25. Juni 2021
Thüringen

Fortbildung des Landespflegerates Thüringen e.V. „Die digitale Patient*innenakte – was bedeutet das für die Hebammenarbeit?“

Martina Röder ist die Vorsitzende des Landespflegerates Thüringen und hat die Fortbildung des Landespflegerates Thüringen e.V. „Die digitale Patient*innenakte - was bedeutet das für die Hebammenarbeit?“ mitorganisiert.

Frau Röder, wann gab es dieses Onlineangebot?

Martina Röder:  Die Fortbildung des Landespflegerates Thüringen e.V. zum Thema „Die digitale Patient*innenakte – was bedeutet das für die Hebammenarbeit?“ fand als virtuelle Veranstaltung statt. Das war am Nachmittag des 28.05.2021.

Frau Röder, was ist eine elektronische Patientenakte?

Martina Röder: Die elektronische Patientenakte – kurz ePA – dokumentiert die Gesundheitsgeschichte von Patient*innen digital. Alle, die an der medizinischen Behandlung beteiligt sind, schreiben daran mit. Sie können sich – wenn Patient*innen dem zustimmen – zu den medizinischen Daten der Patient*innen informieren und diese untereinander austauschen. Zu diesen Daten zählen z. B. Untersuchungsergebnisse oder verordnete Medikamente.

Nach der Begrüßung durch Sie, als Vorsitzende des Landespflegerates Thüringen, referierte Annika Wanierke, 1. Landesvorsitzende des Hebammenlandesverbands Thüringen, über die elektronische Patient*innenakte (ePA). Was sind die Vorteile einer solchen Akte?

Martina Röder: Die Vorteile der digitalen Patientenakte liegen auf der Hand.

Es besteht Transparenz, Bündelung und Verfügbarkeit wichtiger Gesundheitsdaten: z. B. Vorerkrankungen und Allergien, das Wissen über frühere Behandlungen oder auch die aktuelle Medikation – mit der ePA sind die gesundheitsbezogenen Daten von Patient*innen an einem Ort gesammelt, aktuell und jederzeit verfügbar. Ziel ist ein vernetztes Gesundheitssystem, damit wichtige Informationen nicht verloren gehen. So können viele Abläufe vereinfacht und beschleunigt werden. Das ist wichtig und hilfreich, sowohl für Patient*innen als auch für Ärzt*innen.

Patient*innen müssen z. B. beim Arztwechsel die Vorgeschichte nicht erneut erzählen, Formulare ausfüllen oder medizinische Unterlagen besorgen. Auch die Suche nach dem Impfpass gehört dann der Vergangenheit an. Die Anamnese beim Arzt, also die Aufnahme der Vorgeschichte einer Krankheit, wird so insgesamt vollständiger und sicherer. Doppelte Untersuchungen können vermieden werden. Das spart Zeit und gibt mehr Raum für den wichtigen Dialog zwischen Ärzt*innen und Patient*innen.

Es gibt die passende Versorgung im Notfall: Mit dem persönlichen Notfalldatensatz können Patient*innen auch in einem möglichen Notfall versorgt werden. Dort sind alle relevanten Informationen wie etwa Allergien, Diagnosen oder Medikamente hinterlegt, die für die Notfallversorgung wichtig sein können. Ob der Notfalldatensatz in der ePA gespeichert werden soll, entscheiden Patient*innen selbst.

Wie steht es um den Datenschutz und die Datenhoheit?

Martina Röder: Die Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und weitere Patientennutzen: Patient*innen haben die Datenhoheit, d. h. sie bestimmen auch darüber, wer welche Informationen sehen darf. Per Smartphone oder Tablet kann zudem die eigene ePA eingesehen werden. Das bestärkt Patient*innen darin, selbstbestimmt und eigenverantwortlich mit ihren Gesundheitsdaten umzugehen. In der Apotheke können Patient*innen mit der ePA zudem von einer besseren und individuelleren Beratung profitieren. Auch eRezepte sind in Zukunft in der elektronischen Patientenakte bzw. einer separaten App hinterlegt und können direkt in der Apotheke eingelöst werden.

Welche Themen spielten noch eine Rolle bei dieser Veranstaltung? 

Martina Röder: Das digitale Nutzungsverhalten von jungen Frauen, Familien und Hebammen hat sich in den letzten Jahren verändert. Recherchen im „World Wide Web“, die Nutzung von Social Media, Videotelefonie und Online-Beratungsportalen sind Teil des Alltags geworden. Der Grundgedanke der Selbstbestimmung der Versicherten steht bei der Nutzung der ePA stets an erster Stelle. Von den gesetzlichen Voraussetzungen, dem Datenschutz und der notwendigen technischen Ausrüstung bis hin zur praktischen Umsetzung im Hebammenallltag, genau das erläuterte Annika Wanierke bei den Aspekten der Auswirkungen der Digitalisierung der Patient*innenakte. Entscheidend ist, dass dabei die originäre Hebammenarbeit unangetastet bleibt. Das war das Fazit von Annika Wanierke, 1. Landesvorsitzende des Hebammenlandesverbands Thüringen.

Wer konnte sich an dieser Online-Beratung beteiligen?

Martina Röder: Unserer Veranstaltung folgten interessierte Hebammen unseres Landes und sie nahmen am konstruktiven Erfahrungsaustausch dieses Angebotes teil.

Martina Röder, Vorsitzende des Landespflegerates Thüringen(Foto: Neanderklinik)

Vielen Dank für das Gespräch

Auch interessant