war, dass eine ­Decke Wärme und ­Geborgenheit geben soll, dass sie sowohl Schutz als auch Spielzeug sein kann.

Spontane Idee, ein Aufruf und das erste Nähtreffen

Manuela Prautsch war von der Idee so begeistert, dass sie sofort bei der Leiterin des „Mini Decki“-Teams in Jena anrief, um zu fragen, wie sie die Idee nach Gera holen könnte.

Am 15. April 2016 war es dann so weit.
Einem Aufruf in der Zeitung folgend, trafen sich mehrere Frauen zum ersten Nähtreffen.

Genäht wird nach genauen Vorgaben

Manuela Prautsch zeigte den interessierten Frauen, wie die Decken zu nähen ­waren.
Es gibt genaue Vor­gaben, was die Maße und Schnittmuster angeht.
Inzwischen gibt es dazu eine ausführliche Anleitung mit Fotoserie auf der Facebook-Seite des „Mini ­Decki“-Teams.

Fast jede Decke ist ein Unikat

Welche Muster und Stoffe – oft eine ­Mischung aus gebrauchter Bettwäsche und neuen Stoffen mit Kindermotiven – verwendet werden, ist frei­gestellt.
Fast jede Decke ist ein Unikat.

Nähen für Baby-Willkommensbesuche

Zunächst wurden die ­Decken im Rahmen von eigenen Veranstaltungen ­sowie über die Diakonie, die Caritas oder die Volkssoli­darität verteilt.
Seit 2017 ­nähen die zehn Frauen des „Mini ­Decki“-Teams in Gera ausschließlich Decken, die im Rahmen von Baby-Willkommensbesuchen der Stadt an Neugeborene in Flüchtlingsfamilien verteilt werden.

Weshalb es Decken nicht auch für deutsche Kinder gibt?
Das sei für das kleine Team nicht zu schaffen, bedauert Manuela Prautsch.

Fünfjähriges Jubiläum

Kürzlich feierte das Team sein fünfjähriges Jubiläum.
Pandemiebedingt nähen die Frauen derzeit zwar zu Hause, aber davor trafen sie sich regelmäßig in den Räumen, die der ASB Gera ihnen kostenlos zur Verfügung stellt, um die Labels auf alle ­Decken zu nähen, die verteilt werden.

Über 1000 Decken

Über 1000 Decken nähten die Geraerinnen in den vergangenen fünf Jahren, ­wovon einige mit dem Human Aid Collective e. V. und dem Hamburger Hilfskonvoi auch in Flüchtlingslagern in Griechenland verteilt wurden.

Ein gutes Gefühl

„Es ist immer wieder ein gutes Gefühl, helfen zu können“, sagt Manuela Prautsch zum ­Abschied.
Ein warmes ­Gefühl – wie eine Decke.

Daniel Dreckmann

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