Große Befragung zum Fahrradklima - meinanzeiger.de
15. Januar 2021
Thüringen

Große Befragung zum Fahrradklima

Wie fahrradfreundlich ist meine Kommune? Dieser Frage geht der ADFC-Fahrradklima-Test nach, an dem sich Fahrradfahrer deutschlandweit beteilgen konnten. Im Frühjahr werden die Ergebnisse bekanntgegeben. Foto: ADFC Thüringen

ADFC-Fahrradklima-Test 2020 ist schon jetzt ein Erfolg /
Ergebnisse werden im Frühjahr bekanntgegeben

„2020 war ein Fahrradjahr:
Zahlreiche Menschen haben das Radfahren als in vielerlei Hinsicht vorteilhafte Form der Mobilität für sich neu entdeckt.
Und so verwundert es nicht, dass auch die Beteiligung am ADFC-Fahrradklima-Test 2020 ein neues Rekordniveau erreicht hat“, erklärt Dr. Margret Seyboth, die neue Pressesprecherin des ADFC Thüringen.

Da vermutlich nicht alle Leser genau wissen, was der ADFC-Fahrradklima-Test ist, geht Dr. Seyboth kurz darauf ein:
„Vom 1. September bis zum 30. November 2020 fand der vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geförderte ADFC-Fahrradklima-Test 2020 statt.
Er gibt Radfahrerinnen und Radfahrern die Möglichkeit, die Radwegesituation in ihrem Umfeld zu beurteilen.
Damit ist er der Zufriedenheitsindex von Radfahrerinnen und Radfahrern in Deutschland.“

 

Fast 230.000 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich

Die vorläufigen Ergebnisse lassen die überzeugte Radfahrerin geradezu ins Schwärmen geraten:
„Nach letzten Zwischenständen haben sich deutschlandweit fast 230.000 Bürgerinnen und Bürger beteiligt und über 1.000 Orte bewertet.
2018 hatten knapp 170.000 Bürgerinnen und Bürger (2016 waren es 120.000) das Fahrradklima in 683 Städten (2016 waren es 539) beurteilt.
Das ist ermutigend, zeigt sich darin doch ein zunehmendes Interesse an verkehrspolitischen Themen und ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass das Fahrrad ein grundlegender Teil der notwendigen Verkehrswende ist.“

 

Vorläufige Zahlen mit erfreulichen Tendenzen

Immer wieder betont die Pressesprecherin des ADFC Thüringen, dass es sich nur um vorläufige Zahlen handelt, dass sich daran noch einiges ändern kann und dass die Angaben mit Vorsicht zu genießen sind.

Doch wenn man sich diese Zahlen anschaut, lassen sich zum Teil erstaunliche Tendenzen feststellen:

  • Nach den vorläufigen Zahlen beteiligten sich in Thüringen 3194 Fahrradfahrer am diesjährigen Fahrradklima-Test.
  • In der Stadt Weida zum Beispiel nahmen beim letzten Test zwei Fahrradfahrer teil, dieses Mal waren es 80.
  • In Suhl waren es beim letzten Mal 49 und dieses Mal 162.
  • In Mühlhausen beteiligten sich beim letzten Mal 18 Radfahrer und dieses Mal stattliche 174.
  • In Leutenberg nahm letztes Mal sogar nicht ein einziger Radler teil, und dieses Mal waren es gleich 59.
  • In Gotha stieg die Zahl der Teilnehmer von 64 auf 111.
  • Und in Erfurt von 608 auf beachtliche 933.

Mag sein, dass sich die Zahlen noch etwas verschieben aber an der Grundtendenz dürfte sich bei diesen Extremen kaum etwas ändern.

Noch läuft die Auswertung durch den ADFC-Bundesverband.
„Wir werden Ergebnisse erst im Laufe des Frühjahrs erhalten und haben keinen vorherigen Zugriff auf Einzeldaten“, betont Dr. Margret Seyboth noch einmal.

 

Effektive Kontrollmechanismen

Aber wie werden die Beiträge überprüft?
Nicht, dass sich da jemand aufregt und tatsächlich ist es in diesem Einzelfall vielleicht gar nicht so schlimm…

Dr. Seyboth schüttelt mit dem Kopf.
„Da eine Auswertung erst erfolgt, wenn es für eine Kommune je nach Größe mindestens 50 bis 100 Rückmeldungen gegeben hat, fallen Einzelstimmen nicht so ins Gewicht“, erklärt sie. „Freitexteingaben werden nicht von vornherein publiziert, sondern den örtlichen ADFC-Gliederungen zur Verfügung gestellt, die aufgrund ihrer Ortskenntnis entscheiden, ob die Publizierung von Freitexteingaben oder deren anderweitige Verwendung sinnvoll ist.“

 

Im Wesentlichen ein politisches Signal

Beim ADFC-Fahrradklima-Test gab es vorgegebene Fragen, die mit Schulnoten beantwortet werden mussten.
Deren statistische Auswertung wird publiziert.

„Sie sind für die Kommunen eine Rückmeldung auf ihre Bemühungen um den Radverkehr.
Dem ADFC vor Ort bieten sie Argumentationsmaterial.
Im Wesentlichen geht es also um ein politisches Signal“, erläutert Dr. Seyboth.

 

Das Aufzeigen von Entwicklungen

Was kann der Fahrradklima-Test bewirken – und was kann er nicht?
„Er kann für einzelne Kommunen Entwicklungen aufzeigen und auf einen Rückstand im Verhältnis zu anderen Orten hinweisen, in denen die Entwicklung positiver ist“, meint die ADFC-Pressesprecherin, und betont gleichzeitig:
„Er kann aber kein objektives Bild der Fahrradfreundlichkeit verschiedener Städte im Vergleich zueinander zeichnen.
Denn die Ergebnisse beruhen auf den subjektiven Eindrücken der Teilnehmenden, die in der Regel Erfahrungen mit dem Alltagsradverkehr nur in ihrer eigenen Stadt und nicht in anderen haben, also keine objektiven Noten vergeben können.“

Anders sei das nur bei den Fragen, bei denen es um „alles oder nichts“ geht.
„Wenn es in einem Ort keine öffentlichen Fahrradverleihsysteme gibt, kann dafür objektiv nur die schlechteste Note vergeben werden“, gibt sie ein Beispiel.
„Aber selbst das geschah in der Vergangenheit nicht durchweg.“

 

Am Ende hängt alles an den Finanzen

Zum Ende des Gespräches ist Dr. Margret Seyboth noch einmal wichtig, klarzumachen, wie bedeutsam diese Untersuchung, deren Ergebnisse im Fühjahr veröffentlicht werden, ist:
„Der ADFC-Fahrradklima-Test ist eine der größten Befragungen zum Radfahrklima weltweit.
Er wurde 2020 zum neunten Mal durchgeführt.“

Auf die Frage, wie die Verantwortlichen in der Vergangenheit mit den Ergebnissen umgegangen sind, sagt die ADFC-Pressesprecherin:
„Die Reaktionen sind von Ort zu Ort unterschiedlich.
Oftmals sind die unmittelbar für den Radverkehr zuständigen Mitarbeiter der Kommunen nicht so überrascht.
Die Schwierigkeit ist eher, die darüber liegende politische Entscheidungsebene zu beeinflussen, da viele Aspekte keine Frage des Willens der Sachbearbeiter, sondern der zur Verfügung gestellten Finanzmittel sind.“

Der ADFC-Fahrradklima-Test hat zuletzt im Zwei-Jahres-Turnus stattgefunden.
Der ADFC bemüht sich, dies so fortzusetzen.
Den nächsten Fahrradklima-Test würde es folglich 2022 geben.

Doch das entscheidet nicht der ADFC allein.
„Die professionelle EDV-Auswertung ist nicht gratis, so dass die Durchführung immer von der Unterstützung durch das zuständige Bundesministerium abhängt“, meint Dr. Margret Seyboth abschließend.

Doch nun darf man erst einmal auf die offiziellen Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020 im Fühjahr gespannt sein.

Daniel Dreckmann

 

Wie fahrradfreundlich ist meine Kommune? Dieser Frage geht der ADFC-Fahrradklima-Test nach, an dem sich Fahrradfahrer deutschlandweit beteilgen konnten. Im Frühjahr werden die Ergebnisse bekanntgegeben. Foto: Sinawa / www.pixabay.de

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